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Mittwoch, 28. September 2016 22° 2

Planung

Der Stadtpark: Wildnis mit Lichtungen

Die FreiRaumArchitekten bringen die Natur in die Stadt. In 50 Jahren sollen sich die Neutraublinger in einem Wald erholen.
Von Michael Jaumann, MZ

Ein Stadtwald mit Lichtungen – so könnte sich der Neutraublinger Park nach Jahrzehnten präsentieren. Foto: dpa

Neutraubling.Gut 15 Jahre reichen die Planungen für einen Stadtpark im Südosten der Stadt zurück. Mitte des kommenden Jahres soll mit den Erdbauarbeiten der ersten Bauabschnitte begonnen werden. Und in 50 Jahren soll sich auf dem acht Hektar großen Gelände westlich von Birkenfeld zwischen Haidauer und Traunreuter Straße ein Mischwald erstrecken. Dessen Zentrum sollen als Herzstück Lichtungen beherbergen, die mit Staudenrabatten, Wiesen und Rasen die Freude an der Natur mit Aktivitäten wie Federballspielen oder einfach nur Faulenzen verbinden. Bis dahin wird das Gelände einem steten Wandel unterworfen sein und in den ersten Jahren einen wohl eher unbefriedigenden Anblick bieten, machte Landschaftsarchitekt Rupert Wirzmüller am Dienstag im Stadtrat deutlich. Dort ging es in einer erneuten Genehmigungsrunde um den Bebauungsplan „Stadtpark“ und in diesem Zusammenhang um Details zur Ausgestaltung des Projekts.

Das Stadtparkgelände im Südosten der Stadt. Grafik: MZ-Infografik

Wirzmüller, der mit seinem aus zwölf Architekten und Ingenieuren bestehenden Regensburger Büro FreiRaum im vergangenen Jahr den Gestaltungswettbewerb zum Stadtpark gewonnen hat und nun mit der Umsetzung der Parkpläne befasst ist, führte dem Stadtrat vor Augen, dass sich die Stadt mit ihrem Plan auf ein Generationenprojekt eingelassen hat.

„Pioniere“ für schnelles Wachstum

Die Bäume für den künftigen Wald, die in ein, zwei Jahren gepflanzt werden sollen, werden wohl nicht höher als zwei Meter sein. Damit das Ganze anfangs nicht traurig wirkt, sollen einerseits schnellwachsende Pionier-Baumarten wie Birken und Pappeln gepflanzt werden. Die langsamer wachsenden Eichen und Hainbuchen sollen bei der Pflanzung hingegen bereits einen Größenvorsprung haben, um von den „Pionieren“ nicht verschluckt zu werden. So wollen die Landschaftsarchitekten in den ersten Jahren im Waldbereich, der den Park zur Umgebung hin abschirmt, optische Monotonie vermeiden.

Allmählich wird in den Folgejahren dann der Baumbestand umgebaut. Ziel ist ein Mischwald, der an den inneren Waldrändern zu den Lichtungen hin viele optisch attraktiv blühende Bäume enthalten soll. Als Wildnis vor den Toren der Stadt mit gepflegteren Parkbereichen im Zentrum, umschreibt Wirzmüller seine Vision vom Neutraublinger Stadtpark. In dem etwa 50.000 Quadratmeter umfassenden Wald wird in den nächsten Jahrzehnten etliches an Forstarbeit zu leisten sein. Im Waldbau wird normalerweise ein Baum pro Quadratmeter gesetzt, macht Wirzmüller die Dimension der Anpflanzung deutlich. Vorteil ist, dass diese Natur der Stadt als ökologische Ausgleichsfläche angerechnet wird. Etwas mehr als vier der fünf Hektar Waldfläche sollen so dem Ökokonto gutgeschrieben werden.

Ein Auf und Ab im Stadtpark

Asphaltierte und kaum befestigte Wege sollen den künftigen Stadtpark durchziehen. Die asphaltierten Hauptwege greifen einerseits die Nord-Süd-Achsen auf. Die schrägen Asphaltwege nehmen hingegen Bezug zur Walhallastraße und zu den Rollbahnen des einstigen Flughafens, auf dessen Gelände sich die Stadt heute erstreckt.

Das Wegesystem mag in der Draufsicht als starres Gitter erscheinen. In der Wirklichkeit wird sich dies aber nicht so abbilden. Die Architekten haben eine vielfältige Modellierung des bisher brettebenen Geländes im Auge. Es wird Aussichtspunkte geben und Absenkungen. Aufkantungen im Innenbereich der Parks umgeben Staudenpflanzungen und dienen gleichzeitig als Sitzfläche. Ein bis zwei Meter soll es so an manchen Stellen hinabgehen und drei bis vier Meter an anderen Orten hinauf. Die benötigte Erde soll jeweils vom künftigen Parkgelände selbst kommen. Ziel ist, keinen Boden hinzukaufen zu müssen.

