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Gemeinden
Sonntag, 17. Dezember 2017 4

Aktion

27 Sternsinger bringen den Segen

Die Heiligen Drei Könige sammeln in Hemau Geld für Bedürftige. Für Pfarrer Gleißner fallen vielleicht Schnapspralinen ab.
Von Dietmar Krenz, MZ

Auch in der Pfarrei St. Johannes machen sich Kinder und Jugendliche als Sternsinger auf den Weg, um Geld für Kinder in Not zu sammeln. Fotos: Krenz

Hemau. Auf den Straßen Hemaus ist es kalt und frostig. Kleine weiße Flocken fallen vom Himmel. Im Jugendheimsaal ist es dagegen warm und gemütlich. In der kleinen Küche brodelt ein Wasserkocher. Martin Bartlreiher füllt eine Thermoskanne. Schnell verbreitet sich der Duft nach Winteräpfeln im Raum. „Tee haben wir genug. Jetzt müssen wir nur noch die Teller und das Besteck holen“, sagt der Gemeindeassistent zu zwei Müttern, die ihm bei den Vorbereitungen helfen.

Es ist kurz vor 12 Uhr und in wenigen Minuten kommen die Hemauer Sternsinger zur Tür herein. 27 Ministranten in ihren bunten Gewändern pilgern nach und nach in den Jugendheimsaal, wo sie ein leckeres Mittagessen erwartet und sie sich aufwärmen können. „Das habt ihr euch verdient“, sagt Pfarrer Thomas Gleißner anerkennend. Kartoffelsuppe mit Würstchen und Baguette stehen am Speiseplan. Denn auch heuer hat Gertraud Pöppl eine Mahlzeit für alle zubereitet.

Kartoffelsuppe zur Stärkung

„Das ist unser Beitrag für die Pfarrei“, sagt die Chefin der Nachbarschaftshilfe am Tangrintel und erzählt von den Vorbereitungen. Tags zuvor hat die ganze Familie zusammengeholfen und einen Fünf-Kilo-Sack Kartoffeln geschält. In zwei großen Töpfen hat Pöppl diese dann auf dem Holzofen des Großvaters zu einer leckeren Suppe verarbeitet. „Da helfen alle mit“, sagt sie und ihr Mann hebt die schweren Töpfe auf den kleinen Herd.

Der Stadtpfarrer bedankt sich bei den verkleideten Mädchen und Jungen für ihren Einsatz und Fleiß. „Er hat für dich und mich den Tisch gedeckt; hab Dank guter Gott, dass es mir so gut schmeckt“, rappt der Geistliche zusammen mit dem Nachwuchs beim Tischgebet. Alle klatschen und wiederholen die Worte mehrmals, bevor sich die ausgehungerten Kinder und Jugendlichen über die Suppe hermachen. Einem der jungen Könige schmeckt es besonders gut, er holt sich gleich mehrmals einen Nachschlag.

Gertraud Pöppl kocht für die Sternsinger das leckere Mittagessen.

Nach dem Mahl geht es für die Sternsinger wieder hinaus in die Kälte. Sie ziehen weiter von Haus zu Haus und erinnern an die Heiligen Drei Könige Caspar, Melchior und Balthasar. Mit ihren farbenfrohen Umhängen, den goldenen Kronen auf dem Kopf und dem großen Stern sammeln sie Geld für Bedürftige.

Schnapspralinen werden abgeliefert

Wie jedes Jahr machen sich die Sternsinger auch in den vielen Einöden und Weilern rund um Hemau auf den Weg, um ihren Segen zu den Menschen zu bringen. Claudia Schießl ist eine dieser Mütter, die sie von Ort zu Ort fährt – unentgeltlich. „Ohne diese Helfer hinter den Kulissen würde solch eine Aktion nicht funktionieren“, lobt Martin Bartlreiher. Da einige der Gewänder bereits in die Jahre gekommen sind, mussten eine Handvoll neu geschneidert werden. Auch das wurde von fleißigen Damen erledigt.

Neben Geld werden den Sternsingern auch Süßigkeiten zugesteckt. Die Leckereien werden gerecht aufgeteilt, erzählen zwei Mädchen. „Die Schnapspralinen werden aber bei mir abgeliefert“, erklärt Pfarrer Gleißner. Der Geistliche freut sich schon über die strahlenden Gesichter der Sternsinger am zweiten Sammeltag. Aber auch über das angekündigte Mittagessen: Denn Gertraud Pöppl kocht für alle Schweinebraten mit Knödel.

