mz_logo

Gemeinden
Montag, 22. Januar 2018 11

Flüchtlinge

Wie Eingliederung gelingen kann

Jugendpfleger Reichenberger informiert über die erfolgreiche Zusammenarbeit vieler Einrichtungen in Lappersdorf.
Von Josef Dummer, MZ

  • Mit Aktionen und Projekten werden die jugendlichen Migranten in ihre neue Heimat eingegliedert und vor allem die Deutschkenntnisse verbessert. Foto: Dummer
  • Mit Aktionen und Projekten werden die jugendlichen Migranten in ihre neue Heimat eingegliedert und vor allem die Deutschkenntnisse verbessert. Foto: Dummer
  • Die Übergangsklasse in der Schule Lappersdorf aus dem letzten Schuljahr. Foto: Dummer

Lappersdorf.Während in ganz Deutschland das Thema Flüchtlinge weiter große Wellen schlägt, steckt der Markt Lappersdorf schon voll in der Integrationsarbeit. Eine besondere Symbiose aus Mittelschule, offener Ganztagsschule und Familienstützpunkt in Kooperation mit der Evangelischen Jugendsozialarbeit (EJSA) beginnt derzeit damit, sich zu einer kleinen Erfolgsgeschichte zu entwickeln.

Bei einer Zusammenkunft im Lappersdorfer Jugendtreff informierten die beteiligten Stellen im Beisein mehrerer Schüler über die „Chance zur Integration“, mit der nach den Worten von Jugendpfleger Rudi Reichenberger so früh wie möglich begonnen werden sollte, denn dann bestehe die beste Chance zur Eingliederung.

Der Film „Leben in Deutschland“

Gut nachvollziehen lassen sich die ersten Fortschritte in Lappersdorf anhand des Dokumentarfilms „Leben in Deutschland“, den der Lappersdorfer Kommunikationsdesigner Sigurd Roscher im Frühjahr dieses Jahres mit Schülern der Lappersdorfer Mittelschule gedreht hatte. Mit dabei als Interviewpartner waren damals auch Schülerinnen und Schüler aus den neugegründeten Übergangsklassen. Die erste davon wurde 2014 eingerichtet für Schülerinnen und Schüler mit keinen oder geringen Deutschkenntnissen. Nachdem sich dafür immer mehr Bedarf ergeben hatte, kam es heuer zur Gründung einer zweiten Übergangsklasse.

Der Film, initiiert von Jugendpfleger Reichenberger und großzügig gesponsert vom Bayerischen Jugendring, sollte das Leben der Schüler und ihre Wünsche für die Zukunft darstellen. Er zeigte teilweise auch auf, welchen Weg manche Flüchtlinge bereits hinter sich hatten. Und es wurde auch deutlich, wie wichtig ein fester Anker in der neuen Heimat ist. Premiere des Films war beim diesjährigen Bürgerfest im Juli.

Positive Bilanz nach einem Jahr

Zu dem Treffen hatte Jugendpfleger Reichenberger einige „Schauspieler“ sowie die Verantwortlichen aus dem Markt, der Offenen Ganztagsschule, der Jugendsozialarbeit an Schulen und vom Familienstützpunkt Lappersdorf in den Jugendtreff eingeladen, um unter anderem auch die Aussagen der Schüler aus dem Film nach über einem halben Jahr zu analysieren. „Hedonisten, Couchpotatoes und Leistungsverweigerer – ist das wirklich unsere Jugend?“ Reichenberger bewegen solche Fragen und Vorurteile in seiner Arbeit mit den Jugendlichen, was ihn auf die Idee zu diesem Film mit den Schülern der Lappersdorfer Mittelschule brachte. Als Partner konnte er Marion Lindner vom Familienstützpunkt Lappersdorf, Nathalie Bayer von der Offenen Ganztagsschule und Elisabeth Abel, die Jugendsozialarbeiterin an der Schule in Lappersdorf, gewinnen sowie die gesamte Schulfamilie mit Schulleiterin Maria Kehrer-Leierseder an der Spitze.

