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Unfall

Hund Bruno blieb im Kühler cool

Der Vierbeiner wurde von einem BMW überfahren, überlebte aber, weil er Teil des Autos wurde. Das Frauchen muss jetzt zahlen.
Von Sebastian Böhm, MZ

Beifahrer mal anders: Der ehemalige Straßenhund blieb nach einem Unfall im Kühlergrill stecken. Foto: Niedermeier

Donaustauf.Autohauschef Karl Niedermeier staunte nicht schlecht, als Anfang März ein BMW mit Regensburger Kennzeichen in seine Werkstatt einfuhr. In dieser Zeit planen die meisten seiner Kunden eigentlich nur den baldigen Reifenwechsel – nicht so Klaus Riedel. Der Donaustaufer hatte ein ganz besonderes Problem: Ein Hund wurde ein Bestandteil seines Autos.

„Na gut, dann hol ihn halt raus und gehe mit ihm Gassi“, sagte Niedermeier erst einmal verwundert, doch dann sah er genauer hin. Im Kühlergrill des BMWs lag tatsächlich ein eingeklemmter Vierbeiner. Er heißt Bruno, ist 13 Jahre alt und gehört eigentlich Anna Paula Gabriel aus Tegernheim. „Mir ist es ein absolutes Rätsel, wie Bruno das unverletzt überstehen konnte – einfach unglaublich“, sagt sie.

Ein Spaziergang endet böse

Bruno ist ein Mischlingshund aus Slowenien. Foto: Gabriel

Die unglaubliche Geschichte begann mit einem normalen Spaziergang im Wald. Gabriel ging mit ihren beiden Hunden Gassi. Einer der beiden Vierbeiner war Bruno – ein ehemaliger slowenischer Straßenhund, den Gabriel von ihrer verstorbenen Mutter geerbet hat. „Er liegt mir deswegen auch besonders am Herzen“, erklärt die 39-Jährige. Das Problem: Bruno ist es aus seiner Zeit auf der Straße immer noch gewohnt, sich sein Essen zu suchen und zu „schnuffeln“. „Er hatte gerade etwas entdeckt, als ich mit meinem anderen Hund abgebogen bin. Als ich bemerkt habe, dass er nicht mehr hinter mir ist, habe ich nach ihm gerufen.“ Aber es habe geregnet und er höre schon etwas schlechter, erklärt sie. Bruno war verschwunden.

„Mir ist es ein absolutes Rätsel, wie Bruno das unverletzt überstehen konnte – einfach unglaublich“

Anna Paula Gabriel

Gabriel machte sich sofort auf die Suche. Sie weiß: Wenn der Mischlingshund sein Frauchen aus den Augen verliert, bekommt er Panik, hat aber keine Scheu vor Straßen.

Eine Eigenschaft, die kurz darauf Klaus Riedel zum Verhängnis wurde. „Ich fuhr in einem Autokonvoi mit etwa 70 km/h die Straße entlang, als ich plötzlich einen Bums hörte“, erklärt Riedel. Der Donaustaufer stieg aus, schaute sich um, konnte aber nichts Außergewöhnliches erkennen. Also fuhr er fünf Minuten lang weiter, bis er zuhause angekommen war. „Erst da erkannte ich, über was ich da gefahren bin“, sagt er. Riedel musste sich von der Tatsache, einen neuen Mitfahrer im Kühlergrill zu haben, erst einmal kurz erholen. Dann fasste er einen Entschluss: Er fuhr vorsichtig zum Feuerwehrhaus, traf dort aber niemanden an. „Die nächste Polizeidienststelle wäre in Wiesent gewesen. Viel zu weit weg“, erklärt er. In seiner Verzweiflung steuerte er eine Tankstelle an und bekam dort endlich den entscheidenden Tipp: In der Nähe gibt es eine Autowerkstatt.

Ab diesem Zeitpunkt wurde Karl Niedermeier Teil dieser kuriosen Geschichte. „Bruno dachte wohl – da nehme ich mir entspannt ein Taxi“, scherzt der Werkstattchef jetzt über eine Geschichte, die zum damaligen Zeitpunkt sicher dramatischer war. „Der Hund ist durch die Gitter des Kühlers durchgeschlagen“, sagt Niedermeier. Um den Vierbeiner zu befreien, musste er die Unterseite des BMWs abmontieren. Das Auto braucht jetzt eine neue Stoßstange, neue Teile für den Unterbau und eine Lackierung. „Der Schaden beläuft sich wohl auf 2000 Euro“, sagt Riedel. Bezahlen muss das die Hundesbesitzerin. „Bruno war zu diesem Zeitpunkt leider nicht versichert“, erklärt Gabriel, betont aber auch: „Ich hatte wirklich Glück, dass eben genau diese beiden Menschen beteiligt waren. Sie haben sich toll um Bruno gekümmert.“

„Bruno dachte wohl – da nehme ich mir entspannt ein Taxi“

Karl Niedermeier

Bruno lernt nicht dazu

Riedel und Niedermeier brachten den Vierbeiner sofort zum Tierarzt, der aber Entwarnung gab. Bis auf einen kleinen Kratzer und ein paar Prellungen war der Hund putzmunter. Über das Hunderegister „TASSO“ konnte schließlich Anna Paula Gabriel als Halterhin ausfindig gemacht werden. „Bruno war die gesamte Zeit total brav und entspannt“, lobt Niedermeier das Tier.

Eine Eigenschaft, die Gabriel Sorgen bereitet: „Bruno hat immer noch keine Angst vor Autos. Einen Lerneffekt gab es bei ihm keinen“, sagt sie.

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