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Freitag, 18. August 2017 30° 3

Prozess

Sprengung: Verdächtigter schweigt

In Pentling sprengt eine Bande einen Geldautomaten. Ein Verdächtiger wird gefasst, zu Prozessbeginn bespuckt er Fotografen.
Von Marion von Boeselager, MZ

Die Bank, in der die Täter die Automten sprengten, befindet sich in einem Supermarkt. Fotos: Archiv/Eder

Regensburg.Sachschaden von einer halben Million Euro richtete eine Bande von Geldautomaten-Knackern in der Nacht zum 1. Juli des vergangenen Jahres Jahres bei einem Coup in einen Supermarkt in Pentling an. 196 000 Euro Bargeld fielen den Männern damals die Hände. Von dem Geld fehlt bislang jede Spur. Denn nur einer der mutmaßlichen Täter wurde noch am Tattag, nach einer spektakulären Verfolgungsjagd in Eschlkam (im Landkreis Cham), von der Polizei geschnappt. Seit Montag steht der 44-jährige Mechaniker aus Polen, der seit neun Monaten in U-Haft sitzt, nun vor dem Landgericht in Regensburg. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm schweren Bandendiebstahl, Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion, Sachbeschädigung, vorsätzlichen gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und Körperverletzung vor.

Angeklagter bespuckte Presse

Als der Angeklagte in blauer Anstaltskleidung von Polizeibeamten in den Sitzungssaal geführt wurde, bespuckte er die Pressefotografen. Vor Gericht schwieg er zunächst zu den Vorwürfen. Sein Wahlverteidiger Robert A. Funk schlug aber ein Verständigungsgespräch zu einem späteren Zeitpunkt vor. Davor wolle die Verteidigung noch ein eben erst eingegangenes DNA-Gutachten studieren. Bei der Polizei hatte der 44-Jährige eine Tatbeteiligung bestritten.

Unseren ausführlichen Vorbericht „Prozess: Sie sprengten Automaten“ lesen Sie hier.

Laut Anklage handelte es sich bei den Automaten-Knackern wohl um Profis. Auf das Konto der Männer soll noch ein weiterer Anschlag im sächsischen Zeitz gehen, der in dem Prozess mitverhandelt wird. Damals hatten die Täter Sachschaden in Höhe von 101 984,74 Euro angerichtet und 56 845 Euro Bargeld erbeutet. Die Bande, die auf der Autobahn bei Chemnitz von der Polizei verfolgt wurde, konnte im März 2016 flüchten, da sie „Reifentöter“ händeweise aus dem Beifahrerfenster warf. 13 Autos, darunter zwei Polizeifahrzeuge, wurden beschädigt.

In Zeitz und Pentling gingen die Täter nach dem gleichen Muster vor: Sie besprühten erst die Überwachungskameras der Banken mit schwarzer Farbe. Dann leiteten sie ein Sauerstoff-Gasgemisch in die Geldautomaten und entzündeten die explosive Mischung.

So sah es am Tatort aus:

Pentling: Die Bilder vom Tatort

Der Sachbearbeiter der Kripo Regensburg berichtete im Zeugenstand, die Einsatzzentrale sei um 1.54 Uhr nachts vom Sicherheitsdienst des Marktes und dem Inhaber des darin angesiedelten Schmuckgeschäfts von der Explosion verständigt worden. Er, seine Kollegen und das Sprengkommando des LKA waren noch am Tatort, als bei ihnen die Meldung einging, in Eschlkamm sei ein Opel mit „total gefälschten Kennzeichen“ von der Polizei kontrolliert wurde. Daraufhin sei der mit drei Männern besetzte Wagen geflüchtet. Dessen Fahrer versuchte, das Polizeiauto von der Fahrbahn zu drängen. Beide Autos landeten im Graben. Die Männer flüchteten zu Fuß, die Polizei hinterher.

Der Angeklagte konnte von einem der Beamten überwältigt werden konnte, wobei er sich vehement zur Wehr setzte. Die anderen Opel-Insassen entkamen – mit einem Stoffbeutel. Darin war wohl die Beute aus Pentling, glauben die Ermittler. Gegen die drei Männer werde auch in Lüneburg wegen der Sprengung von Geldautomaten ermittelt, wusste der Zeuge.

SMS: „Nehmt Zünder mit!“

Mit Einkaufswägen blockierten die Täter die Straße.

Die beim Verbrauchermarkt installierten Videokameras zeichneten die Explosion auf, berichtete der Sachbearbeiter weiter. Eine andere Aufnahme zeigt ein Auto, das über die Böschung auf die Bundesstraße fährt. Das Modell sei aber nicht zu erkennen gewesen. Auf einer anderen Einstellung sieht man, wie eine Person mit abgedecktem Gesicht das Foyer der Bank betritt und die Überwachungskameras mit Farbe besprüht.

Bereits eine eine Woche vor der Sprengung, so der Zeuge, hätten die Kameras mehrere Personen in dem Raum gefilmt, die ihre Gesichter „mit Schirmen abgedeckt“ hätten. „Sie nahmen offenbar die Automaten in Augenschein und manipulierten etwas daran.“ Die Täter müssen auch über die Befüllung Bescheid gewusst haben. „Am Tag vor der Sprengung waren die Automaten aufgefüllt worden.“

Am Tatort fanden sich keine DNA oder andere Spuren des Angeklagten. Im Fluchtwagen stellten die Ermittler aber zwei Navis sicher, auf denen die Adresse des Pentlinger Verbrauchermarktes eingegeben war. Außerdem befand sich auf einem Handy in dem Wagen die Textnachricht: „Nehmt Schläuche, Röhrchen und Zünder mit“.

Der Prozess ist auf sieben Verhandlungstage angesetzt.

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Polizeisprecher Albert Brück äußert sich zur Tat:

Polizeisprecher Albert Brück zum Bankeinbruch in P

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