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Rauschgift

Beim Gassigehen: Hund frisst Cannabis

Ein Lappersdorfer muss seinen Hund nach einem Spaziergang in eine Klinik bringen: Das Tier zeigte Vergiftungserscheinungen.
Von Micha Matthes, MZ

Drei Gramm Cannabis pro Kilo Körpergewicht können für Hunde tödlich sein. Symbolfoto: dpa

Lappersdorf.Eigentlich ist es ein Spaziergang wie jeder andere, doch dann beginnt der Schäferhund-Mischling auf einmal stark zu zittern. Der 26-jährige Besitzer schaut sich sein Tier genauer an: Fiebriger Blick, übermäßig viel Speichel tropft aus dem Maul, schließlich erbricht der Hund sogar. Damit ist klar: Der Vierbeiner hat etwas Falsches gefressen. Sofort reagiert der Besitzer und bringt seinen Mischling in eine Tierklinik nach Regensburg. Dort bestätigen die Ärzte am Samstagnachmittag die Vergiftungserscheinungen. „Der Hund steht wohl unter Drogeneinfluss“, lautet schließlich die Diagnose. Die Experten behandeln das Tier und der Besitzer geht zur Polizei.

Er vermutet zu diesem Zeitpunkt noch, dass sein Hund Opfer eines Tierhassers wurde und einen gezielt ausgelegten Giftköder gefressen hat. Der Fall soll zur Anzeige gebracht werden.

Die Beamten der Polizeiinspektion Regenstauf nehmen den Sachverhalt am Abend auf, dann gehen sie mit dem 26-Jährigen den Flurweg zwischen Oppersdorf und Hainsacker noch einmal gemeinsam genau ab. Mit starken Taschenlampen leuchten sie die Gräben aus, streifen mit den Füßen vorsichtig durch das Gras – und finden schließlich die Ursache für die Vergiftung: Einen Gefrierbeutel mit Cannabis-Krümeln.

Der Hund hat also Drogen gefressen: Auf den ersten Blick wirkt diese Nachricht auf manche Menschen sicher lustig. Schlägt man im Internet auf der Toxikologieseite der Veterinärmedizinischen Uniklinik Zürich die Auswirkungen von Cannabis auf Hunde nach, wird die Sache aber ernst. Wie beim Menschen auch, wirkt sich die Vergiftung eines Hundes je nach Körpergewicht unterschiedlich aus. Schon 84 Milligramm der getrockneten Marihuana-Blätter sind pro Kilogramm Hund giftig. Drei Gramm Cannabis pro Kilo können zum Tod eines Hundes führen.

„Das Gute ist, dass es dem Hund schon wieder besser geht und dass hier wohl keine Tierhasser am Werk waren“, sagt Günter Hammer, Stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion (PI) Regenstauf. Es habe sich wohl einfach jemand der Drogen entledigen wollen und der Hund habe die Reste dann zufällig gefressen.

Hund nicht selbst behandeln

  • Besitzer sollten mit ihrem Hund sofort zum Arzt gehen, wenn dieser einen Giftköder gefressen hat. „Hundehalter sollen bitte keine eigenmächtigen Behandlungsversuche durchführen, bei denen wertvolle Zeit vergeht“, mahnt Judith Pein von der Tierrechtsorganisation Peta.

  • Bei einer Vergiftung kann der Hund Symptome zeigen wie Erbrechen, Durchfall, Zittern, Krämpfe, Blutungen oder Atemnot. Der Deutsche Tierschutzbund rät, dem Tierarzt eine Probe des Giftes oder des Erbrochenen mitzubringen. Folgende Informationen seien relevant: Wann hat der Hund das Gift gegessen, wie sah der Köder aus, und wie viel wurde davon vertilgt?

  • Verliert der Hund das Bewusstsein, schwebt er in Lebensgefahr. In diesem Fall empfiehlt der Tierschutzbund: Zunge herausholen, Maulhöhle von Schleim und Erbrochenem befreien, Atemwege freihalten und eine Herzmassage vornehmen. Auf keinen Fall Erbrechen auslösen, denn dabei besteht Erstickungsgefahr.

  • Mit Blick auf die aktuellen Fälle im Landkreis Regensburg warnt der Hainsackrer Tierarzt Dr. Marius Ramneantu vor allem vor blau-grünen Substanzen. Sollte Hunde solche Substanzen fressen, sollte sofort ein Tierarzt aufgesucht werden.

  • Völlig falsch ist es nach Auskunft des Hainsackerer Tierarztes, den Tieren in Vergiftungsfällen Milch zu geben.

  • (dpa/tk)

Die gefundenen Rauschgift-Krümel wurden von der PI Regenstauf sichergestellt. Sie ermittelt nun gegen Unbekannt wegen eines Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz. Der Gefrierbeutel wird spurentechnisch untersucht. Außerdem setzt die Polizei auf einen Presseaufruf: „Wer Personen gesehen hat, die auf dem Flurweg zwischen Oppersdorf und Hainsacker etwas weggeworfen haben, wird gebeten, die Polizeiinspektion Regenstauf unter Tel. (09 40 2) 93 11 0 zu kontaktieren“, schreibt die Polizei.

Auch in Zeitlarn gab es einen Vorfall mit einem Hund. Dort nahm am Freitag ein Vierbeiner ein mit Rattengift versetztes Stück Salami ins Maul.

Weitere Polizeimeldungen aus dem Raum Regensburg finden Sie hier.

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