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Umwelt

Der Tod der „Ottilie“ bleibt rätselhaft

Ging unter der dürren Kiefer bei Alteglofsheim alles mit rechten Dingen zu? Ein Landwirt wehrt sich gegen Vorwürfe.
Von Michael Jaumann, MZ

Den angelieferten Kompost mit der noch grünen Kiefer hat der Heimatfotograf Winkler im April fotografiert. Foto: Winkler

Alteglofsheim. Die Kläranlage Schierling liegt unter einem winterlichen Grau. Dort treffen an einem trüben Morgen Verwaltungsleiter Fritz Wallner, Abwassermeister Thomas Treintl und der Köferinger Ortsheimatpfleger Herbert Winkler in Begleitung der MZ zusammen. Der Heimatpfleger und Amateurfotograf hatte kürzlich Alarm geschlagen, weil sein Lieblingsfotomotiv, eine mehr als 200 Jahre alte Kiefer, die einsam auf der Höhe zwischen Alteglofsheim und Neueglofsheim steht, plötzlich grau und dürr geworden ist. Winkler vermutete einen Zusammenhang mit Düngematerial, das neben der Kiefer zunächst gelagert wurde und später in den Boden eingearbeitet wurde.

Auch wenn das Landratsamt auf die Anfrage Winklers und der MZ einen Umweltfrevel ausschloss, ließ das Thema den Köferinger Naturfreund nicht ruhen. Graue Klümpchen im Feld ließen ihn von „dubiosem Material“ sprechen. Spaziergänger hätten ihm von Klärschlamm aus Schierling berichtet, so Winkler. Das rief prompt die Gemeinde Schierling auf den Plan, die Winkler zur Information einlud. „Mir geht es darum, bewusst zu machen, dass es für die Ausbringung von Klärschlamm strenge Vorschriften gibt und wir die einhalten“, sagte Verwaltungsleiter Wallner dazu.

Ortstermin auf der Kläranlage: Heimatpfleger Winkler mit dem Schierlinger Verwaltungsleiter Fritz Wallner und Abwassermeister Thomas Treintl. Foto: Jaumann

Der Klärschlamm wird verbrannt

Nach den Unterlagen der Gemeinde, die Wallner vorlegte, werde seit Mitte 2014 wegen hohen Cadmiumgehalts kein Klärschlamm mehr an Landwirte abgegeben. Eine Spezialfirma hole den Schierlinger Klärschlamm und bringe ihn zur Verbrennung. Der Verbleib des Schlamms werde lückenlos dokumentiert. Auch Wallners Nachfrage bei einer Schierlinger Biogasanlage ergab ein negatives Resultat.

Mit deren Betreiber ist die Alteglofsheimer Landwirtsfamilie Weiß zwar verwandt – ausbringen ließ sie neben der Kiefer aber reinen Kompost. Entsprechende Nachweise zeigt Landwirt Florian Weiß der MZ bei einem Besuch am Bauernhof. „Wir haben nichts zu verbergen“ sagt er dazu. Der von der Firma Hahn angelieferte Bodenstrukturdünger sei zur Bodenverbesserung gedacht. Analysedaten des Materials habe Hahn auch vorschriftsmäßig vorgelegt. Die grauen Brocken dürften klumpige Asche sein, vermutet Weiß.

„Wir haben nichts zu verbergen“

Bauer Florian Weiß

Die Klumpen sind Asche

Niemand habe der Kiefer Böses gewollt. „Für uns ist das doch die Ottilie“, versichern Florian Weiß und seine Eltern Heidi und Anton, die Böden in Alteglofsheim bewirtschaften. Nach dem Weizen sei bei der Ottilie als Zwischenfrucht noch Senf angebaut worden. Dann habe die Firma Hahn den Kompost eingearbeitet. Auch dies sei dokumentiert und ans Landratsamt gemeldet worden. „Was wir ausgebracht haben, darf jeder Biobetrieb ausbringen. Und sogar im Winter“, rühmt Weiß die Güte des Materials. Auch bei der Firma Hahn in Maiszant verweist man darauf, dass alle Bestandteile der Kontrolle unterliegen. Die grauen Klümpchen seien Aschematerial aus Heizanlagen — ebenfalls zertifiziert.

Die grauen Klumpen im Feld machten Winkler im Herbst stutzig. Dabei handelt es sich aber nicht um Klärschlamm – und schon gar nicht aus Schierling. Foto: Jaumann

Florian Weiß schließt aus, dass die längere Lagerung des Komposts der Kiefer geschadet habe. Für ihn sei die trockene Hitze in diesem Sommer für das Absterben des Baums verantwortlich. Das vermutet auch Bürgermeister Herbert Heidingsfelder, dessen Gemeindearbeiter dem Baum nach den ersten Anzeichen von Trockenschäden täglich mit Hunderten Litern Wasser helfen wollten. Nach fast 300 Jahren Leben habe der Baum vielleicht einfach sein biologisches Ende erreicht, vermutet Heidingsfelder.

Eine Votivtafel hängt am alten Ottilienbaum. Foto: Jaumann

„Der Baum kommt nicht mehr“, glaubt Revierförster Konrad Purreiter. Eine Schädigung durch Druck oder Sickersäfte wäre für ihn vorstellbar, allerdings habe er den gelagerten Kompost nie gesehen. Der Baum sei noch nicht lange geschädigt. „Es würde mich aber wundern, wenn die Kiefer noch einmal Saft zieht“, so der Fachmann.

„Der Baum kommt nicht mehr“

Revierförster Konrad Purreiter

Wirkt die Ottilie ein Wunder? Geholfen hat sie jedenfalls schon mal. In ihren Unterlagen besitzt die Ortsheimatpflegerin Helga Schwarz eine wundersame Geschichte um die „Ottilie“.

Der Landwirt Michael Bauer, so die Geschichte, sei bei der Feldarbeit von einem Ochsen am Auge verletzt worden und drohte zu erblinden. In ihrer Not betete die Familie zur Heiligen Ottilie, der Schutzpatronin für Augenleiden.

Der Specht hat im Baum schon nach Würmern gesucht. Foto: Jaumann

Eine Gedenktafel versprach die Familie, sollte der verletzte Bauer geheilt werden. Die Gebete wurden erhört. Um das Jahr 1850 wurde die Gedenktafel angebracht und seither gepflegt. Und die Kiefer wurde zum „Ottilienbaum“.

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