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Dienstag, 31. Mai 2016 23° 5

Reisebericht

Yunnan und ihre katholischen Tibeter

Pfarrer Jürgen Lehnen, Bernhard Steinbeißer und Robert Poppe bereisten die abgelegene chinesische Provinz.

  • Viele beeindruckende Brücken Fotos: Steinbeißer
  • „Gott in Tibet“
  • In luftiger Höhe
  • Gebet im Freien

Donaustauf. Pfarrer Jürgen Lehnen, Bernhard Steinbeißer und Robert Poppe bereisten das Tal des Yunnan. Sie hatten Kontakt zum seit 40 Jahren ersten katholischen Priester dort. Sie berichten nun bei mehreren Vorträgen über ihre unvergesslichen Eindrücke: Weitere Vorträge finden am 22. Januar um 19 Uhr in Saal im Pfarrsaal, am 26. Januar um 19.30 Uhr im Pfarrsaal in Donaustauf und am 30. Januar um 19 Uhr im Bürgersaal in Wörth statt. Weitere Termine sind in Regensburg, Pfarrei Herz Jesu, Ende Februar in Amberg, Burglengenfeld (19. Februar) im Bürgersaal, Straubing und Erding geplant.

Der Eintritt ist frei. Es kann für den Neubau der Kirche in Dimaluo gespendet werden.

Chinas schönste Provinz

Yunnan gilt als Chinas schönste Provinz. Zum einen wegen der 36 anerkannten Minderheiten wie z. B. die Drung (noch ca. 25000), wo früher die Frauen im Gesicht tätowiert wurden, um sie vor Raub zu schützen, oder die Mosuo, die weltweit eines der wenigen Matriarchate leben. Im tropischen Süden gibt es wilde Elefanten und traumhafte Reisterrassen (Yuanyang). Im Nordosten dominieren Tibeterstämme und Himalaya-Ausläufer mit Gipfeln über 6000 Metern. Die Baumgrenze ist anders als bei uns auf 4000 Metern.

Die berühmten Ströme Mekong und Yangste haben sich ihren Weg durch das Gebirge gesucht und sind hier noch relativ unverfälscht. Große Staudammprojekte bringen aber massive Veränderungen für Natur und Bevölkerung.

Absolute touristische Höhepunkte

Die Städte Shangrila (tibetische Stadt auf 3350 Metern), Lijiang (2000 Meter, Weltkulturerbe) und Dali (mit Erhai-See auf 2000 Metern und toller Bai-Architektur) sind in China berühmt und absolute touristische Höhepunkte. Reiseführer und selbst das Internet liefern wenig Information. Die Vielzahl der Dialekte dort fordert den Rucksackreisenden, selbst mit etwas Chinesischkenntnissen kommt man nicht immer weiter. Viele Orte haben oft zwei, drei verschiedene Namen oder Schreibweisen.

Viele beeindruckende Brücken

Die Unterkünfte schwanken zwischen schicken „Lounge-Hotels“ und einfachen Herbergen mit Außentoilette, Stichwort „Donnerbalken“. Reisen dort (im Schlafbus, Minibus oder per Anhalter) ist absolut sicher und die Menschen sind interessiert und freundlich. Der Nujiang ist der letzte große Fluss in China ohne Staudämme und die Anreise dauert mindestens drei, vier Tage. Jahrzehnte lang wurde der wilde, unschiffbare Fluss nur mit einer Art Seilbahn überquert. Eine dieser Seilbahnen benutzten wir auch einmal. Jetzt gibt es aber viele große und kleine Hängebrücken.

Mehrere Missionierungen

Unter heute nicht mehr vorstellbaren Bedingungen erfolgen dort mehrere Missionierungen von Schweizer und französischen Orden, allen voran der Orden des Großen Sankt Bernhard, dessen Chorherr Daniel Salzgeber der Reisegruppe hilfreiche Infos lieferte. Vieles ist gut dokumentiert, leider aber fast nur in Französisch.

Die wenigsten Missionare starben aber eines natürlichen Todes. Einer davon, Maurice Tornay, wurde 1949 auf der Flucht vor tibetischen Lamas erschossen und 1993 seliggesprochen. Die Abgelegenheit des Nujiang-Tals bewahrte in den Wirren der kommunistischen Machtübernahme und während der Kulturrevolution die Christen dort vor noch größerem Schaden.

Religion wieder gestattet

Der Glaube wurde im Verbotenen praktiziert. Mitte der 80er Jahre wurde Religion wieder gestattet und nach ca. 40 Jahren ohne Priester blühte der christliche Glaube wieder auf. Großen Anteil daran hatte z. B. der tibetische Katechet Zacharias, der 1949 abenteuerlich nach Taiwan floh und in den 80er Jahren zurückkehrte und Kirchen wieder öffnete. Sein Sohn Guy setzte seine Tradition fort, baute acht neue Kirchen, schickte Priesterseminaristen ins Ausland und galt als letzter „Patriarchat“ des Nujiang-Tals. An seiner Beerdigung 2014 nahmen 2000 Menschen teil.

Die Reisegruppe traf Father Francisco Hu bzw. Hu Wenhua (ein Enkel Zacheries), der nun seit sieben Jahren in der Dimaluo-Region Priester ist und dort eine Gemeinde von ca. 5000 Gläubigen in 17 teils sehr abgelegenen Kirchen betreut. Diese Kirchen sind teils nur mit dem Motorrad erreichbar und Father Hu stürzt öfters und hat meist irgendwo Verletzungen.

Sitaution bleibt angespannt

Die Situation in China mit offizieller Staatskirche und illegaler Untergrundkirche bleibt angespannt, auch wenn Bischöfe und Priester nicht mehr in Arbeitslager kommen. Der Bischofsstuhl dort ist zurzeit unbesetzt und tibetische Seminaristen warten auf ihre Priesterweihe. Father Hu bekommt z. B. kein Gehalt und alles wird über Spenden finanziert.

Die Reisegruppe begleitete Father Hu drei Tage und verfolgte Messe und Beichte, besuchte mehrere teils historische Kirchen, lernte Gläubige (z. B. einen Kirchenmaler) kennen und inspizierte den Neubau der Kirche (nebst Zimmerei und Sägewerk) in Dimaluo, das das Zentrum der katholischen Christen im Nujiang-Tal ist. Hier sind bis zu 85 Prozent katholisch und jedes Dorf hat seine eigene Kirche.

Zwei Tagesreisen entfernt besuchten die drei Deutschen im Anschluss den Ort Cizong am Mekong, wo die bekannteste Kirche in Yunnan steht. Das Interesse des mongolischen Priesters den Reisenden gegenüber hielt sich jedoch in Grenzen. Diese besuchten einen Waldfriedhof und Gräber französischer Missionare und trafen einen Schweizer Weinmeister, der zur Weinprobe einlud. Die Missionare brachten Wein nach Yunnan und so hat nun in der Region fast jeder Bauer seinen eigenen kleinen Weinberg.

Antike Brücken

Dann reiste die Gruppe weiter, um antike Holz-, Ketten- und Rattan-Brücken am Bijiang-Fluss zu besichtigen. Nach über einer Woche trafen die drei dann in Shangrila auf 3400 Metern wieder mal Ausländer. Die Fahrt zum Flughafen im Luxusbus mit WC, TV und WLAN führte über 1000 Kilometer in 15 Stunden durch das moderne China – vorbei an Solaranlagen, Autobahnhochtrassen, 20-stöckigen Hochhaussiedlungen, Staudämmen und Gemüseplantagen.

Nach der Rückkehr erhielten die Reisenden von Father Hu Bilder über den Fortschritt beim Neubau der Kirche in Dimaluo. In den kommenden Monaten wollen sie den Neubau durch mehrere Reisevorträge unterstützen und bald die Spenden nach Yunnan überweisen.

Zur Geschichte der Mission

Grob kann man die Tibetmission in folgende Abschnitte gliedern:

Die Jesuitenmission im 17. Jahrhundert 1624 bis 1661

Die Kapuzinermission im 18. Jahrhundert 1703 bis 1745 und die Mission von P. Desideri, SJ 1716 bis 1721

Der Missionsversuch der Lazaristenpaters Huc und Gabet 1846

Die Mission der MEP (Missionnaires Etrangers de Paris) 1846 bis 1952 u. a. die Mission der Chorherren vom Großen Sankt Bernhard 1933 bis 1952

Literatur

Missionare u. a. Maurice Tornay, Annet Genestier, Pierre Marie Bourdonnec

Heinrich Harrer „7 Jahre in Tibet“ Harrer-Museum-Marktgemeinde Hüttenberg

Joseph Francis Rock 1884 bis 1962 war ein österreichisch-amerikanischer Forscher und Geograf

Buch: Liao Yiwu: „Gott ist rot“ Geschichten aus dem Untergrund – Verfolgte Christen in China

Martin Mohrenz: „Die Minderheiten in der Provinz Yunnan – zwischen Tradition und Moderne“

Video auf Youtube 29 Minuten-Film über Cizhong „Auf dem Weg nach Tibet“

www.gsbernard.ch Orden Großer Sankt Bernhard – Chorherr Daniel Salzgeber

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