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Freitag, 29. Juli 2016 26° 6

Naturschutz

Tod einer alten Kiefer ist rätselhaft

Er überstand Kriege, Fröste und Dürreperioden. Nun starb ein markanter Baum bei Alteglofsheim ab und keiner weiß, warum.
Von Kerstin Hafner, MZ

  • Ortsheimatpfleger Winkler trauert um seinen „Ottilienbaum“ – eine markante Föhre im Landschaftsschutzgebiet bei Alteglofsheim. Fotos: Winkler
  • Die voll im Saft stehende Föhre im April 2015 mit den angrenzenden Schüttungen am Wegesrand. Von ihnen, so vermutet Winkler, könnten austretende Dämpfe oder Säfte dem alten Baum geschadet haben.
  • Bild der immergrünen Föhre aus den vergangenen Wintern.

Alteglofsheim.Herbert Winkler, seines Zeichens Köferinger Ortsheimatpfleger und Amateur-Fotograf, ist heuer zum Jahresende traurig – sein Lieblingsbaum erlebt das Jahr 2016 nicht mehr, er ist im Herbst binnen weniger Monate abgestorben. Winkler, der gerne die Natur fotografiert, hat die markante Föhre im Landschaftsschutzgebiet bei Alteglofsheim bereits in allen erdenklichen Witterungslagen abgelichtet und ihr sogar einen Namen gegeben - sie ist sein „Ottilienbaum“. Der Heimatpfleger hat sie der Schutzpatronin der Blinden gewidmet. Nun ist der Baum tot und Winkler fragt sich, warum.

„Kiefern sind eigentlich robust“

„Ich kenne diese Kiefer schon viele Jahre, sie steht dort seit Generationen, hat strenge Winter, heiße Sommer und sogar zwei Weltkriege überlebt.“ Selbst bei Brennholzmangel wurde sie nicht gefällt, gibt er zu bedenken. „Ich habe in den letzten Tagen viele Nachforschungen angestellt und herausgefunden, dass derartige Föhren sehr robust sind – die haut so schnell nichts um.“ Winkler mutmaßt, eine „30 Meter lange Schüttung dubiosen Materials“, das Berichten von Spaziergängern zufolge „Klärschlamm aus Schierling“ gewesen sein soll, sei schuld am Absterben des am Feldrand stehenden Baumes. Er hat sich informiert: „Solch ein Material muss normalerweise schnell untergeackert werden, weil die konzentrierten Säfte, die bei längerer Lagerung an einem Ort in den Boden sickern, schädlich für die umgebenden Pflanzen sein können.“ Beweise hat er für diese These jedoch nicht. Obwohl er Proben des Materials genommen hat, ist ihm eine Analyse zu kostspielig.

„Eine perfekte Bodenuntersuchung ist teuer, denn die müsste aus verschiedenen Bodentiefen genommen werden. Ich war bei einigen Spezialisten, bis hin zum botanischen Garten der Uni, vergebens. Bis 50 Euro hätte ich die Kosten aus meiner Tasche bezahlt, ansonsten gibt es Umweltämter, die sich um derartige Dinge kümmern sollten.“ Auch sei schon seit längerem bis dicht an den Baum geackert und dadurch Wurzeln beschädigt worden, hat er beobachtet. Und selbst wenn keine menschliche Schuld vorläge, sei es seiner Meinung nach wichtig, den möglichen Befall eines Baumes in einem Landschaftsschutzgebiet mit gefährlichen Parasiten oder Pilzen, die ein solch schnelles Absterben erklären würden, auszuschließen.

Behörden sind nun damit befasst

Schon Anfang November hat er wegen seiner „Ottilienföhre“ die Umweltbehörde am Landratsamt eingeschaltet. Sachgebietsleiter Dr. Benedikt Grünewald schloss eine Schädigung des Baumes durch die von Winkler fotografierten Schüttungen in einer ersten Stellungnahme aus und präzisierte diese in einem zweiten Schreiben auf Nachfrage der MZ:

„Wir haben die Meldung durchaus ernst genommen, zumal es sich um einen landschaftsprägenden Baum in einem Landschaftsschutzgebiet handelt.“ Es hätten sich mittlerweile Vertreter verschiedener Stellen mit dem Fall befasst, insbesondere die Untere Naturschutzbehörde (UNB) und das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Nach deren Ansicht ergebe sich folgendes Bild:

„Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden kann eine Beeinträchtigung des Baumes durch die benachbart gelagerten Haufwerke. Solche waren zwar zum Zeitpunkt der Ortseinsicht nicht mehr vorhanden. Aber der Bewirtschafter des angrenzenden Ackers wurde von der UNB unmittelbar nach dem Anruf von Herrn Winkler und Meldung des Absterbens der Föhre befragt. Er sagte, dass es sich bei diesen Haufen um organischen Dünger gehandelt habe, den er vom Kompostbetrieb Hahn aus Pfatter bezogen hätte. Die Auskünfte des Landwirts erschienen glaubwürdig.“

Natürliche Ursachen möglich

Es hätten zudem weitere Ermittlungen stattgefunden, die jedoch keinen hinreichenden Tatverdacht ergaben. Im Übrigen könne nach Bewertung der beteiligten Fachstellen das Absterben des Baumes aufgrund natürlicher Ursachen nicht eindeutig ausgeschlossen werden. Ungewöhnlich stressig sei heuer sicherlich die große Hitze und die lang anhaltende Trockenheit im Sommer gewesen.

Das Ermittlungsergebnis sei nicht zufriedenstellend, gab Grünewald zu, bat aber um Verständnis dafür, „dass wir als Behörde nur dann konkrete Maßnahmen veranlassen oder ein Ordnungswidrigkeitsverfahren durchführen können, wenn wir einen Tatverdächtigen kennen, demgegenüber ein Tatnachweis geführt werden kann.“ Deswegen und weil bei der Inaugenscheinnahme des Baumes, des Rains, des Ackers und der umgebenden Sträucher durch Experten nichts Auffälliges entdeckt werden konnte, wurde von der UBH keine Bodenuntersuchung veranlasst.

„Keine richtige Diagnose“

„Die Besichtigung durch die Kreisfachberater des Landkreises ergab ebenfalls keinen Hinweis auf einen besorgniserregenden Pilzbefall oder eine sonstige Pflanzenkrankheit. Anhaltspunkte auf eine Schädigung des Bodens, die sich gar auf Nachbarflächen auswirken könnte, wurden nicht festgestellt. Eine Gefahr für das Landschaftsschutzgebiet kann daher ausgeschlossen werden“, beruhigt Dr. Grünewald.

Winkler glaubt trotzdem nicht so recht an einen natürlichen Tod der Kiefer: „Mittels Augenschein allein sind Parasiten wie der Föhrenfadenwurm nicht zu erkennen. Eine Baumdiagnose zum Schutz des angrenzenden Waldes und des Eichelbergs sieht anders aus“, kritisiert er. Ferner führt er ins Feld: „Die Gemeinde hat den Baum in der Trockenperiode regelmäßig gegossen. Deswegen glaube ich nicht, dass er wegen der Witterung abgestorben ist. Mir geht es nicht darum, einen Schuldigen zu finden, ich würde einfach gerne wissen, was mit dem Baum passiert ist.“

Mögliche Ursachen

  • Ursachenforschung:

    Ist menschliches Verschulden auszuschließen, kämen nach Ansicht des Köferinger Ortsheimatpflegers Herbert Winkler zwei natürliche Schädlinge aus den USA infrage, die eine Föhre binnen weniger Monate vernichten können.

  • Kiefernholz-Nematode:

    Der als Quarantäne-Schädling eingestufte nordamerikanische Kiefernholz-Nematode ist ein winziger Fadenwurm, der den Saftfluss der Föhre unterbricht. Da würde dann auch das viele Gießen des Baums nichts helfen. Er wurde bereits in die EU eingeschleppt, ist allerdings in Bayern noch nie nachgewiesen. Der zweite mögliche Kandidat wäre ein aus den USA eingeschleppte Nadelpilz. Er verursacht die Braunfleckenkrankheit der Föhre. Auch er ist inzwischen In zwölf europäischen Ländern gilt er als Quarantäne-Krankheit und ist meldepflichtig. Er kann ganze Wälder vernichten. (lkh)

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