Einige davon standen jetzt der MZ Rede und Antwort zu den ersten Ergebnissen dieses „Experiments“ an der Mittelschule Lappersdorf, das nach Meinung von Lehrer Johann Burdack, der eine der beiden Übergangsklassen leitet, zu einer „Erfolgsgeschichte“ werden könnte. Die Schüler dieser Klassen seien mittlerweile voll in die Schule integriert, und er wisse von keinen Problemfällen oder Vorkommnissen, die auf einen Migrationshintergrund schließen ließen. Mit regelmäßig angebotenen Aktionen werde beispielsweise den Sprachproblemen Vorschub geleistet. „Je gemischter und mit unterschiedlichen Individuen eine Klasse bestückt ist, umso bunter gestaltet sich das Klassenleben“, stellte Burdack bei seiner Arbeit mit der Übergangsklasse fest. Auch beobachtet er seitdem ein „lebendigeres Schulleben, mit dem sich mit den Neuankömmlingen ungeahnte Talente entdecken lassen“.

Extrem guter Zusammenhalt

Auch die Schüler finden den Zusammenhalt in den Übergangsklassen „extrem gut“. So würde beispielsweise unbegleiteten Jugendlichen, die ohne Eltern hier in Heimen leben, von der Klasse Halt gegeben. Es gebe eine gegenseitige Unterstützung mit Trost spenden in schweren Stunden, berichteten die Jugendlichen in schon gutem Deutsch. Dadurch habe sich die Stimmung in den Klassenzimmern gegenüber der Anfangszeit auch wesentlich verbessert, ergänzte Lehrer Burdack.

Jugendpfleger Reichenberger versucht zudem von Anfang an, die migrierten Jugendlichen im Jugendtreff, bei den Ferienaktionen und in Vereinen einzubinden. „Gemeinsam schaffen wir es“, so seine Devise. Jeweils ein Kraftakt sei das Erlernen der deutschen Sprache, wobei die Schüler aus den Übergangsklassen sich „in unglaublich kurzer Zeit die bekanntermaßen schwer zu erlernende deutsche Sprache“ aneignen würden.

Unterstützung zugesagt

Deutlich wahrnehmbar war dies in dem Film von Sigurd Roscher, als Schüler bei den Filmaufnahmen sich noch wesentlich schwerer taten, sich zu artikulieren, jetzt aber bei dem Treffen mit der MZ schon in gutem Deutsch Rede und Antwort stehen konnten, und dies nach einem Zeitraum von einem halben Jahr. Alle an dem Gespräch beteiligten Personen setzten ihre Hoffnungen in den Markt Lappersdorf, dass diese positive Entwicklung weiterhin Unterstützung finden möge. Diese sagte der ebenso anwesende stellvertretende Bürgermeister Stefan Königsberger zu, der besonders das große Engagement von Jugendpfleger Reichenberger in dieser Sache herausstellte. Gefordert seien aber auch die Schulen und Vereine, um die Gemeinschaft mit den Neubürgern weiter zu fördern. „Der Markt Lappersdorf wird auf jeden Fall seinen Beitrag dazu leisten“, versprach Königsberger.

Viele arbeiten zusammen

  • Zusammenarbeit

    Kooperationspartner der Mittelschule Lappersdorf ist die Evangelische Jugendsozialarbeit Regensburg (EJSA). Als anerkannter Träger der Jugendhilfe verfügt die EJSA auf diesem Arbeitsfeld über langjährige Erfahrung und unterhält im Raum Regensburg mehrere Einrichtungen.

  • Jugendsozialarbeit an Schulen

    Die JaS ist ein freiwilliges und kostenfreies Angebot der Jugendhilfe, das direkt an der Schule zur Verfügung steht. JaS soll eine Schnittstelle zwischen Familie und Schule darstellen, die im Einzelfall schnelle und unbürokratische Hilfe vor Ort anbieten kann.

  • Jugendtreff Lappersdorf

    Rudi Reichenberger leitet mit Marion Lindner den Jugendtreff und Familienstützpunkt. Sie unterstützen an der Grundschule Schüler, Eltern und Lehrkräfte bei Problemen und bei Fragen. An der Mittelschule kooperieren sie mit Elisabeth Abel (JaS) bei Projekten. (ldk)

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht