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Samstag, 16. Dezember 2017 10

Asyl

Flüchtlinge wollen integriert werden

Bundes- und Landtagsabgeordnete besuchen die in Kallmünz untergebrachten jugendlichen Asylbewerber. Schule breitet Probleme.
Von Martina Neu, MZ

Die mitgebrachten Computer wurden gleich ausprobiert. Foto: Neu

Kallmünz. Hohen Besuch hatten die unbegleiteten jugendlichen Flüchtlinge, die im Kallmünzer Kinderheim am Spittlberg untergebracht sind, in diesen Tagen. Der Regensburger Bundestagsabgeordnete Philipp Graf von und zu Lerchenfeld und die Landtagsabgeordnete Sylvia Stierstorfer, Bezirksrat Thomas Gabler, der Unternehmer Rainer Mißlbeck aus Regenstauf, der Leiter des Kreisjugendamts Karl Mooser und Bürgermeister Ulrich Brey schauten bei ihnen vorbei und informierten sich über ihre Situation.

Mit dabei hatten sie zwei Computer im Wert von rund 1000 Euro, die von Rainer Mißlbeck gestiftet und gleich verkabelt wurden, damit sie die Jugendlichen umgehend in Betrieb nehmen konnten. In der Kallmünzer Einrichtung sind derzeit zehn Jugendliche im Alter von 16 bis 18 Jahren untergebracht. Sie kommen aus Afghanistan, Somalia, Eritrea, Gambia und Ghana und waren auf ihrer Flucht fast eineinhalb Jahre unterwegs, bevor sie in Sicherheit waren, erzählt der Leiter der Gruppe, Jürgen Mertin. Auf die Frage, wie man sich mit ihnen unterhalte, sagte Mertin, dass dies schon schwierig sei. Ein Jugendlicher spreche verhältnismäßig gut Englisch, die anderen nur ein paar Worte, die sie auf der Flucht gelernt haben, wie: mir geht es gut oder ich habe Hunger. Untereinander verständigen sie sich auf TWI, Houssa oder Tigrina, ihren Muttersprachen.

Keine Probleme mit den Frauen

Philipp Graf von und zu Lerchenfeld wollte wissen, ob es Schwierigkeiten gäbe, dass Frauen akzeptiert werden. Hier antwortete Katharina Gingele, eine der Betreuerinnen. „Anfangs gab es schon Anlaufschwierigkeiten, aber mittlerweile sind diese behoben.“

Jürgen Mertin beschreibt die Wohngruppe als „sehr herzlich, es wird miteinander gesungen und Musik gemacht“. Allerdings sei es für die Jungs schwierig und ungewohnt, in der fremden Sprache zu sprechen. Sie seien weniger auffällig, als man es in anderen Einrichtungen kenne, stellte Mertin fest. Die Flüchtlinge wollen alle so schnell wie möglich Geld verdienen, das sie, wie sie sagen der „Familie“ schicken wollen. Eventuell müssen sie auch noch Schleuser bezahlen. Einige arbeiteten auf ihrer Flucht sogar als Sklaven.

Die Flüchtlinge sind seit Mitte Dezember in Kallmünz untergebracht und begannen damals schon Deutsch zu lernen. In ihrer Heimat haben sie ein oder zwei Jahre die Schule besucht – wenn überhaupt – und wurden meist nur auf Arabisch unterrichtet, erzählt Mertin. Sylvia Stierstorfer regte an, die Jugendlichen in Ausbildungszentren unterzubringen, denn sie möchten ja arbeiten. Mertin antwortete, es werde bis zu zwei Jahre dauern, bis sie an eine Ausbildung denken können. Karl Mooser bekräftigte dies und meinte, dass die Beschulung das Kernproblem darstelle und die Grundvoraussetzung für eine spätere Arbeit sei.

Teilweise ohne Papiere

Er erzählte, dass die Jugendlichen teilweise ohne Papiere und Ausweise in Deutschland ankämen und dann geschätzt werden müssten. Zum Teil hätten sie einen schlechten Ernährungszustand, was dies nochmals schwieriger mache. Philipp Graf von und zu Lerchenfeld fragte Bürgermeister Ulrich Brey, ob es Möglichkeiten im Ort gäbe, wo sich die Flüchtlinge sportlich betätigen könnten. Brey sagte, dass sie bereits integriert werden und beispielsweise mit den Triathleten zum Schwimmen oder auch zum Fußball gehen. Die Jugendlichen wollen sich auch selbst integrieren, so gehen sie auch in den Markt. Vonseiten der Bevölkerung habe es keinerlei Beschwerden gegeben, fügte Brey an.

Zahlen aus dem Landkreis

  • Landkreis

    Im Landkreis Regensburg sind derzeit rund 20 unbegleitete jugendliche Flüchtlinge untergebracht.

  • Kallmünz

    In Kallmünz kooperieren zwei Träger: das Kinderheim Kallmünz stellt die Räume des Schullandheims zur Verfügung, das Thomas-Wiser-Haus in Regenstauf sichert die Betreuung.

  • Schule

    Seit Montag besuchen die Flüchtlinge die Berufsschule in Regensburg.

  • Asylbewerber

    860 Asylsuchende sind laut Karl Mooser, dem Sachgebietsleiter im Kreisjugendamt Regensburg, im gesamten Landkreis verteilt untergebracht. (lmn)

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