mz_logo

Gemeinden
Montag, 29. Mai 2017 30° 2

Pflege

Verzicht auf Gitter an den Betten

Das BRK-Heim in Hemau geht neue Wege im Umgang mit Dementen. Die Mobilität der Betreuten bleibt damit erhalten.
Von Beate Popp, MZ

Tiefergelegte Betten erlauben bei Dementen den Verzicht auf Gitter, erläutern Sebastian Halser, Christian Scheuerer und Pflegedienstleiterin Eva Grzegorczyk Foto: Popp

Hemau. In Deutschland sind 1,4 Millionen Menschen an Demenz erkrankt und Jahr für Jahr kommen 300 000 dazu. Menschen mit dieser Krankheit besitzen eine hohe Aktivität. Wegen ihrer Gedächtnisstörung wissen Demente im fortgeschrittenen Stadium nicht mehr, was sie tun. Zu ihrem Schutz werden sie mitunter fixiert. Das bedeutet eine stete Gratwanderung zwischen Schutz und Freiheitsberaubung, denn die Freiheit der Person ist vom Grundgesetz garantiert. Das Pflegeteam des BRK-Seniorenwohnen hat sich nun gegen alle Arten von freiheitsentziehenden Maßnahmen, wie Bettgitter, Gurte oder Steckbretter in Stühlen entschieden. „Denn es geht ja immer um die Würde des Menschen“, betont Einrichtungsleiter Sebastian Halser.

„Wir haben einen neuen Weg eingeschlagen. Statt die Bewegungsfreiheit der Patienten einzuschränken, haben wir Alternativen geschaffen, um die Mobilität der Heimbewohner zu erhalten. Dazu wurden neben vielen anderen Möglichkeiten auch die Betten niedriger gestellt und eine Isomatte vor das Bett gelegt, die mit Sensoren ausgestattet ist. Die Gitter an den Betten wurden entfernt und auch keine Steckbretter an den Rollstühlen gibt es mehr.“

Ein Transponder, der wie eine Armbanduhr von Bewohnern getragen werden kann, signalisiert den zuständigen Pflegekräften den aktuellen Aufenthaltsort. „Wir handeln ganz nach dem Werderfelser Weg“, so der Einrichtungsleiter. Was der „Werdenfelser Weg“ ist? Es ist eine von Garmisch-Partenkirchen ausgehende, mit großer Geschwindigkeit bundesweit wachsende Initiative von Menschen, die sich jeweils in ihrem eigenen Tätigkeitsumfeld aktiv darum bemühen, dass Fixierungen und Freiheitsentziehungen von kranken und alten Menschen vermieden werden, wo immer das vertretbar ist. Und es ist erstaunlich oft vertretbar. Ziel ist es, freiheitsentziehende Maßnahmen (FEM) auf ein Minimum zu reduzieren.

Pflegedienstleiterin Eva Grzegorczyk hat zusammen mit ihrem Team Michaela Maier, Susanne Illner, Ulrike Schaider und Christian Scheuerer mit viel Verständnis für die Heimbewohner, diese Maßnahme erfolgreich vollzogen. „Bei uns können die Bewohner einfach nur Mensch sein, ohne Einschränkung ihres Umfeldes“ so das Pflegeteam. Derzeit sind 90 Heimbewohner im BRK-Seniorenwohnen. Betreut werden sie von insgesamt 80 Mitarbeitern darunter 65 Pflegekräften. „Wir können alle stolz darauf sein, dass uns dies gelungen ist!“ so das Resümee aller Verantwortlichen im Hemauer Seniorenwohnen. (lbp)

Weitere Nachrichten aus dem Regensburger Umland lesen Sie hier.

Aktuelle Nachrichten von mittelbayerische.de auch über WhatsApp. Hier anmelden: http://www.mittelbayerische.de/whatsapp

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Anmelden

Hinweis: Bitte schützen Sie Ihr Konto auf öffentlichen Geräten, indem Sie sich nach der Nutzung im Profil-Bereich abmelden.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht