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Politik

Das goldene Haus sorgt für Streit

Aurelium Lappersdorf weist 650000 Euro Defizit auf. Zu viel, sagt die CSU. Die Verwaltung sieht den Aufwand gerechtfertigt.
Von Christof Seidl, MZ

Markant, modern und umstritten: Die Betriebskosten des Lappersdorfer Aureliums sorgen für Auseinandersetzungen. Foto: Thomas Kreissl

Lappersdorf.Seit gut einem Jahr ist das Aurelium in Betrieb. Das goldene Haus hat in dieser Zeit nicht nur mit seiner auffälligen Optik für Aufsehen gesorgt, sondern auch mit einem anspruchsvollen Kulturprogramm. Zu den Höhepunkten des ersten Jahres zählten unter vielen anderen das Trio Adorno und Max Mutzke. Die Auswahl, die der Leiter des markanten Goldstücks, Klaus Wenk, getroffen hatte, erhielt von Besuchern viel Lob.

Aktuell listet die Internetseite des Aureliums 17 Veranstaltungen auf. Es soll aber auch Treffpunkt für die heimische Bevölkerung sein, für Vereine, Musik- und Theatergruppen etc. Die einzige Veranstaltung mit lokalem Charakter auf der Internetseite ist aktuell der Lappersdorfer Kunst- und Handwerkermarkt. Trotzdem gibt es örtliche Veranstaltungen. So steigt im Juni das „45. Fischerfest“ im Aurelium, und im Juli feiert der TSV Kareth-Lappersdorf dort sein 90-jähriges Bestehen.

„Hätte uns viel Geld gespart“

Trotz der guten Bilanz gibt es Streit um das goldene Haus. Die CSU hatte bei einer Versammlung im April harsche Kritik an den Betriebskosten geübt. „Ein Defizit von jetzt 650 000 Euro haben wir nicht geplant“, sagte CSU-Fraktionsvorsitzender Joachim Strauß. Die Planung für das Aurelium war noch vor Mai 2014 unter CSU-Führung und Bürgermeister Erich Dollinger erfolgt. Die CSU habe ein Konzept für das Aurelium erarbeitet, das pro Jahr rund 150000 Euro gekostet hätte, betonte Strauß in der Versammlung. Es sei aber von der aktuellen Marktratsmehrheit nicht angenommen worden.

„Ein Defizit von jetzt 650 000 Euro für das Aurelium haben wir nicht geplant“

CSU-Fraktionsvorsitzender Joachim Strauß

Strauß bezweifelte, dass es für das Aurelium einen hauptamtlichen Leiter braucht. Stattdessen hätte man die Nutzung über hauptamtliche Agenturen organisieren sollen, „was uns viel Geld gespart hätte“.

Auf Nachfrage unseres Medienhaus wurde der CSU-Fraktionssprecher konkreter. Er betont, dass die Kosten für den Leiter lediglich 67000 Euro im Jahr betragen würden. Erst durch weitere Einstellungen und Personalverschiebungen aus Rathaus und Bauhof würden für das Aurelium Personalkosten von knapp 350000 Euro entstehen. Das gehe aus den Haushaltszahlen hervor. Für den Rest des Defizits seien vor allem unwirtschaftlichen Veranstaltungen verantwortlich, die der Markt in Eigenregie organisiere. Durch eine Zusammenarbeit mit Agenturen könnten die Personal- und Veranstaltungskosten stark reduziert werden, ist Strauß überzeugt. Nach Angaben von Bürgermeister Christian Hauner (Freie Wähler) und der Verwaltung bei den Haushaltsberatungen seien vor allem die Fremdvermietungen lukrativ. Strauß verweist außerdem auf die Lappersdorfer Gemeindehalle. Dort habe die Verwaltung vor der Eröffnung des Aureliums in Zusammenarbeit mit Agenturen auch überregionale Veranstaltungen beispielsweise mit Monika Gruber oder Django Asül organisiert. Die Verwaltungskosten der Gemeindehalle würden bei 160000 Euro pro Jahr liegen.

