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Mittwoch, 17. Januar 2018 9

Gesundheit

Keime im Wasser sorgen für Unruhe

Beim Austausch von Hydranten dürften Bakterien ins kostbare Nass gelangt sein. Die Bewohner mussten alles abkochen.
von Walter Schiessl, MZ

In Pfatter musste das Trinkwasser bis zum Freitag abgekocht werden. Ab diesem Samstag ist das nicht mehr nötig, das kostbare Nass wird sechs Wochen lang aber noch chloriert. Fotos: Schießl/lum

Pfatter.Die Bewohner des östlichen Pfatterer Ortsteils trauten ihren Augen nicht, als sie am Montag ihre Briefkästen öffneten. In Wurfzetteln teilte der Zweckverband zur Wasserversorgung Regensburg-Süd den Haushalten mit, dass im Leitungsnetz von elf Straßen gefährliche Keime entdeckt worden seien. Das Trinkwasser, so hieß es in dem von Werksleiter Georg Senft unterzeichneten Schreiben, müsse mindestens bis Freitag vor einer Verwendung abgekocht werden. Seit Freitag werde das kostbare Nass in dem betroffenen Terrain sechs Wochen lang stark gechlort, was zur Folge habe, dass die Pfatterer Bürger das Wasser ab Samstag nicht mehr abkochen müssen.

„Das traf uns wie ein Blitz aus heiterem Himmel“, erzählen Bewohner aus der Schillerstraße. Man sei auf die Lage natürlich nicht vorbereitet gewesen und musste plötzlich das Trinkwasser zur Essenzubereitung, zum Trinken oder zur Körperpflege abkochen. Manche wichen so gut es ging auf gekauftes Mineralwasser aus den Supermärkten aus. Besondere Anforderungen stellte das Duschen an die Pfatterer, von denen ein Teil sich dennoch unter die heimischen Brausen stellte.

„Schön ist so etwas nicht!“

Werksleiter Georg Senft

Dr. Matthias Pregler, der Leiter des Gesundheitsamts, sagte am Freitag, dass die Untersuchungen des Wasserzweckverbands zur genauen Ermittlung der Verschmutzung auf Hochtouren laufen. „Verunreinigungen dieser Art kommen sehr häufig vor, wenn an Wasseranlagen gearbeitet wird“, sagte er. Offenbar, so hätten erste Eruierungen ergeben, seien im Raum Pfatter Hydranten ausgetauscht worden, wodurch eben die Keime in das Trinkwasser eingespült worden seien. Mit den Worten „der Wasserversorger hat aber vorbildlich gehandelt“, stellte Dr. Matthias Pregler dem Zweckverband ein gutes Zeugnis aus. Festgestellt worden sei der Keim bei Routinemessungen, zu denen die Wasserversorger vom Gesetz her verpflichtet seien. Die Experten des Gesundheitsamts entdecken diese Keime sehr häufig in Anlagen, an denen zuvor gearbeitet wurde. „Da werden die Leitungen an einer Stelle aufgemacht, woraufhin die Keime dann ins Wasser gelangen“, sagt Dr. Matthias Pregler.

Der Zweckverband hat besagte Verkeimung des Leitungsnetzes in einem Teilgebiet des Ortes Pfatter selbst festgestellt. In drei Wasserproben wurde eine Belastung mit Pseudomonas aeruginosa nachgewiesen. Daraufhin sei das Staatliche Gesundheitsamt eingeschaltet worden, das angeordnet hatte, das Wasser im Ostteil von Pfatter bis einschließlich Freitag nur in abgekochtem Zustand zu verwenden. Hierunter falle auch das Wasser für die Körperpflege und -reinigung, die Reinigung von Gegenständen, die bestimmungsgemäß mit Lebensmitteln in Berührung kommen, die Reinigung von Gegenständen, die nicht nur vorübergehend mit dem menschlichen Körper in Kontakt kommen.

Das Abkochgebot galt für den Bereich Schillerstraße, Johannes-Gutenberg-Straße, Peter-Henlein-Straße, Rudolf-Diesel-Straße, Irlinger Weg, Rosenweg, Tulpenweg, Nelkenweg, Schmellerstraße, Birkenweg, Zur Steinwand, Straubinger Str. 17 – 31, Zehentstr. 13 – 23 b und Nikolastraße 19 - 38. Für den Wasserzweckverband, der 16 Gemeinden vor allem im Süd- und Ostlandkreis mit Wasser versorgt, sagte Werksleiter Georg Senft, man gehe davon aus, dass bei Arbeiten in Pfatter die Keime ins Wasser gelangt seien. Der Zweckverband sei auf Nummer sicher gegangen, nachdem mehrere Wasserproben eben jenen Keim aufgezeigt hätten. Mit einer mobilen Kläranlage werde ab Samstag wieder sauberes Wasser geliefert.

Ein schlimmer Keim

In Pfatter stieß man auf einen Keim namens Pseudomonas aeruginosa, der als einer der häufigsten Erreger von chronischen Wundinfektionen gilt, die bei älteren Personen wie auch Personen mit Diabetes eine epidemiologische Bedeutung haben. Aufgrund der großen Anpassungsfähigkeit und Antibiotikaresistenz des Erregers seinen von ihm ausgelöste Infektionen und chronische Wundinfektionen nur schwer behandelbar und könnten, so das Gesundheitsamt, unter Umständen sogar zum Tod führen. Die Heilungschancen seien von verschiedenen Faktoren, wie dem betroffenen Organsystem, der Virulenz und Resistenz des Stammes, dem Ausmaß der Infektion und dem individuellen Gesundheitszustand des Erkrankten, abhängig. In Pfatter hofft man, dass mit der Chlorierung nun die leidige Angelegenheit ausgestanden ist. „Schön ist so etwas nicht“, sagte Georg Senft, aber man wolle alles tun, um das Wasser wieder sauber zu bekommen.

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