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Sonntag, 17. Dezember 2017 10

Politik

Wirrwarr um geplantes Wohnhaus

Die Gemeinde Wiesent hat ein Bürgerbegehren gegen die Bebauung eines Grundstücks zugelassen. Die Wähler stimmen nun ab.
von Walter Schiessl, MZ

  • So soll das vom Münchner Architekt Bernhard Schambeck geplante Haus an der Wiesent einmal aussehen. Foto: Aumer
  • Bauherr Ernst Aumer hofft, dass viele Wiesenter mit „Nein“ stimmen.Foto: ws
  • Peter Zimmerer sieht Gefährdungen.

Wiesent.Die Rechtslage ist verworren. Der Bauunternehmer Ernst Aumer, der seit gut 40 Jahren in der Baubranche tätig ist, kann sich nicht erinnern, so etwas wie die „Wiesenter Situation“ schon mal erlebt zu haben. Der 60-Jähringe, der in seinem Arbeitsleben europaweit gut 20 000 Industriehallen und 150 Wohnhäuser errichtet hat, sieht sich seit einigen Monaten durch das Bürgerbegehren gebremst, das Judith Kumpfmüller, Peter Zimmerer und Josef Stadler auf den Weg gebracht haben.

„Mir sind dadurch Zeitverzug, Ärger und Unkosten von 10 000 Euro entstanden“, sagt der Unternehmer, der seine Karriere als Ein-Mann-Betrieb im heimischen Brennberg begonnen hat. Er hofft darauf, dass möglichst viele Wiesenter am Sonntag, 24. September“ ihr Kreuzerl beim „Nein““ machen, damit das Neun-Familienhaus anstelle des ehemaligen Lutzhauses errichtet werden kann. Dieses alte, nicht mehr bewohnbare Gebäude hat er längst abbrechen lassen.

Mehr Platz fürs Hochwasser

Eigentlich hatte alles nach einem ganz normalen Wohnhausbau in Wiesent ausgesehen. Der Unternehmer war auf das Grundstück aufmerksam geworden, denn die Besitzerin Lisa Lutz hatte Interesse, das ererbte Areal in der Ortsmitte an der Wiesent zu verkaufen. Die Studentin und der Erfolgs-Unternehmer wurden sich schnell einig, Aumer reichte bei der Gemeinde den Bauantrag ein und der Gemeinderat befürwortete ihn im Mai mit 9:4 Stimmen. Genehmigungsbehörde ist wie bei jedem Bauvorhaben das Landratsamt.

Judith Kumpfmüller, Josef Zimmerer und Josef Stadler erfuhren umgehend von der Wiesenter Zustimmung und machten dagegen mobil. Das Trio ging von Haus zu Haus und brachte 284 Unterschriften zusammen, die sich gegen die Verwirklichung des privaten Vorhabens richteten. Bei der Gemeinde wurde der Antrag auf ein Bürgerbegehren eingereicht. Der Gemeinderat ließ dieses in seiner Juli-Sitzung zu, auch wenn Judith Kumpfmüller aus dem Trio ausstieg. Somit haben die Wiesenter am Sonntag, 24. September, auch über das Aumer’sche Haus zu entscheiden.

Jetzt ist es vor allem Peter Zimmerer, der sich durch den Bau beeinträchtigt sieht. Er befürchtet im Falle eines Jahrhunderthochwassers, dass sich durch den Bau des Aumer-Hauses speziell Teile der Donau mindestens bis zu seinem Anwesen, das gut 500 Meter aufwärts des Flüsschens Wiesent liegt, zurückstauen könnte. Er hofft, dass die Mehrheit der 2157 Wiesenter Wahlberechtigten mit „Ja“ stimmt. Ernst Aumer weist Zimmers Befürchtungen entschieden zurück. Der Brennberger hat – wie vom Landratsamt gefordert – einen Gutachter beauftragt, um die Hochwassersituation zu untersuchen. Der Diplom-Geologe Eduard Eidenschink aus Deggendorf berechnete die Auswirkungen des Jahrhunderthochwassers und kam zu dem Schluss, dass auf einem großen Teil des Baugrundstücks sich keine Veränderung ergeben würde.

„Im Augenblick weiß keiner, wie es weitergeht!“

Bürgermeisterin Elisabeth Kerscher

„Das vom Bauherrn beauftragte hydrogeologische Gutachten wurde bei uns eingereicht. Inhaltlich wird es an das Wasserwirtschaftsamt Regensburg weitergeleitet. Eine Rückmeldung des Wasserwirtschaftsamtes liegt uns bislang noch nicht vor“, ließ Hans Fichtl, der Pressesprecher des Landratsamts, wissen.

Wie Ernst Aumer versichert, werde die Grundfläche des Gebäudes nicht größer sein als die der drei Gebäude des Lutzhauses zusammengerechnet. Geplant ist das Haus mit einer Grundfläche von 350 Quadratmetern, das Grundstück, auf dem ein Spielplatz und Grünanlagen entstehen, ist 1950 Quadratmeter groß. „Das Wohnhaus wird in energieeffizienter Bauweise errichtet, barrierefrei sein und neun Wohnungen mit Wohnraumlüftung und Südausrichtung haben“, sagt Ernst Aumer. Die Lage, mitten am Marktplatz mit bester Busanbindung, spräche für das auf 1,4 Millionen Euro veranschlagte Vorhaben.

Die Nachfrage ist schon groß

Ernst Aumer will nicht in den Kopf, wieso in Wiesent gegen sein privates Vorhaben so mobil gemacht wird. „Überall wäre man froh, wenn Wohnraum errichtet wird,“ sagt er, „aber ausgerechnet hier nicht.“ Die Nachfrage nach den Wohnungen in eingegrünter Umgebung ist jetzt schon groß, versichert Aumers Sohn Matthias, der seit 15 Jahren zusammen mit dem Vater den Betrieb der Aumer Group führt.

Im Augenblick weiß keiner, wie es mit dem Haus weitergeht, sagt Bürgermeisterin Elisabeth Kerscher. Bei einem „Ja“ der Mehrheit kann man damit rechnen, das sich Ernst Aumer von der Gemeinde übers Ohr gehauen fühlt und er rechtliche Schritte unternehmen wird. Die Gemeinde wäre dann am Zug, um ein Haus abzusegnen, das Aumer in dieser Form nicht bauen will. Bei einem „Nein“ wäre die Sache für den Bauherrn einfacher. Das Landratsamt könnte dann die Zustimmung zum Bau geben.

Das egehren

  • Die Wiesenter werden am 24. September gefragt, ob der Gemeinderat seinen Beschluss zur gegebenen Zustimmung zum Aumer-Haus rückgängig machen soll oder nicht. Bei einem „Ja“ müsste ein viel kleineres Haus errichtet werden, das aber der Bauherr sicher nicht bauen wird.

  • Umgebung:

    Ernst Aumer hat für das Areal ein Gebäude planen lassen, dass ein ganzes Stück kleiner ist als die Nachbarhäuser. Einen Bebauungsplan für die Ortsmitte der Wiesenter gibt es nicht.

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