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Gesundheit

Krebskranke helfen sich gegenseitig

Am 1. Dezember startet in Hemau eine neue Selbsthilfegruppe „Leben mit Krebs“. Betroffene können ihre Sorgen teilen.
Von Ingrid Kroboth, MZ

Die Initiatoren der „Selbsthilfegruppe: Leben mit Krebs“ im Runden Haus in Hemau: Christine Zöphel und Matthias Bauer Foto: Kroboth

Hemau. „Krebs“ ist eine Diagnose, die den Erkrankten erst mal den Boden unter den Füßen wegzieht. Eine Diagnose, die eine lange Behandlungszeit zur Folge hat – und damit Perioden der Einsamkeit, Unsicherheit, Isolation. Denn mit wem sollen Kranke über ihre Ängste reden? Wer versteht die Verzweiflung, die Endzeitstimmung: „Ich kauf mir keine neuen Sommersandalen – die brauch ich vielleicht gar nicht mehr!“ Wie gut tut in dieser Situation das Gespräch mit einem Menschen, der die gleichen Erfahrungen gemacht hat, mit den gleichen Problemen und Ängsten lebt.

Freilich gibt es die Bayerische Krebsgesellschaft und viele Selbsthilfegruppen. Doch die sind alle in den größeren Städten angesiedelt – auch in Regensburg. Aber auf dem flachen Land, etwa im westlichen Landkreis, suchen Betroffene bisher vergeblich nach einem Treff für Menschen, die das „Leben mit Krebs“ meistern müssen und wollen.

Erstes Treffen am 1. Dezember

Genau das soll sich jetzt ändern – konkret ab 1. Dezember. Da findet das erste Treffen der „Selbsthilfegruppe: Leben mit Krebs“ im Runden Haus, Gewerbering Ost 5b, in Hemau statt. An jedem ersten Dienstag im Monat kommt dort künftig von 10 bis 11.30 Uhr eine Gruppe von Menschen zusammen, die mit der Diagnose Krebs leben und umgehen muss und will. Betroffene und Angehörige sind zu den kostenlosen Treffen eingeladen und willkommen.

Beratung der Krebsgesellschaft

  • Eine zentrale Anlaufstelle für Krebspatienten ist die gemeinnützige Bayerische Krebsgesellschaft e.V. – mit einer Beratungsstelle in Regensburg in der Landshuter Straße 19. Die Leitung hat Sozialpädagogin Karin Grabe. Sie verspricht: „Wir nehmen uns Zeit für Sie.“

  • Defizit Beratung

    In der Regel werden Krebspatienten schon in den Krankenhäusern auf dieses kostenlose Angebot – sozusagen von der Diagnose bis zur Therapie – aufmerksam gemacht. Doch durch die immer kürzer angesetzten Krankenhaus-Aufenthalte – auch für Krebspatienten – falle die Beratung oft unter den Tisch.

  • Leistung der Beratungsstelle

    In der psychosozialen Beratungsstelle finden Menschen mit Krebs, deren Angehörige und Interessierte seelische Unterstützung, Begleitung in Krisensituationen, Ermutigung und ein weites Feld an Informationen von der Früherkennung und Gesundheitsförderung über finanzielle und sozialrechtliche Fragen bis hin zu Nachsorge und Rehabilitation.

  • Kontakt

    Die Regensburger Beratungsstelle ist zu erreichen unter Telefon (09 41) 599 97 83, per Email unter bsr-regensburg@bayerische-krebsgesellschaft.de und über die Homepage www.bayerische-krebsgesellschaft.de. (lik)

Die Initiatoren der Selbsthilfegruppe wissen, wovon sie sprechen und worauf es in der Gemeinschaft ankommt. Die medizinisch technische Assistentin (MTA) und psychologische Beraterin Christine Zöphel (49) und der Hotelbetriebswirt Matthias Bauer (52) – sie leben beide in Beratzhausen – waren selbst an Krebs erkrankt. Sie wissen nur zu gut, wie befreiend das Gespräch mit einem Menschen wirkt, der den Ablauf einer Chemotherapie kenn, der weiß, wie es einem geht, wenn man jeden Tag zu diesen Riesenmaschinen ins Krankenhaus fähr, wenn einem die Haare ausfallen und die Leute nachfragen, aber kaum einen Bezug zur Krankheit haben. Freilich könne jeder nur für sich versuchen, mit der Situation zurechtzukommen, sagt Bauer. Aber man müsse eben auch etwas dafür tun, fügt Zöphel an. Sie geht davon aus, dass jeder Betroffene seinen eigenen Weg hat, mit der Krankheit umzugehen.

