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Selbstvertrauen

Frauen zur Feuerwehr: Modell mit Zukunft

Neun Damen haben bei der FFW Undorf ihr Leistungsabzeichen Technische Hilfeleistung abgelegt – mit der Note „Sehr gut“.
Von Heiner Stöcker, MZ

Undorf.Die neun Feuerwehr-Mitglieder, die kürzlich in Undorf unter den kritischen Augen von Kreisbrandinspektor Bernhard Ziegaus ihre Leistungsprüfung „Die Gruppe im Hilfeleistungseinsatz“ abgelegt haben, sind vielleicht die Zukunft für die Feuerwehr in Bayern: Sie sind Frauen. Und immer weniger Männer stellen sich der Herausforderung. Der Landesfeuerwehrverband fürchtet um die Einsatzbereitschaft seiner Wehren – besonders tagsüber.

Wochenlang haben sich die Damen unter der Leitung von Michael Rasp – früher stellvertretender Kommandant in Undorf, heute einer von drei Kreisbrandmeistern im westlichen Landkreis Regensburg – auf die Prüfung vorbereitet. Und das heißt im Klartext: gelernt, geschwitzt, geleistet und gelacht.

Ein „Küken“ hat Blut geleckt

Verena Feuerer (links) und Marina Meier

Marina Meier ist kurz nach der Prüfung immer noch im Endorphin-Rausch. „Das war das, was mich am meisten beeindruckt hat: Der Zusammenhalt, das Teamwork, dass man sich blind auf die andere verlassen kann. Dass jeder Handgriff sitzt und sich die Prüflinge ergänzen.“ Sie ist quasi ein „Küken“ in der Truppe. Denn die Erzieherin ist erst seit Beginn des Lehrgangs aktives Mitglied der Wehr. „Freilich war ich schon mal Festdame und meine Mama war 1983 auch bei der allerersten Damengruppe der Feuerwehr Undorf dabei.“

Die Wehr ist im Dorf tief verankert. Kaum einer, der hier lebt, der nicht irgendwo eine Verbindung zur Truppe um Kommandant Udo Rappl hat. „Aber so richtig aktiv, hab’ ich mich bisher einfach nicht getraut.“

Daniela Stadlbauer (rechts)

„Das sehen wir so oft, dass sich die Damen einfach nichts zutrauen“, sagt Daniela Stadlbauer. Sie ist die Frauenbeauftragte des Kreisfeuerwehrverbandes Regensburg und zweite Prüferin der Gruppe in Undorf. „Viele Frauen glauben, dass sie die körperliche Arbeit bei der Feuerwehr nicht schaffen würden.“ Für Stadlbauer Quatsch. „Gerade in der heutigen Zeit gibt es eine Menge Aufgaben, die Frauen übernehmen können, die keine oder kaum physische Kraft benötigen.“ Die Betreuung von Betroffenen, deren Angehörigen, Kindern und Tieren zum Beispiel – einfach weil sich Frauen mitunter besser in die Personen einfühlen können.

Aber längst nicht nur. Längst übernehmen Frauen im Landkreis Führungsaufgaben als stellvertretende Kommandanten oder haben ihre Gruppenführer-Ausbildung in der Tasche.

„Wir sind im Landkreis Regensburg bayernweit ohnehin führend, was den Frauenanteil angeht“, sagt Kreisbrandrat Wolfgang Scheuerer im Gespräch mit unserer Zeitung. Darauf ist der oberste Feuerwehrler im Landkreis stolz. Beim Nachwuchs sind rund 34 Prozent der Mitglieder der Jugendfeuerwehr Mädchen. Und bei den aktiven Mitgliedern im Landkreis sind es immerhin noch um die 16 Prozent Frauenanteil. Im Vergleich: Bayernweit liegt der Schnitt bei acht Prozent. Deshalb hat der LFV in diesem Jahr Geld in die Hand genommen und die Kampagne „Frauen zur Feuerwehr“ angestoßen.

Laut Landesfeuerwehrverband gab es im Freistaat Bayern am 1. Januar 329 371 aktive Feuerwehr-Mitglieder. Davon waren 26 407 Frauen – beziehungsweise stehen einer Feuerwehrfrau rund 12,5 Feuerwehrmänner gegenüber. Im Landkreis Regensburg liegt die Quote etwa bei 1:7.

Im Gespräch mit KBI Ziegaus

Angst um die Einsatzbereitschaft

Das ist ein Ergebnis, dass sich der Landesfeuerwehrverband für den gesamten Freistaat wünschen würde, denn er fürchtet um die Einsatzbereitschaft seiner Wehren: Eine Modellrechnung aus dem Jahr 2011 für die kommenden 20 Jahre hat ergeben, dass sich die Zahl der Mitglieder in den bayerischen Freiwilligen Feuerwehren bis 2031 um 55 000 Personen verringern wird. Das wären dann 14,8 Prozent weniger Mitglieder als 2011. „Unter der Annahme, dass die Anzahl der Feuerwehren gleich bleibt, wird die durchschnittliche Mitgliederzahl einer Freiwilligen Feuerwehr von 48 auf 41 Personen sinken“, teilt der Landesfeuerwehrverband mit.

Die Teilnehmerinnen mit Ehrengästen und Prüfern

„Die Akzeptanz der Frauen in der Wehr steigt“, sagt Kreisbrandrat Scheuerer. Und mit jeder neuen Generation von Feuerwehrleuten wird die Mischung für die Retter selbstverständlicher. Das muss auch so sein, wenn auch künftig die Feuerwehrfahrzeuge beim Einsatz voll besetzt ausrücken sollen.

„Uns neun Mädels hat die THL-Prüfung auf alle Fälle Spaß gemacht“, sagt Verena Feuerer. Sie ist schon seit den späten 1990er Jahren Feuerwehrmitglied, war in Undorf Atemschutzgeräteträger und Jugendwartin. Dann kamen Babypause und Umzug nach Hohenschambach. „Aber irgendwie – jucken würde es mich schon wieder“, lacht sie. Wenn bloß die lange Anfahrt bei einem Alarm nicht wäre.

In Undorf ist Unterbesetzung derzeit kein Thema. Bei einem Alarm am vergangenen Freitag haben sich 22 Feuerwehrler am Gerätehaus eingefunden – bei 15 Plätzen in den Fahrzeugen.

Hintergrund

  • Prüfung:

    THL Leistungsabzeichen in Bronze (Stufe I)

  • Prüfer:

    Kreisbrandinspektor Bernhard Ziegaus, Kreisfrauenbeauftragte Daniela Stadlbauer und Kreisbrandmeister Michael Rasp

  • Prüfungsteilnehmer:

    Ramona Frank, Magdalena Chrobot, Verena Feuerer, Marina Meier, Daniela Zeiler, Nicole Giesl, Melanie Seidl, Ramona Pilz und von der Feuerwehr Haugenried Elisabeth Rappl.

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