Neue Gewänder wurden heuer angeschafft.

Seit September ist Martin Bartlreiher als Gemeindeassistent in der Pfarrei St. Johannes in Hemau tätig. MZ-Redakteur Dietmar Krenz sprach mit dem 25-Jährigen:

Wie gefällt es Ihnen als gebürtiger Niederbayer in Hemau?

Niederbayern ist schon sehr schön und mit nichts vergleichbar, deswegen wird mein Herz vermutlich auch immer für Niederbayern schlagen. Aber der Tangrintel ist schon etwas Besonderes. Ein besonderer Menschenschlag. Ich fühlte mich schnell aufgenommen und habe den Eindruck, dass ich jetzt auch endgültig in Hemau angekommen bin.

Der neue Gemeindeassistent Martin Bartlreiher

Welche Aufgaben haben Sie inne?

U.a. die Begleitung der Eltern-Kind-Gruppen, Betreuung der Ministrantengruppen und Durchführung der Aktionen wie Sternsinger und Ausflüge, Taizé-Gebete, Bibelkreise, Gestaltung und Probe des Krippenspiels, Gebetskreis in Aicha und manche anderer liturgischer Feiern sowie Vorbereitung auf die Firmung. Auch unterrichte ich an der Schule die 3., 6., und 7. Klasse in Religion.

Wer oder was liegt Ihnen bei Ihrer Tätigkeit besonders am Herzen?

Ganz besonders liegt mir der Mensch am Herzen. Der Mensch ist das A und O worum es geht, er darf nie aus den Augen verloren werden. Das ist zugleich natürlich eine der schwierigsten Aufgaben, weil Menschen so unterschiedlich sind und man sich immer neu darauf einlassen muss. Ganz besonders liegt mir hierbei die Arbeit mit den Jüngeren am Herzen, da ich früher selbst auch als Ehrenamtlicher sehr aktiv in der Jugendarbeit tätig war.

Gibt es Ideen oder Anregungen, die Sie in Ihre Arbeit einfließen lassen wollen?

Ideen und Anregungen hat man so viele, ehe man die Arbeit beginnt. Ich wollte so vieles machen und ausprobieren, jedoch musste ich schnell erkennen, dass die Realität ganz anders ist. Eine konkrete Idee, die ich verfolgen will, ist die Einführung von regelmäßigen Aktivitäten mit den Ministranten und anderen interessierten Jugendlichen.

Wohnen Sie in Hemau?

Ich habe eine Wohnung in Hemau, in der ich während meiner Arbeitszeit wohne. An meinen freien Tagen fahre ich meistens nach Hause nach Neufahrn in Niederbayern.

Welche Hobbys haben Sie?

Ich musiziere gerne, dazu gehört das Klavier und der Gesang. Auch sportlich bin ich sehr interessiert und übe die Kunst des Karate und betreibe noch anderen Freizeitsport.

Weitere Nachrichten aus dem Landkreis Regensburg.

Den Segen bringen

  • Segen:

    Rund um den Jahreswechsel sind die Sternsinger überall in Deutschland unterwegs. Unter dem Leitwort „Segen bringen, Segen sein. Gemeinsam für Gottes Schöpfung – in Kenia und weltweit!“ machen sie bei der 59. Aktion Dreikönigssingen besonders auf die Auswirkungen des Klimawandels aufmerksam. Zur Eröffnungsaktion nach Neumarkt kamen rund 2200 Sternsinger aus gut 130 Pfarrgruppen, darunter war auch eine Gruppe aus Hemau.

  • Aktion:

    Träger der Aktion Dreikönigssingen sind das Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ und der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ). Seit dem Start 1959 hat sich die Aktion zur weltweit größten Solidaritätsaktion von Kindern für Kinder entwickelt. Rund 994 Millionen Euro wurden seither gesammelt, mehr als 70 100 Projekte und Hilfsprogramme für Kinder in Afrika, Lateinamerika, Asien, Ozeanien und Osteuropa unterstützt.

  • Tangrintel:

    In Hemau sind 27 Sternsinger in sechs Gruppen unterwegs. Mit dabei sind die Oberministranten Franziska Liedl, Lucia Riepl und David Santl.

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