Das wird auch im Gespräch mit Christine Zöphel und Matthias Bauer deutlich. Die engagierte Frau hat immer geschaut, was es parallel zur Schulmedizin noch an komplementären Behandlungsformen gibt. Sie setzt auf die ausgleichende Wirkung von GuoLin-QiGong, schöpft Kraft im Alltag mit der Familie – „weil es eine Konstante ist“.

Von Eisscholle zu Eisscholle

Dagegen vertraut Bauer, der sich selbst scherzhaft als „Quotenmann“ in der „hoffentlich gemischten Gruppe“ sieht, auf die klassische Medizin, auf die klare Ansage des Onkologen: „Operation oder sterben.“ Er hat sich für die Operation entschieden – und: „Es hat geholfen, ich lebe noch, ganz gut!“ Freilich bleibe die Gewissheit, dass der Krebs wieder kommen könne.

Wer es selbst erlebt hat, kann anderen eine Hilfe sein: Der Gang zur Strahlentherapie fällt vielen Krebspatienten schwer.Foto: dpa

„Man hangelt sich so durch, balanciert von Eisscholle zu Eisscholle“, umschreibt Zöphel die Lebenseinstellung, zu der auch ein Zitat aus einem der vielen Bücher in den Schränken der Initiatoren passt: „Akzeptiere die Diagnose, nicht die Prognose!“

Genau dieses Wissen, die Erfahrungen jedes Einzelnen sollen Grundlage sein, für vertrauensvolle Gespräche in der Gruppe. „Kein Seelenstriptease“, sondern die offene Begegnung von Menschen mit ähnlichem Schicksal. Dafür sind absolute Diskretion und Vertraulichkeit aller Gespräche in der Runde oberste Voraussetzung, pochen Zöphel und Bauer auf die Verschwiegenheit künftiger Teilnehmer.

Gestärkt werden

Zum Ablauf sind verschiedene Themen angedacht, etwa der Umgang mit der Familie oder die Angst der Kinder und wie sie möglichst gestärkt aus der Situation herausgehen, was sie daraus schöpfen können. Auch existenzielle Fragen sollen angesprochen werden – zusammen mit fachbezogenen Referenten. Und selbstverständlich sind die Initiatoren auch offen für Wünsche und Anregungen aus der Gruppe.

Die Selbsthilfegruppe „Leben mit Krebs“ wird unter dem Dach der Bayerischen Krebsgesellschaft e.V. stehen, gefördert durch die Krankenkassen. Wer zum Start am 1. Dezember dabei sein möchte, wendet sich am besten vorab an Christine Zöphel unter Telefon (0 94 93) 90 22 22 oder an Matthias Bauer, Telefon (0 94 93) 95 97 87. Willkommen sind aber auch Kurzentschlossene, ermuntern die Initiatoren. Treffpunkt ist am 1. Dezember um 10 Uhr in „Das Runde Haus“, Gewerbering Ost 5b.

Die Psychosoziale Beratungsstelle Regensburg der Bayerischen Krebsgesellschaft e.V. und die Volkshochschule Regensburg bieten morgen in Regensburg eine abendliche Fragestunde zu Krebserkrankungen an. Die Fragestunde findet am Dienstag, 24. November, von 19 bis 21 Uhr in der Volkshochschule Regensburg, Thon-Dittmer-Palais, Haidplatz 8, Konferenzraum (Aufgang Stadtbücherei) statt. Diesmal geht es um das Thema: „Die Therapie ist abgeschlossen – was nun? Sinnvolle Nachsorge für Körper und Seele“.

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