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Sonntag, 17. Dezember 2017 4

Besuch

Bernhardswalder Bläser als „Stargäste“

Die bayerische Kapelle begeisterte bei einem Musikfest in Japan 6000 Zuhörer. Ein Erdbeben dagegen ließ die Asiaten kalt.
Von Ralf Strasser, MZ

Mehrere Konzerte gaben die Bernhardswalder. Fotos: Strasser

BERNHARDSWALD.Die Blaskapelle Bernhardswald war auf Auslandsreise. An sich nichts Ungewöhnliches, wenn man gelegentlich die Nachbarländer musikalisch besucht, doch gleich nach Asien? Der musikalische Leiter Hermann Rösser lächelt und setzt noch eins drauf: „Wir waren bei einem Musikfest mit über 100 Kapellen vor über 6000 Zuschauern der Stargast und die einzige Kapelle aus Europa. Das muss man erst mal setzen lassen.“

Doch wie und warum haben sich 19 Musiker mit ihrem Musikchef auf die Reise ins 10 000 Kilometer entfernte nach Asien gemacht? Das hat bei uns fast schon Tradition“, sagt Rösser und listet die bereits vierte Reise in das Land des Lächelns auf.

Tuba und Trompete im Gepäck

Rückblende: Jürgen Grundstein, der leider schon verstorbene und langjährige Vorsitzende der Blaskapelle Bernhardswald, hatte vor vielen Jahren mit seiner Frau Fumie die ersten beiden Reisen organisiert. Zwar mit Tuba, Klarinette und Trompete im Gepäck, aber noch ohne Auftrittsambitionen vor vielen 1000 Zuschauern. „Das kam dann 2001 mit dem ersten Musiktreffen“, erinnert sich Rösser, der vor 14 Jahren schon mit an Bord war. Diese Einladung war aus den ersten beiden Reisen resultiert.

Seitdem ist viel Wasser durch die Donau und den Shinano in Japan gelaufen. Die Freundschaft, die im Laufe der Jahre entstanden ist, wurde vor zwei Jahren bei einem Gegenbesuch der Japaner in Bernhardswald erneuert und war mit einer Einladung verbunden. „Der konnten wir uns natürlich nicht verschließen“, sagt Rösser. Also hat sich Fumie Grundstein hingesetzt, ihre Verbindungen als gelernte Dolmetscherin spielen lassen und den Japanisch-Deutschen Freundeskreis ins organisatorische Boot geholt. Herausgekommen ist eine Musikreise, die einer Tournee durchaus gleich kommt. Und einer erfolgreichen sowieso. Sie lebten bei Gasteltern, durften in Hotelfoyers proben, saßen mit hohen Würdenträgern bei offiziellen Anlässen beieinander, wurden behandelt wie Staatsgäste und begrüßt von Bürgermeistern.

Rösser erinnert sich: „In Japan hat Blasmusik einen hohen Stellenwert, auch die deutsche Musik wird gerne gespielt. Vor unserem großen Auftritt spielten wir bei der Gedenkfeier für die Kriegsopfer beider Weltkriege vor dem Gogoku-Schrein auf Wunsch den ‚Alten Kameraden‘ und neben der traditionellen Hofmusik noch zwei Märsche. Das war schon eindrucksvoll.“

Die Stationen der intensiven Begegnungsreise sind verbunden mit vielen Impressionen. Tokio, Kamakura mit der großen Buddhastatue, ein Ausflug nach Nikko und zur Küste. Dann ging es viele Hundert Kilometer weiter nach Norden auf die Halbinsel Hokkaido – nach Asahikawa, das ist die zweitgrößte Stadt der Insel. Schon angekündigt durch die örtliche Presse, wurde der große Auftritt zum Erfolg. „Wir waren neben dem Polizeimusikkorps und einer weiteren Kapelle für den Showteil zuständig, bevor es auf den langen Marsch durch die Stadt ging“, schildert Rösser. Es wurde eine Schunkelparty, als die Kapelle in Tracht und Lederhose das „Ein Münchner im Hofbräuhaus“ anstimmte. „Ein wenig haben wir uns schon wie die Exoten gefühlt, aber es war ein unbeschreiblich schönes Gefühl“, sagt Rösser, und sein Lächeln wird noch strahlender.

Nach dem Festzug stand noch ein Abschiedskonzert im Heiwa-Tori Park zusammen mit den asiatischen Kollegen an. Zum Abschied spielten die Musiker und ein Gänsehaut erzeugendes „Amazing Grace“.

„Die Japaner teilen alles“

Was bleibt, sind die Erinnerungen. „Die Japaner sind unheimlich gastfreundlich, sagt der ehemalige Dirigent beim Heeresmusikkorps.“ Mit Gästen, die sie mögen, teilten sie fast alles. „Und eines kann man feststellen: Die Bernhardswalder haben einen guten Eindruck hinterlassen“, sagt Rösser.

Außerdem ließen sich die Japaner von nichts beunruhigen „Wir erlebten in Tokio ein Erdbeben, bei dem uns Europäern angst und bang wurde, aber das hat unsere Gastgeber gar nicht tangiert“, meint der musikalische Leiter der Bernhardswalder Blaskapelle.

Vermittlerin zwischen Kulturen

  • Organisation:

    Möglich gemacht hat die Reise erst Fumie Grundstein, die Witwe des im letzten Jahr verstorbenen Ehrenvorstands und Ehrenmitglieds Jürgen Grundstein, mit einer perfekten Organisation. „Sie organisierte von Deutschland aus oder spontan in Japan“, erzählt der musikalische Leiter Hermann Rösser.

  • Japanische Wurzeln:

    „Sie ist Japanerin, somit hatten wir keine Schwierigkeiten mit der Sprache oder mit den Ritualen, von denen es viele gibt in Japan.“

  • Musikfest:

    Über 100 Musikgruppen marschierten am Flussufer von Asahikawa auf. Die Eröffnungszeremonie wurde von der Blaskapelle Bernhardswald mit einer Musikschau mitgestaltet. (msr)

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