Bei der Geländemodellierung müssen die Planer den Grundwasserstand im Auge behalten. 331,35 Meter beträgt der im Jahr 1938 gemessene Grundwasserstand. Der mittlere Grundwasserhöchststand der vergangenen zehn Jahre beträgt hingegen 329,48 Meter über Meeresniveau. Mit den Anpflanzungen und den baulichen Einrichtungen wollen die Planer über der Hochwassermarke liegen. Nur die Rasenflächen, so schätzt es Architekt Wirzmüller, könnten hingegen alle 20 Jahre mal kurzzeitig geflutet werden. „Die Aussaaten vertragen das“, versichert Wirzmüller. Eine solche Flutung habe sogar eher positive Auswirkungen.

Eine Milchbar für Vereine

Auf fünf besondere Punkte lenkte Wirzmüller am Dienstag die Aufmerksamkeit der Mitglieder des Stadtrats. Vor allem, weil es dabei auch noch das eine oder andere festzulegen galt.

Der Haupteingang zum Stadtpark soll von der Haidauer Straße her erfolgen. Eine trichterförmige Öffnung und Querungshilfen zur Wohnbebauung nördlich der Haidauer Straße sollen den Park nach außen öffnen und für bequemen Zugang sorgen.

An der nordöstlichen Ecke sieht die Planung ein Gebäude vor, das den Gärtnern zum Stützpunkt wird und auch öffentliche Toiletten beherbergt. Der Wald soll später über dieses Gebäude hinüberwachsen.

Daneben ist ein knappes Dutzend Stellplätze vorgesehen. Weitere Stellplätze könnten im Südwesten angelegt werden, worüber der Stadtrat in dieser Sitzung noch zu befinden hatte. Als Alternativen standen dafür zehn bis zwölf Stellplätze im Park oder 14 Stück entlang der Traunreuter Straße zur Entscheidung.

Am südlichen Ende der Lichtungskette ist eine etwa 80 bis 100 Quadratmeter große Bühne für Veranstaltungen eingeplant. Ob festes Dach oder Pergola dies wird erst bei der Ausführungsplanung zur Debatte stehen.

In der Mitte des Lichtungsbereichs sieht der Entwurfsplan eine kleines Gebäude für eine Milchbar vor, mit einer Erweiterungsoption, etwa für einen Waldkindergarten. Eine Art bewirtschafteter Kiosk wie der Regensburger Milchschwammerl mit Blickachsen in alle Richtungen hätte auch eine Art Aufsichtsfunktion über das Gelände, nannte Wirzmüller als weiteren Vorzug dieser Einrichtung.

Diesen Kiosk mit Bewirtschaftung stellte Bürgermeister Heinz Kiechle in der Sitzung dem Gremium zur Disposition. Einerseits sei eine Bewirtschaftungsmöglichkeit sinnvoll, so der Bürgermeister. Andererseits sprach er sich gegen eine dauernde Bewirtschaftung aus. Zumal es fraglich sei, an dieser Stätte einen Pächter zu finden, der damit sein Auskommen finden könne. Die Stadträte sahen dies genauso. Dieses Gebäude soll einer temporärer Nutzung vorbehalten bleiben. Vereine könnten dort mal bei bestimmten Anlässen Kaffee und Kuchen verkaufen oder ein Fest feiern, schwebte dem Stadtrat als möglicher Zweck vor.

Option für Parkplätze

Was die Parkplätze betrifft, sprach sich der Bürgermeister gegen eine Stellplatzreihe entlang der Traunreuter Straße aus. Diese würden angesichts der nahen Gewerbe- und Industriegebiete rasch als Dauerparkflächen zweckentfremdet, fürchtete er. Lieber wären ihm Stellflächen, die optisch schon dem Parkgelände zugerechnet würden. Diese Parkplätze sollten im Bebauungsplan zunächst vorsichtshalber eingetragen werden. Ob sie tatsächlich verwirklicht werden, wollte der Bürgermeister offenhalten. Schließlich sollen die Leute am liebsten zu Fuß zum Park spazieren. Nachdem er dies vorab schon mit den Fraktionen vorbesprochen hatte, war die Entscheidung in dieser Richtung ebenfalls schnell gefallen. Der mit diesen Ergänzungen versehene Bebauungsplan, in den auch die Anregungen der ersten öffentlichen Auslegung aufgenommen sind, wird nun erneut öffentlich ausgelegt.

Nach den Vorstellungen des Planers soll mit den Erdbauarbeiten im Abschnitt 1 an der Nordseite des Parks im August des kommenden Jahres begonnen werden. Im Süden, der Bauabschnitt II, sehen die Planer bis zum September archäologische Grabungen vor, danach sollen die Erdarbeiten beginnen. Die Mitte des Geländes, ein knappes Viertel, ist noch nicht im Besitz der Stadt. Die Verhandlungen laufen noch. „Der Park soll aber auch ohne den Kauf des Abschnitts funktionieren können“, versicherte Architekt Wirzmüller.

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