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Freitag, 24. November 2017 10° 4

Verkehr

A 93: Rettungsgasse funktionierte nicht

Über sieben Stunden war die A 93 bei Pentling nach einem Lkw-Unfall gesperrt. Die Feuerwehr kam nur langsam voran.
Von Thomas Kreissl, MZ

  • Rettungseinsatz auf der A 93: Zwei Lkw kollidierten. Foto: Eder
  • Der Tieflader fuhr ungebremst auf den Lastwagen auf. Foto: Eder

Pentling.Glücklicherweise kam es nicht auf jede Minute an. Der Lkw-Unfall am Freitagmorgen auf der Autobahn A 93 zog zwar aufwendige Bergungsarbeiten und lange Staus nach sich – um Leben und Tod ging es für die Rettungskräfte aber nicht. Das ist auch gut so: Denn zumindest ein Teil der Einsatzkräfte aus Bad Abbach kam bei der Anfahrt zur Unfallstelle nur langsam voran. Wieder einmal hatten sie damit zu kämpfen, dass einige Autofahrer nicht rechtzeitig eine Rettungsgasse gebildet hatten.

Im morgendlichen Berufsverkehr war es nach Auskunft der Verkehrspolizei gegen 7 Uhr zwischen Pentling und Bad Abbach zu einem kurzzeitigen Stau gekommen. Der Fahrer eines Tiefladers hatte das zu spät bemerkt und prallte mit seinem Fahrzeug ungebremst auf einen stehenden Lkw mit Anhänger. Der Unfallverursacher schleuderte anschließend in die Grünfläche neben der Fahrbahn.

Fahrer musste ins Krankenhaus

Der Fahrer des Tiefladers musste mit einem Beinbruch und Schnittverletzungen ins Krankenhaus gebracht werden. Da die Beamten Anzeichen von Medikamenteneinfluss bei dem Fahrer bemerkten, ordnete ein Richter eine Blutentnahme an. Der andere Lkw-Fahrer blieb unverletzt. Den Schaden beziffert die Polizei auf rund 140 000 Euro.

Die Ladung des Anhängers hatte sich über die Autobahn verteilt. Heizkörper und anderes Stückgut lagen auf der Fahrbahn und mussten von den Helfern der Feuerwehren aus Pentling und Bad Abbach beseitigt werden. Zudem waren die Lastwagen nicht mehr fahrbereit und mussten mit Kränen geborgen werden. Die Autobahn war in Fahrtrichtung München zunächst fünf Stunden lang voll gesperrt und dann weitere gut zwei Stunden teilweise. Dadurch kam es zu erheblichen Rückstauungen. Der Verkehr wurde zeitweise über Pentling und die Kreisstraße R4 umgeleitet.

Die Ladung des Lkw verteilte sich auf dem Seitenstreifen und der Fahrbahn. Foto: Eder

Das nützte freilich den Helfern aus Bad Abbach nichts. Die mussten mit ihrem schweren Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug (HLF) mitten hinein in den Stau, um an die Unfallstelle heranzukommen. Dieses Einsatzfahrzeug wird angefordert, wenn Lastwagen an einem Unfall beteiligt sind. Denn an Bord des Feuerwehrfahrzeugs befindet sich eine eigens dafür konzipierte Zusatzausrüstung, unter anderem eine schwere Seilwinde sowie Rettungsschere und -spreitzer, die speziell für den Einsatz bei Lkw-Unfällen geeignet sind.

Allerdings kam Gruppenführer Maximilian Neubauer mit seinen neun Feuerwehrmännern, die in dem Fahrzeug Platz finden, nur langsam voran. Denn die Rettungsgasse hatte sich hinter den ersten Einsatzfahrzeugen, die zur Unfallstelle geeilt waren, zumindest zum Teil wieder geschlossen. Neubauers Fahrer musste abbremsen, das HLF kam fast zum Stillstand. „Beinahe wäre ich ausgestiegen“, erzählt der Gruppenführer im Gespräch mit unserer Zeitung. Das tat er dann nicht, griff aber zu seinem Smartphone und filmte die Situation. Auf ihrer Facebook-Seite veröffentlichte die Feuerwehr Bad Abbach nach dem Einsatz das Video, das zeigt, wie die Retter nur schwer vorwärts kamen. In dem Post appelliert die Feuerwehr an alle Autofahrer, schon beim Eintreffen an einem Stauende eine Rettungsgasse zu bilden.

