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Freitag, 24. November 2017 13° 2

Kultur

Zu einer Künstlerkolonie entwickelt

Beim Galaabend zum Jubiläum „25 Jahre Kuratorium Europäische Kulturarbeit“ war in Beratzhausen viel Lob zu hören.
Von Ingrid Kroboth, MZ

Kuratoriumsvorsitzender Michael Eibl (rechts) freute sich, Dr. Ingo Glass aus Budapest begrüßen zu können. Links Bezirksrat Thomas Gabler und hinten auf dem Bild Kuratoriumsgründer Josef Bezold. Fotos: Kroboth

Beratzhausen. „Kunst wäscht den Staub des Alltags von der Seele“, hatte einst Pablo Picasso philosophiert. Zum Galaabend „25 Jahre Kuratorium Europäische Kulturarbeit“ im Zehentstadel erinnerte der Kulturreferent des Landkreises, Dr. Thomas Feuerer, an diesen Satz, der die Notwendigkeit von Kunst verdeutliche. Denn was mache den Menschen zum Menschen, unterscheide ihn vom Tier? Genau: Kunst und Kultur. Beides bilde die Grundlage unseres gesellschaftlichen Lebens, verlange nach kritischer Auseinandersetzung. In Beratzhausen hätten die Gründer des Kuratoriums diese Notwendigkeit vor 25 Jahren erkannt, ambitioniert und wundervoll mit dem europäischen Gedanken erfüllt, so Feuerer.

Josef Bezold, der 2013 verstorbene Gründungsvorsitzende des Kuratoriums, schwor auf „Kunst als Katalysator“. Als sein Nachfolger an der Spitze des Vereins hatte sich Michael Eibl zur Begrüßung im Foyer des Zehentstadels ein Porträt seines väterlichen Freundes an die Seite geholt. Der Eingangsbereich platzte beinah aus den Nähten, als sich hier die Vertreter aus Politik und Wirtschaft, Referenten, Gastgeber und Helfer der ungezählten Veranstaltungen in den zurückliegenden 25 Jahren versammelt hatten.

Mehr als 100 Kunstwerke

Eibl machte auf die Ausstellung von über 60 Bildern aus den Malersymposien aufmerksam, die an diesem Galaabend vom Foyer bis unters Dach gezeigt wurden. Zusammen mit rund 40 im gesamten Gemeindegebiet verteilten Skulpturen besitze Beratzhausen mehr als 100 Kunstwerke, womit eines auf 50 Einwohner komme: „Welche Kommune kann das schon bieten?“

Nur einen kurzen Abstecher nach Beratzhausen hatte Bezirkstagspräsident Franz Löffler gemacht. Terminlich angespannt drückte er seine Festrede schnell Bezirksrat Thomas Gabler in die Hände und ließ die Festgemeinde herzlich grüßen. Gabler las vor, was der Präsident vorbereitet hatte, und beschrieb die finanzielle Unterstützung der unterschiedlichen Projekte des Vereins als „gut angelegtes Geld“; das fließe hier nicht in eine Einbahnstraße. Die Zusammenarbeit sei immer ein Geben und Nehmen gewesen. Von Anfang an habe sich das Kuratorium auch um Menschen gekümmert, die Unterstützung brauchen.

Und so sei das soziale Wirken ein besonderes Glanzstück in der Arbeit des Jubelvereins. Die Marktgemeinde habe sich zu einem Ort der Kultur und Begegnung mit europäischer Ausstrahlung entwickelt. Mit seiner Weitsicht habe das Kuratorium Grenzen überschritten: „Besser und vorbildlicher kann man Kultur als Verständigung zwischen Menschen nicht machen.“ Es sei die Kulturarbeit, die dem Menschen Wurzeln gebe, und so gehöre Kulturarbeit zum Kernbereich der kommunalen Selbstverwaltung.

Professionalität in Beratzhausen

Der langjährige künstlerische Berater und Kurator Dr. Ingo Glass war mit seiner Frau Ursula aus Budapest angereist. „Er hat von Anfang an für eine hohe Professionalität in Beratzhausen gesorgt“, würdigte Eibl das Engagement des berühmten Bildhauers. Glass erinnerte an seine erste Ausstellung in Deutschland – 1991 gleich nach der Wende mit „Holz aus Rumänien“. Über Presseberichte seien Bezold und Eibl auf ihn aufmerksam geworden, man habe sich kennengelernt und schnell war „das erste Bildhauersymposium in Beratzhausen geboren“.

Schon während des offiziellen Teils des Galaabends drängten Konzertbesucher durch die Menschenmenge im Foyer. Schließlich stand als zweiter Teil des Festabends ein Konzert mit Steffi Denk, Markus Engelstädter & flexible friends auf dem Programm.

Gedämpftes Licht tauchte den Bürgersaal in eine warme Wohnzimmer-Atmosphäre. Das Konzert, aufgeteilt in vier Halbstunden-Auftritte der gut gelaunten Bühnenstars, sorgte zusätzlich für Bewegung. In den Pausen konnten sich die Gäste mit Getränken und Snacks versorgen.

Engelstädter und Denk hielten, was sie am Anfang versprochen hatten.

Engelstädter und Denk hielten, was sie am Anfang versprochen hatten: „Ein besonderes Konzert“ mit Abstechern nach New York und London, quer durch die Musikgeschichte der 40er, 50er und 60er Jahre, mitten hinein in die Zeit des Rock’n’Roll, des Blues, des Swing. Energiegeladen und experimentierfreudig passten die Sänger und Musiker sich dem 25-jährigen Wirken ihrer Gastgeber an. „Es macht Spaß, ein so breitgefächertes Konzert mit derart tollen Stimmen und Musikern zu erleben“, schwärmte eine Konzertbesucherin. Und ein männlicher Gast bezeichnete den Abend gar als „das beste Konzert, das ich in Beratzhausen je erlebt habe“. Ein Konzert mit Billy Joel, Michael Jackson, Queen und Elvis und vielen mehr.

Zur Geschichte

  • Beginn:

    Vor 25 Jahren hat die Geschichte einer, wie Josef Bezold einst sagte, „gedeihlichen und innigen Freundschaft zwischen Rumänien und der Marktgemeinde begonnen“. Angefangen hatte alles mit humanitärer Hilfe für das schwer gebeutelte Ostblock-Land.

  • Entwicklungshilfe:

    Im Gegenzug bekam Beratzhausen „Entwicklungshilfe im Kulturbereich“. 1991 fand im Markt die erste Kulturwoche statt, und die Bevölkerung war den Gästen damals „unglaublich offen begegnet“.

  • Ergebnis:

    Beratzhausen hat sich zur Künstlerkolonie entwickelt – für Maler, Bildhauer, Literaten. (lik)

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