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Eine Heimat für junge Flüchtlinge

Seit Wochen sucht Regensburgs Kreisjugendamt nach einer Lösung. Knackpunkt ist die Unterbringung. In Kallmünz zeichnet sich jetzt eine Zwischenlösung ab.
Von Christof Seidl, MZ

Neben der Unterkunft gehören auch die Ausbildungsmöglichkeiten zu den Punkten, die bei der Suche nach einem Standort für eine Einrichtung für junge Flüchtlinge eine Rolle spielen. Foto: dpa

Kallmünz.Wie viele wirklich kommen, weiß niemand. Aber es gibt Schätzungen. Danach wird der Landkreis noch in diesem Jahr voraussichtlich zwischen 20 und 40 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge aufnehmen müssen. Das Problem: Diese jungen Menschen können nicht einfach in einer Asylbewerberunterkunft untergebracht werden, sie brauchen eine Betreuung. „Wir müssen praktisch eine Einrichtung aus dem Boden stampfen, sagt Karl Mooser.

Oft schwer traumatisiert

Der Leiter des Kreisjugendamts ist seit Wochen auf der Suche nach einer geeigneten Unterkunft. Zwar gibt es derzeit noch einige freie Plätze in den drei Kinderheimen in Regenstauf, Hemau und Kallmünz im Landkreis. Doch zum einen werden diese Plätze aller Voraussicht nach nicht ausreichen, zum anderen können reguläre Heimplätze nicht die Bedürfnisse der Überraschungsgäste erfüllen. Diese seien durch ihre Erlebnisse in ihren Herkunftsländern und auf der Flucht oft schwer traumatisiert und hätten obendrein wenig Deutschkenntnisse, betont Moser. Einen Träger hat der Jugendamtsleiter bereits an der Hand. Das Thomas Wiser Haus in Regenstauf hat sich bereit erklärt, die Betreuung der jungen Flüchtlinge zu übernehmen, erklärte Mooser im Gespräch mit der MZ. Was fehlt, sind geeignete Räume.

Angebote an Wohnraum für eine solche Gruppe gibt es immer wieder. Bisher sei aber nichts Geeignetes dabei gewesen, bedauert der Jugendamtsleiter. Eines der größten Probleme ist die Lage. Weil die jungen Flüchtlinge die Schule besuchen oder eine Ausbildung absolvieren sollen, sei eine Lage mit vernünftiger ÖPNV-Anbindung ein Muss.

Das bestätigte auch Karl-Heinz Weiß, der Leiter des Thomas Wiser Hauses, gegenüber der MZ. Die jungen Flüchtlinge bräuchten eine gute Anbindung an Berufsschuleinrichtungen in Regensburg und Schwandorf. Dort gebe es entsprechende Angebote. Außerdem müssten genügend Sanitäreinrichtungen und ein Gemeinschaftstraum vorhanden sein.

Weiß hat schon etliche Gebäude im Landkreis Regensburg besichtigt. Dass es noch nichts Brauchbares gefunden hat, liegt am Wohnungsmarkt im Raum Regensburg. Weiß sprach von einem „überhitzten Markt. Er habe schon einige geeignete Objekte gefunden, die aber in letzter Minute dann doch an Mieter gegangen seien, die mehr geboten hätten.

Jetzt zeichnet sich immerhin eine Zwischenlösung ab. In Kallmünz könnten die geplante Wohngruppe für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge im Schullandheim untergebracht werden. Es gehört zur Kinder-und Altenheimstiftung in Kallmünz.

Für ein Jahr im Landschulheim

Wie Weiß sagte, könne die geplante Wohngruppe dort voraussichtlich für ein Jahr unterkommen. Landschulheime seien nicht mehr so gefragt. Selbst staatliche Einrichtungen seien nicht mehr gut gebucht, für privater Träger gelte das umso mehr. Die Kinder-und Altenheimstiftung plane deshalb mittelfristig, das Landschulheim-Gebäude als Einrichtung für Seniorenwohnen zu nutzen. Deshalb sei für die Wohngruppe dort nur eine vorübergehende Unterbringung möglich. Die Wohngruppe des Wiser Hauses soll im Dezember starten und 20 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge aufnehmen.

Der Bedarf, von dem das Landratsamt ausgeht, wird dadurch nur zur Hälfte gedeckt. Nach Angaben von Pressesprecher Markus Roth müssen im Landkreis bis Ende des Jahres insgesamt 40 Plätze für unbegleitete Minderjährige geschaffen werden. Das Kreisjugendamt sei derzeit mit weiteren Träger im Landkreis in Verhandlungen um weitere Plätze zu schaffen.

Die meisten minderjährigen Flüchtlinge stammen aus Bürgerkriegsländern. Sie waren oft in den Fängen von Schleusern und wurden von der Bundespolizei von der Autobahn geholt oder aus den Zügen gefischt. In Regensburg öffnete als erste spezielle Einrichtung in der Region für diese Flüchtlinge eine zentrale Inobhutnahmestelle der Katholischen Jugendfürsorge. Dort erhalten die Jugendlichen eine Grundversorgung: Essen, Trinken, Kleidung, ein Bett.

Vorbereitung auf den Alltag

Maximal drei Monate dürfen die Jugendlichen in der Inobhutnahmestelle bleiben. In dieser sogenannten Clearingphase passiert viel. Die Flüchtlinge werden psychologisch und pädagogisch begleitet, auch um zu lernen, sich in der fremden Kultur zurechtzufinden. Deutschunterricht hat Priorität. Zugleich wird schulische Situation abgeklärt. Das Ziel ist eine berufliche Ausbildung. Die Erfolgsaussichten sind gut: Weit mehr als zwei Drittel der jugendlichen Flüchtlinge schaffen den Schritt.

Die Ziele der geplanten Einrichtung in Kallmünz sind identisch. Auch nach Angaben von Karl-Heinz Weiß sollen die jungen Flüchtlinge lernen, sich in die Gesellschaft zu integrieren. Deshalb sollen sie beispielsweise auch gemeinsam einkaufen und kochen.

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