Das ist Neubauer ein großes Anliegen. Denn nur wenn die Autofahrer in einem Rückstau links und rechts so weit wie möglich an den Fahrbahnrand fahren, ist die Rettungsgasse für ein großes Einsatzfahrzeug gut und vor allem einigermaßen schnell zu befahren. Ist sie zu schmal oder sogar blockiert steigt der Stresspegel für die Einsatzkräfte. „Das verlangt dem Fahrer einiges ab“, weiß der 26-jährige Löschmeister aus eigener Erfahrung.

Vor allem, wenn es darum gehe, einer eingeklemmten Person helfen zu müssen, könne möglicherweise jede Minute zählen, weiß Neubauer. Da können die gut zwei Minuten, die das Bad Abbacher Einsatzfahrzeug am Freitag aufgehalten wurde, schon zuviel sein. „Es kann über Leben oder Tod entscheiden, ob wir schnell genug am Unfallort sind“, betont Neubauer, der bereits seit nahezu 15 Jahren der Feuerwehr angehört und auch beruflich als Angestellter des Kelheimer Landratsamtes mit dem Rettungswesen zu tun hat.

„Eine vorbildliche Gasse“

Kurz vor den Helfern aus Bad Abbach ist die Pentlinger Feuerwehr mit ihren drei Fahrzeugen noch gut durchgekommen. „Wir hatten eine vorbildliche Rettungsgasse“, berichtet Kommandant Hans Hopfensperger, der im ersten Einsatzfahrzeug saß, das die Unfallstelle erreichte. Seinen Beobachtungen zufolge sind die meisten Autofahrer in letzter Zeit aufmerksamer geworden und versuchen schnell eine Gasse für die Rettungsfahrzeuge zu bilden. „Unsere Autos kommen normalerweise nicht mehr zum Stillstand“, sagt Hopfensperger.

Die Situation verschärfe sich aber, je mehr der Stau anwachse. Ein Phänomen, das am Freitag möglicherweise die Bad Abbacher Helfer getroffen hat, die erst nach den Pentlingern angefordert wurden. Trotzdem zeigt der Pentlinger Kommandant aber auch Verständnis für die Auto- und Lkw-Fahrer, die im Stau stehen. „Die können sich ja nicht in Luft auflösen“, erklärt er mit Blick auf die beengten Verhältnisse an manchen Autobahnen. Ein echtes Problem ist hier seinen Worten zufolge das Autobahnkreuz Regensburg. Und gerade hier vermisst der Kommandant die ansonsten vielerorts an Autobahnen präsenten Aufforderungen an die Autofahrer, stets auf die Bildung von Rettungsgassen vorbereitet zu sein.

Die aktuelle Verkehrssituation finden Sie auf Mittelbayerische Maps:

Wie die Rettungsgasse geht

  • Nach links und rechts rücken

    In Deutschland gilt seit 1982: Auf Straßen mit zwei Richtungsfahrstreifen eröffnen Verkehrsteilnehmer die Gasse, indem sie rechts und links an den Rand fahren und die Mitte der Fahrbahn frei lassen. Auf dreispurigen Straßen fahren die Autos der linken Spur an den linken Rand, während die Fahrer der mittleren und rechten Spur nach rechts ausweichen.

  • 20 Euro Verwarnung drohen

    Bereits bei stockendem Verkehr muss die Rettungsgasse gebildet und offen gehalten werden. Denn wenn die Fahrzeuge schon dicht auf dicht stehen, ist es oft nicht mehrmöglich, Rettungsfahrzeugen Platz zu machen. Wer keine Rettungsgasse bildet, begeht eine Ordnungswidrigkeit und muss mit 20 Euro Verwarnung rechnen.

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