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Montag, 27. Juni 2016 24° 2

Neujahrsempfang

Die CSU will gemeinsam gewinnen

In Beratzhausen nennt Peter Aumer Herausforderungen: Es geht um den Verkehr und die Suche nach einem Bundestagskandidaten.
Von Thomas Kreissl, MZ

Staatssekretär Albert Füracker spricht beim Neujahrsempfang des CSU-Kreisverbands Regensburg-Land in Beratzhausen. Fotos: Kreissl

Beratzhausen.Der Spruch ist neu, die Farbe auch: „Wir bewirken was“, prangt in dicken weißen Lettern auf königsblauem Grund auf dem Plakat, das die Breitseite der Bühne in der Beratzhausener Mehrzweckhalle einnimmt. Die Botschaft ist deutlich: Das zarte Himmelblau ist Vergangenheit. Es soll es kräftiger, kontrastreicher zugehen bei der CSU. Beim Neujahrsempfang des Kreisverbands stellt Kreisvorsitzender Peter Aumer am Samstagabend die Uhren auf Null.

Die Partei, die über viele Jahrzehnte hinweg unangefochten den Landkreis regierte, hat sich seinen Worten zufolge knapp zwei Jahre nach der Wahlniederlage von 2014 gefunden. „Wir sind angekommen in der Rolle der Opposition“, sagt Aumer und gibt die Parole aus, die helfen soll, an den Wahlurnen zu triumphieren: „Working together – winning together“. Gemeinsam arbeiten, um gemeinsam zu gewinnen wollen die Christsozialen. Am Rednerpult recken sich schon mal die Säulen der Walhalla in den weiß-blauen Himmel.

„Wir sind angekommen in der Rolle der Opposition.“

CSU-Kreisvorsitzender Peter Aumer

Kreisvorsitzender Peter Aumer sieht die CSU in ihrer Rolle als Opposition angekommen.

Aumer gibt zu, dass die Rolle der Opposition für den größten CSU-Kreisverband in der Oberpfalz keine einfache ist. Dennoch wolle die CSU im Landkreis konstruktiv mitarbeiten. „Wir wollen keine Nörgler sein“, betont der Kreisvorsitzende. Ein wenig Wadlbeißer aber schon: Denn dass zu den Sitzungen der mittlerweile umbenannten Lenkungsgruppe Verkehr mit Vertretern aus Stadt und Landkreis nicht mehr die Bundes- und Landtagsabgeordneten der CSU eingeladen werden, kann er nicht verstehen. Und auch, dass der Landrätin Maßnahmen gegen die fehlenden 1000 Wohnungen im Landkreis als Aufgabe der Gemeinden betrachte, kritisiert Aumer. Besonders irritiert zeigt er sich aber von der stellvertretenden Landrätin Maria Scharfenberg. Dass die einen Bürgerentscheid gegen ein neues Baugebiet in ihrer Heimatgemeinde Laaber initiiert habe, sei keine verantwortungsvolle Politik und kein Weg, wie Heimat zukunftsfähig gestaltet werden könne.

Mandatsträger aus Stadt und Land lauschen der Rede des Kreisvorsitzenden

Für seine Partei sieht der Kreisvorsitzende im Jahr 2016 große Herausforderungen. Zwei davon will er gemeinsam mit den Parteifreunden aus der Stadt meistern. So werden sich die Stadt- und Kreistagsfraktion der CSU im Februar gemeinsam zum Thema Verkehr positionieren. Und dann soll ein gemeinsamer Kandidat für das Direktmandat für die Bundestagswahl 2017 gefunden werden – eben den Posten, den Peter Aumer im Jahr 2013 abgegeben hatte, um Landrat zu werden. Die Wahlniederlage gegen Tanja Schweiger machte diesen Plan zunichte.