Bürgermeister Hauner hält die Argumente von Strauß für haltlos. In einer Stellungnahme in der Mittelbayerischen Zeitung zu der CSU-Kritik hatte er betont, dass sich vor der Eröffnung des Aureliums alle Fraktionen im Marktrat einig gewesen seien, dass der anlaufende Kulturbetrieb durch eine Anschubwerbung unterstützt werden soll.

Hauner verweist auf Beschlüsse

Es sei außerdem nicht machbar, ein Haus in der Größenordnung des Aureliums mit regionaler Ausstrahlung durch ehrenamtliche Mitarbeiter zu führen, schrieb Hauner. Alle Fraktionen hätten zugestimmt, dass eine Festanstellung von Personal nötig ist. „Ein Kulturhaus in dieser Größe zu bauen, ohne hauptamtlichen Leiter, ... wäre ein völliges Desaster gewesen“, betonte der Bürgermeister.

Außerdem habe die CSU-Fraktion den Personaleinstellungen im Marktrat zugestimmt. Eine Vergabe des Aureliums an Agenturen widerspreche dem Nutzungskonzept, das der Marktrat beschlossen habe. Das Rathaus müsse das Heft des Handelns in der Hand behalten, betonte Hauner. Er lege großen Wert darauf, dass die Künstler und Vereine aus der Gemeinde in das Kulturgeschehen miteinbezogen werden (lesen Sie hier, was Fachleute zum Potenzial des Aureliums als Kulturstätte sagen).

Zusätzliche Fragen der MZ wollte Hauner nicht beantworten. Eine davon bezog sich auf die umstrittenen Baukosten. Laut CSU und Alt-Bürgermeister Dollinger blieben sie mit gut sieben Millionen Euro genau im vorgegebenen Rahmen. Hauner sprach in seiner Stellungnahme dagegen von einer „Größenordnung von zehn Millionen Euro“. Alle Fakten auf den Tisch legen will er in der Marktratssitzung am Montag, 22. Mai. Dann soll es um die Bilanz und den künftigen Weg des Aureliums gehen.

Das Aurelium im Blick

Die Nutzungszahlen fielen von April 2016 bis April 2017 so aus: Insgesamt 193 Veranstaltungen, davon 68 Vereinsveranstaltungen. 31 wandten sich an die breite Bevölkerung (Tag der offenen Tür, Seniorenempfang etc.). 37 Veranstaltungen gehörten zum eigenen Kulturprogramm und 57 Mal wurde das Aurelium an Firmen oder Konzertveranstalter vermietet.

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Das Raumprogramm

  • Der große Saal:

    Mit Bestuhlung finden hier nahezu 600 Personen Platz. Ohne Stühle, also etwa bei Rockkonzerten, sind es sogar bis zu 1000 Besucher. Der Saal kann durch eine mobile Trennwand geteilt werden in einen größeren Bereich vor der Bühne für bis 400 Personen und einen kleineren Teil mit bis zu 200 Plätzen. Der Saal ist mit aufwendiger Licht- und Tontechnik sowie Beamern ausgestattet,

  • Weitere Räume:

    Darüber hinaus gibt es zwei weitere kleinere Säle, den Raum Regina für etwa 50 Personen mit einer Küchenzeile und den Raum Anger als Besprechungsraum. Bereits weitgehend ausgelastet sind die Lagerräume unter dem Dach, die der Markt Vereinen zur Verfügung stellt.

  • Das Foyer:

    Nach Westen hin komplett verglast ist das langgestreckte, lichtdurchflutete Foyer des Kultur- und Begegnungszentrums. Im Erdgeschoß sind hier die Kasse und der Thekenbereich untergebracht. Hier wären unter anderem Kunstausstellungen möglich. Auf der Galerie gibt es eine Garderobe, die Toiletten und das Büro von Klaus Wenk, dem Leiter des Aureliums.

  • Ausstattung:

    Im Erdgeschoß ist eine Cateringküche eingerichtet, von der aus der Veranstaltungssaal und die Theke bedient werden kann. Die elf mal sechs Meter große Bühne im Veranstaltungssaal kann stufenlos in der Höhe variiert werden. Hinter ihr sind zwei Künstlerumkleiden mit Duschen und Toiletten untergebracht.

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