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Insolvenz

Carolinenhütte: Es stehen Jobs im Feuer

Der Oberpfälzer Traditionsbetrieb will sich aus eigener Kraft sanieren. Dazu gehört auch ein Abbau von Arbeitsplätzen.
Von Christine Hochreiter, MZ

In dem Kallmünzer Unternehmen sind derzeit 110 Mitarbeiter beschäftigt. Doch das wird nicht so bleiben. Foto: Carolinenhütte

Kallmünz.Es war ein mutiger Schritt: Die Geschäftsführung der Carolinenhütte in Kallmünz (Kreis Regensburg) stellte im November 2015 beim Amtsgericht Regensburg einen „Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens unter Anordnung der Eigenverwaltung“. Bei der Eigenverwaltung handelt es sich um eine besondere Verfahrensart im deutschen Insolvenzrecht. Das Prinzip ist eine durch die Geschäftsführung gesteuerte Sanierung unter dem Schutz und mit den Sanierungsinstrumenten der Insolvenzordnung. Das Ziel ist die nachhaltige Sanierung eines Unternehmens in enger Abstimmung mit den Gläubigern.

Auslöser für die Schieflage der Carolinenhütte war die Pleite der Schwestergesellschaft BMB Burglengenfelder Maschinenfabrik. Diese war Mitte 2014 in die Insolvenz geraten. Die Schwester war 2008 gegründet worden und insbesondere durch Bankdarlehen finanziert worden, für die die Carolinenhütte zum Teil mit haftete. Durch die Zahlungsunfähigkeit der Schwestergesellschaft sah sich die Carolinenhütte erheblichen finanziellen Verpflichtungen ausgesetzt. Laut Geschäftsführerin Caroline Höllein führte dies vorrangig auch zum Insolvenzantrag der Carolinenhütte.

Gespräche in alle Richtungen

Zum Sachwalter hatte das Insolvenzgericht Rechtsanwalt Dr. Stefan Debus von der Kanzlei Müller-Heydenreich Bierbach & Kollegen bestellt. Anfang März wurde das Insolvenzverfahren für die Eisengießerei mit 110 Mitarbeitern offiziell eröffnet. Seither ist viel geschehen. Geschäftsführerin Caroline Höllein sagte unserem Medienhaus, man arbeite derzeit an der Umsetzung von Kostensenkungsmaßnahmen und der Beseitigung von Überkapazitäten. Sehr erfreulich sei es, dass Lieferanten und Kunden dem Traditionsunternehmen die Treue hielten. Man habe in schwierigen Zeiten sogar Kunden hinzugewinnen können.

Der Vorteil der Insolvenz in Eigenverwaltung ist, dass die Geschäftsführer Herren im Haus bleiben.

Fachanwalt Stefan Puhlmann

Dennoch werde die Sanierung mit einer Reduzierung der Mitarbeiterzahl verbunden sein. In der Verwaltung und im Qualitätswesen habe man vier Mitarbeitern gekündigt und in der Produktion wolle man sich etwa von zehn Prozent der Beschäftigten trennen, so Höllein. Dazu fänden derzeit Gespräche mit dem Betriebsrat statt. Für das Unternehmen als solches und seine Zukunftsfähigkeit stünden die Chancen weiter gut. Dies betonte die Sprecherin des Sachwalters Debus in München. Dieser führe derzeit ergebnisoffene Gespräche in alle Richtungen. Auch der Einstieg eines Investors sei nicht ausgeschlossen. Eine endgültige Entscheidung sei hier aber noch nicht gefallen. Am kommenden Donnerstag findet aber zunächst einmal die erste Gläubigerversammlung statt.

Ein sehr seltenes Verfahren

Stefan Puhlmann ist in Regensburg als Fachanwalt für Insolvenzrecht tätig. Damit arbeitet er in einer Branche, die mit Blick auf eine boomende Konjunktur, wie er sagt, eine Flaute erlebt. Der Jurist: „Unsere Branche kämpft derzeit um Fälle. Es reicht nicht mehr für alle.“ Der Sektor sei daher in Bewegung. Viele kleinere Kanzleien hörten auf, weil sie die benötigten Strukturen – wie etwa eine spezielle Software – nicht mehr vorhalten könnten. Und wieder andere würden sich zu größeren Einheiten zusammenschließen.

Ein Traditionsunternehmen

  • Historie:

    Die Eisengießerei Carolinenhütte baut auf eine Jahrhunderte alte Standort- und Firmentradition auf. Hervorgegangen im Mittelalter aus einem Eisenhammer, an der „Bayerischen Eisenstraße“ von Amberg bis Regensburg gelegen, entwickelte sich im 19. Jahrhundert eine Eisengießerei. 1882 wurde das Unternehmen stillgelegt. 1885 wurde es von Peter Höllein erworben.

  • Familienbetrieb:

    Die Carolinenhütte wurde bis zum heutigen Tag in der 5. Generation kontinuierlich als Familienbetrieb geführt und hat sich zu einem modernen Gießerei- und Handelsunternehmen entwickelt.

  • 2012 war das Familienunternehmen mit dem ersten Innovationspreis der Wirtschaftszeitung ausgezeichnet worden – für einen Spezial-Siphon zur Eindämmung von Tunnel-Bränden. (ti)

Die Insolvenz in Eigenverwaltung sei nicht sehr häufig. Sie betreffe nur unter ein Prozent der Insolvenzfälle. Der Vorteil sei es, dass die Geschäftsführer Herren im Haus blieben. Allerdings sei diese Form der Insolvenz auch mit erheblichen Einschränkungen verbunden – und im übrigen auch nicht für jedes Unternehmen geeignet. Der Experte: „Der klassische Fall sind Sonderbelastungen außerhalb des eigentlichen Geschäftsfeldes.“ Das wäre auch bei der Carolinenhütte der Fall ...

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