Der „Knecht von Markus Söder“

Eine Erfahrung, die auch Albert Füracker kennt, wie er den Gästen in der Beratzhausener Mehrzweckhalle versicherte. „Da ist es richtig, den Kopf nicht in den Sand zu stecken“, unterstützt er die neue Linie der Regensburger Kreis-CSU. Schließlich ist der gelernte Landwirt und ehemalige Wahlverlierer aus Degerndorf im Markt Lupburg mittlerweile Oberpfälzer CSU-Vorsitzender und Staatssekretär im Bayerischen Finanzministerium. Der „Knecht von Markus Söder“, wie er sich selbst bezeichnet, hat am Samstag eine deutlich kürzere Anreise als die meisten Besucher des Neujahrsempfangs. „Ich hätte nur die Schwarze Laber herunter paddeln brauchen“, lässt er seine Parteifreunde wissen, ist sich jedoch mit Moderator Matthias Beer nicht ganz einig, ob es sich jetzt um drei, fünf oder sieben Kilometer weite Anreise handelt.

Die Blaskapelle St. Martin aus Oberpfraundorf umrahmte die Veranstaltung musikalisch.

Das bleibt freilich das einzige Streitthema des Abends. Ansonsten schart Füracker seine Parteifreunde mit einer launigen Rede hinter sich, in der er nicht müde wird, den Freistaat als Erfolgsmodell zu skizzieren. „7,5 Milliarden Menschen gibt es auf der Erde, mindestens sieben Milliarden beneiden uns“ – Sätze wie diese sind es, die dem Auditorium in der Halle gefallen, die Füracker aber dann doch nicht allein so stehen lässt. Denn Wohlstand könne nicht konserviert werden, indem man nichts verändere. Und dann setzt Füracker zum Parforceritt durch all die Felder an, die Bayern anders mache als die anderen, von der Kindererziehung, über die Bildung bis hin zur Breitbandförderung, zur Stärkung der Wirtschaft und zur hundertprozentigen Übernahme der Unterbringungskosten für Flüchtlinge.

175 Asylbewerber in Beratzhausen

Jetzt ist der Finanz-Staatssekretär bei dem Thema, das er zu Beginn ganz bewusst nur als eines unter vielen angekündigt hat. Dabei ist der Gastgeberort Beratzhausen in Sachen Flüchtlingsunterbringung Spitzenreiter im Landkreis. 175 Asylbewerber leben hier in acht dezentralen Unterkünften berichtet Bürgermeister Konrad Meier in seinem Grußwort. Mit 5500 Bürgern ist der Markt damit auch die Kommune in der Oberpfalz, die im Verhältnis zur Einwohnerzahl die meisten Flüchtlinge aufgenommen hat.

„Wir nehmen die Menschen auf, gehen ordentlich mit ihnen um, bringen sie unter und versorgen sie.“

Staatssekretär Albert Füracker

Damit spricht der Bürgermeister dem Staatssekretär aus der Seele. Denn Füracker geht es ihm darum, zu verdeutlichen, was der Freistaat leistet. „Wir nehmen die Menschen auf, gehen ordentlich mit ihnen um, bringen sie unter und versorgen sie“, betont er. Das werde aber auf Dauer nur gelingen, wenn Deutschland dem Zustrom an Flüchtlingen Herr werde. Kein Land der Welt könne unbegrenzt Flüchtlinge aufnehmen, sagt Füracker, vermeidet aber selbst den Begriff Obergrenze oder gar Zahlen dazu. Doch er freut sich über den Regensburger OB Joachim Wolbergs und seinen Satz von 200 000 bis 300 000 Flüchtlingen, die im Jahr zu bewältigen wären.

Meinungen zum Stichwort Obergrenze

Stichwort Obergrenze

Nicht anders als Wolbergs sieht aber auch der Staatssekretär die europäischen Partner in der Pflicht. Es könne nicht sein, dass Länder wie Polen oder Tschechien weniger Asylbewerber aufnehmen als der Landkreis Passau. Und dann warnt Füracker unter anderem mit Blick auf Paris und die Ereignisse in Köln davor, Flüchtlingspolitik und Terrorismus zu vermischen. Doch er sagt auch deutlich: „Wer vor Krieg und Gewalt zu uns flüchtet, darf hier keine Gewalt anwenden.“

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