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Hobby

Beratzhausener setzt auf Bierdeckel

12 600 Filzl hat Markus Bauer gesammelt. Besonders haben es ihm Untersetzer nicht mehr existierender Brauereien angetan.
Von Dietmar Krenz, MZ

Markus Bauer (55) inmitten seiner Sammlung: Rund 12 600 verschiedene Bierfilzl aus zig Ländern nennt der Beratzhausener sein Eigentum.Foto: Krenz

Beratzhausen. Markus Bauer setzt auf Bierdeckel – in Bayern liebevoll Bierfilzl genannt. Im Moment verstaut der freiberufliche Journalist 12 600 dieser Untersetzer aus zig Ländern in 75 Leitz-Ordnern – Tendenz steigend! „Viele interessieren sich nur für das, was auf den Bierdeckeln abgestellt wird. Doch mir ist das Darunterliegende lieber“, erzählt der 55-Jährige aus Beratzhausen augenzwinkernd.

Seine Sammelleidenschaft begann Ende der 70er-, Anfang der 80er-Jahre. Als Bauer den Schreibtisch seines Bruders übernahm, wurde seine bisherige Schreibklappe kurzerhand zur Bar umfunktioniert und mit Bierfilzln und Flaschenetiketten tapeziert. Als es neue Möbel gab, wollte sich Bauer von den Untersetzern nicht trennen, löste sie vorsichtig von der Klappe ab und verstaute sie in einem Ordner. Bis heute sind 75 daraus geworden.

„Bis vor kurzem gab es keine Beschränkungen“, erklärt Bauer, „Filzl aus aller Welt und mit allen möglichen Motiven habe ich zusammengetragen.“ Beim Archivieren und Ablegen unterschied er nur zwischen Brauereimotiven und anderen Exemplaren. Als dann aber selbst die weiteren Motive immer mehr wurden und sich seine Regale unter der Last der Ordner zu biegen begannen, trennte sich der Sammler von einem Teil.

Auf ein Teilgebiet konzentrieren

„Bei der schier unendlichen Anzahl von Bierdeckeln macht es Sinn, sich auf ein Teilgebiet zu konzentrieren“, erklärt der 55-Jährige. Sonst wächst einem eine Sammlung schnell ins Unermessliche und ist kaum noch überschaubar. Apropos: Die Sammlung wäre sicher nicht so umfangreich, wenn nicht Freunde und Bekannte die Leidenschaft von Markus Bauer unterstützen würden. Viele werfen ihm die Exemplare von ihren Reisen oder Urlauben in den Briefkasten oder übergeben sie ihm persönlich. Nicht selten wechseln dabei ganze Plastiktüten voller Filzl den Besitzer.

In der Region gibt es eine Handvoll weiterer Sammler, mit denen der freiberufliche Journalist einen regen Tauschhandel treibt. Und da es die Stücke bei jedem Lokalbesuch quasi umsonst gibt, gilt es unter Sammlern fast als verpönt, Bierdeckel zu kaufen oder zu verkaufen. Nur für die ganz seltenen Stücke werden ausnahmsweise schon mal einige Euros bezahlt.

Eine Bierdeckelsammler-Karriere startet man am besten, indem man in jedem Wirtshaus, Restaurant oder Café nach Exemplaren fragt. Oder einfach einsteckt – denn überall werden die Untersetzer gerne zur Verfügung gestellt. Schließlich wurden sie ja zu dem Zweck hergestellt, Aufmerksamkeit zu erregen und als Werbeträger zu dienen. Das klappt in 99 Prozent der Fälle. Doch in Dresden erlebte Bauer damit sein blaues Wunder. Nach einer Wanderung entlang der Roten Weißeritz ging es zur Stärkung in ein Café. Als sich Bauer eine Handvoll Filzl unter den Nagel reißen wollte, schrie und tobte die Bedienung, was er sich erlauben würde. Dies war aber das einzige negative Erlebnis, das er im Zuge seines Hobbys erlebt hat.

Besonders stolz ist der leidenschaftliche Chorsänger und Faschingsexperte auf Filzl aus seinem Heimatort. Als jemand, der sich schon aus beruflichen Gründen mit der Braugeschichte Beratzhausens beschäftigt hat, sind die Papp-Untersetzer von der ehemaligen Brauerei Mirwald („Sixn“) außergewöhnliche Raritäten. Dazu zählen auch die Wiendl-Deckel, von denen ihm noch einige Exemplare fehlen.

„Wie ein Sechser im Lotto“

Leider nur in digitaler Version hat Markus Bauer den Bierdeckel der früheren Braustätte Thaler. Das Original ist im Besitz des Ex-Bürgermeisters und SPD-Fraktionschefs Georg Thaler. „Wenn aus diesem Bereich noch etwas auftauchen würde, wäre das wie ein Sechser im Lotto für mich“, sagt der leidenschaftliche Sammler.

Seine Sammlung besticht jedoch nicht nur mit lokalen Besonderheiten, sondern auch mit witzigen Motiven und besonderen Formaten. Das Einsortieren und Aufkleben bei schöner Hintergrundmusik ist für den 55-Jährigen eine Tätigkeit, die ihn vom Alltag ablenkt und zur Ruhe kommen lässt.

Reichspatent 1892 erteilt

  • Geschichte:

    Die ältesten Bierdeckel oder Bierfilzl, die man heute noch in diversen Sammlungen findet, stammen aus der Zeit um 1900. Eindeutig datieren lässt sich die Eintragung des Reichspatents mit der Nummer 68499: Am 25. Oktober 1892 erteilte das Amt das Patent für „Platten, die zu runden oder kantigen Deckeln ausgestanzt oder ausgeschnitten werden, welche sich wegen ihrer Saugfähigkeit als Bierseideluntersetzer usw. eignen.“

  • Reklame:

    Die schon früh entdeckte Werbewirksamkeit von Bierdeckeln wird bis heute eifrig genutzt. Und dies nicht nur von Brauereien, sondern auch von vielen anderen Firmen.

  • Herstellung:

    Heutige Bierfilzl werden aus flüssigem Holzstoffbrei, dem das Wasser entzogen wurde, hergestellt. Damit bleibt er saugfähig, ohne sich zu verziehen oder aufzuquellen. Schonung: Früher wurden zur Schonung der Tischplatten runde Scheiben aus echtem Filz unter die Gläser gelegt. Daher stammt wahrscheinlich die Bezeichnung „Bierfilz“ oder „-filzl“.

  • Form:

    Die meisten Bierdeckel sind achteckig, quadratisch mit abgerundeten Ecken oder rund. In den letzten Jahren gibt es aber auch mehr und mehr Bierdeckel in Sonderformaten – wie in England. Auf ihnen findet ein ganzes Dutzend Gläser Platz. (wd)

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