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Dienstag, 16. Januar 2018 6

Polizei

Dramatischer Unfall schockt Jäger

In der Nacht zum Samstag wurde bei Nittendorf ein Mann angeschossen. Der Schütze verwechselte den anderen Jäger mit einem Wildtier.
Von Ernst Waller, MZ

  • Zum Jagdunfall konnte es wohl kommen, weil zahlreiche Sicherheitsregeln verletzt worden waren. Symbolbild: dpa
  • Der schwer verletzte Jäger wurde ins Uniklinikum gebracht. Er ist mittlerweile außer Lebensgefahr.. Foto: Kamera 24

Nittendorf.Der 57-jährige Jäger, der am Freitagabend bei einem Jagdunfall in der Nähe von Eichhofen schwer verletzt worden war, schwebt nicht mehr in Lebensgefahr. Das teilte die Polizei mit. Wie es zu dem Unfall kommen konnte, ist noch unklar. Nach MZ-Informationen wurden allerdings elementare Sicherheitsregeln verletzt. „Ein Jäger muss zu 100 Prozent wissen, auf was er schießt“, machte der Vorsitzende des Bezirksjagdverbandes Regensburg, Hubertus Mühlig, im MZ-Gespräch unmissverständlich deutlich.

Am Freitag gegen 20.30 Uhr war es in einem Wald im Gemeindebereich Nittendorf im Jagdgebiet Eichhofen zu dem Jagdunfall gekommen. Zwei Jäger, die voneinander nichts wussten, hielten sich gleichzeitig im gleichen Jagdrevier auf. Ein 57-jähriger Jäger und Forstdirektor aus dem Landkreis Kelheim hatte sich zu diesem Zeitpunkt in einem Feld zu Fuß bewegt. Hierbei wurde er in der Dunkelheit von einem Kollegen, einem 42-jährigen Jäger aus dem Landkreis Regensburg, offensichtlich mit einem Wild verwechselt, so die Polizei. Durch einen Schuss aus der Jagdwaffe des 42-Jährigen wurde der 57-Jährige im Beckenbereich getroffen und schwer verletzt. Die Feuerwehr musste den Unfallort für den Rettungshubschrauber ausleuchten, der das Opfer ins Uniklinikum nach Regensburg brachte. Der Geschädigte befindet sich nach derzeitigem Sachstand nicht mehr in Lebensgefahr. Der Schütze wurde nach Rücksprache mit der Staatsanwaltschaft Regensburg mittlerweile wieder auf freiem Fuß gesetzt. Die Ermittlungen werden von der Kriminalpolizei Regensburg geführt.

Mit Fassungslosigkeit reagierte der Vorsitzende des Bezirksjagdverbandes Regensburg, Hubertus Mühlig, auf den Unfall. Er kenne keine Details zu dem Vorfall, sagte der Jäger im Gespräch mit der MZ. Mühlig machte aber unmissverständlich deutlich, dass es grundlegende Sicherheitsregeln bei der Jagd gebe, die unter allen Umständen beachtet werden müssten; auf diese Sicherheitsregeln sei die ganze Jagdausbildung hin ausgerichtet. „Ein Jäger muss zu 100 Prozent wissen, auf was er schießt. Erst wenn er das weiß, darf er auch schießen“, machte Mühlig deutlich. Kein Waidmann dürfe beispielsweise einfach nur auf einen schwarzen Fleck oder ähnliches zielen. Jäger dürften keinerlei Risiko eingehen. „Sicherheit steht an erster Stelle und so werden bei uns die Leute auch ausgebildet“, versichert Mühlig. Wie es zu dem Vorfall gekommen sei, sei ihm ein Rätsel.

Der Bestand an Schwarzwild in der Region sei enorm groß, entsprechend groß seien auch die Schäden durch Wildschweine und ebenso groß sei derzeit auch der Druck auf die Jäger, Wildschweine zur Strecke zu bringen. Deshalb seien gerade in der Zeit um den Vollmond viele Waidmänner auf dem Ansitz.

Nicht zwingend notwendig ist es nach Angaben von Mühlig übrigens, dass sich Jäger absprechen, wenn sie in einem Revier unterwegs seien. „Sinnvoll ist es aber schon“, sagte er. Nach MZ-Informationen gibt es allerdings viele Jäger, die sich vorher informieren, wenn sie in demselben Gebiet zur selben Zeit auf die Jagd gehen.

Der Vorsitzende des Jagdverbandes betonte, dass es seit dem Jahr 2000 – seit diesem Zeitpunkt ist Mühlig im Amt - keinen einzigen schweren Jagdunfall in seinem Zuständigkeitsbereich gegeben habe. Umso mehr erschüttert ihn das Unglück bei Eichhofen. Der Vorfall war am Sonntagvormittag das Gesprächsthema Nummer eins an den Wirtshaustischen beim Frühschoppen und auf den Kirchplätzen in der Gemeinde Nittendorf.

Gegen Ende der 80er Jahre hatte es im westlichen Landkreis einen schweren Jagdunfall im Bereich Hemau gegeben. Seinerzeit hatte ein Jäger einen Soldaten der Bundeswehr erschossen, weil er ihn irrtümlich für ein Wildtier gehalten hatte.

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