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Dienstag, 25. Juli 2017 20° 6

Energie

Wird Donaubrücke zur Erdkabeltrasse?

Die Hochleistungsstromleitung Südostlink könnte den geplanten Neubau bei Pfatter nutzen. Es gab bereits Gespräche.
Von Christof Seidl, MZ

Normalerweise unterqueren Erdkabelleitungen Flüsse. Ob das auch für Südostlink gelten wird, ist nicht sicher, seitdem die Idee aufgetaucht ist, die Trasse über die Donaubrücke bei Pfatter zu legen. Foto: dpa

Wörth.Dass die geplante Hochleistungsstromleitung Südostlink durch den Landkreis Regensburg führen wird, gilt als sicher. Wo die Gleichstrom-Erdkabelleitung verlaufen wird, ist dagegen noch völlig offen. Denn bisher gibt es für das Megaprojekt erst verschiedene Varianten. Allein im Landkreis Regensburg gibt es innerhalb des „strukturierten Untersuchungsraums“ drei mögliche Trassenverläufe, jeder davon verfügt wiederum über Varianten und Querverbindungen. In der Summe entsteht so eine Vielzahl an vorstellbaren Trassen.

Einer der großen Knackpunkte für diese Starkstromleitung ist die Querung der Donau. In dem Trassenentwurf, den die Tennet TSO GmbH als Planer und späterer Betreiber von Südostlink in Bayern im Herbst vorgelegt hat, gibt es vier Bereiche, die infrage kommen: bei Sinzing, Barbing und Bach sowie östlich von Wörth. In allen vier Fällen würde Tennet die Donau wohl unterqueren.

Neubau der Brücke ist sicher

Es gibt aber noch eine Idee für einen weiteren Querungsstandort, der in den im Herbst vorgestellten Trassenvorschlägen noch keine Beachtung fand: eine überirdische Donauquerung bei Pfatter. Möglich würde sie durch den bereits beschlossenen Neubau der bestehenden Donaubrücke der Staatsstraße 2146. Dieses Projekt ist in der Realisierungsphase, die Voruntersuchungen laufen bereits. Ab 2019 soll die neue Brücke errichtet werden.

Dieser Vorschlag stamme von einem Bürger aus Pfatter, erklärte Tennet-Gesamtprojektleiter Andreas Herath im Gespräch mit unserem Medienhaus. Technisch sei es durchaus möglich, den Brückenneubau so zu gestalten, dass er das Starkstromkabel aufnehmen kann. Zum jetzigen Zeitpunkt sei aber noch nicht klar, ob die Brückenvariante finanziell, technisch und logistisch Vorteile hätte. Probleme sieht Herath beispielsweise im Bereich der Wartung oder bei Reparaturen. In beiden Fällen müsste der Verkehr über die Brücke vermutlich eingeschränkt werden.

Ähnliches gilt aber auch für eine Unterquerung der Donau. Bisher gibt es laut Herath noch keine genauen Erkenntnisse, mit welchen Schwierigkeiten und Kosten an den jeweiligen Standorten zu rechnen wäre. Bei den beiden Querungsvarianten bei Barbing und Bach müsste das Erdkabel unter der als Kanal ausgebauten Donau verlegt werden. Die Spundwände in diesem Bereich sind bis zu 17 Meter tief. Andererseits würde eine Trasse, die über die Staatsstraßenbrücke führt, voraussichtlich das Gebiet des geplanten Polders Wörthhof queren – dann kämen sich ein Großprojekt des Bundes (Tennet) und eines des Freistaats (Flutpolder) in die Quere. Inwieweit beide miteinander vereinbar wären, ist eine weitere Frage, die noch geklärt werden muss.

Tennet-Gesamtprojektleiter Andreas Herath hält die Brückenquerung für eine denkbare Lösung. Foto: Schröpf

Immerhin ist der Brücken-Vorschlag so ernsthaft, dass er zu einer Gesprächsrunde mit den betroffenen Gemeinden und einer weiteren Runde in der Obersten Baubehörde Bayerns in München führte. In Wörth besprach Tennet das Projekt mit den Gemeinden Pfatter, Wörth, Wiesent und Brennberg – ein Hinweis darauf, wo die Erdkabeltrasse verlaufen könnte, wenn die Brückenquerung der Ernstfall werden sollte.

Neue Variante im Korridornetz

Aus dem Wörther Rathaus war auf Anfrage unseres Medienhauses zu erfahren, dass die neue Variante in den Trassenkorridor aufgenommen worden sei. Bei dem Gespräch seien verschiedene Aspekte dieser Variante besprochen worden, es sei aber nichts festgezurrt worden. Das bestätigte auch der Pfatterer Bürgermeister Jürgen Koch.

Bei dem Gespräch in der Obersten Baubehörde ging es nach Angaben von Alexander Bonfig, Leiter der Abteilung Straßenbau im Staatlichen Bauamt Regensburg, auch um technische Belange. Auch er hält es grundsätzlich für möglich, eine Starkstromerdkabelleitung in einen Brückenbau zu integrieren. Es müssten aber zahlreiche Aspekte wie Wechselwirkungen zwischen Straßenverkehr und Stromleitung geprüft werden. Auch für das Gespräch im München galt laut Bonfig: Es gab Überlegungen, aber keine Festlegungen.

Die Planungen für Südostlink

  • Konferenz:

    Planer und Betreiber Tennet hat den vorgestellten Trassenverlauf für die Hochleistungs-Stromleitung Südostlink am Mittwoch als Antrag auf Bundesfachplanung bei der Bundesnetzagentur eingereicht. Dieses Konzept kommt 2017 bei öffentlichen Antragskonferenzen auf den Prüfstand. Den konkreten Trassenverlauf legt die Bundesnetzagentur fest.

  • Anlass:

    Südostlink ist eine Folge des Atomausstiegs, der nach der Katastrophe von Fukushima beschlossen worden war. Über die Trasse soll Strom aus dem Norden Deutschlands nach Bayern fließen. Tennet rechnet damit, dass die Baugenehmigung im Jahr 2021 vorliegt. Das Projekt soll 2025 vollendet sein – mögliche Klagen nicht eingerechnet.

Die Vorbereitungen für die Süd-Ost-Passage treten im März in die nächste Phase. Tennet will dann einen bevorzugten Trassenverlauf in einem Korridor von 500 bis 1000 Metern Breite vorstellen. Auch einige Alternativen soll es noch geben. Dass sich die Planer im Landkreis Regensburg auf eine der drei im Herbst vorgestellten Varianten festlegen werden – oder auf eine Kombination daraus –, gilt als sicher. Und möglicherweise ist die Brückenquerung bei Pfatter dann doch mehr als nur eine Idee.

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