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Sonntag, 17. Dezember 2017 4

Lebenshilfe

Auch junge Menschen müssen trauern

Dr. Wolfgang Holzschuh und das Mehrgenerationenhaus kooperieren. Das Trauercafé in Regenstauf öffnet sich auch Familien.
Von Martina Schaeffer, MZ

  • Auch junge Menschen trauern, wenn sie Angehörige verlieren. Im Trauercafé in Regenstauf dürfen sie über ihre Gefühle sprechen. MZ-Archivfoto: fotolia
  • Pastoralreferent Dr. Wolfgang Holzschuh und die Leiterin des Mehrgenerationenhauses, Barbara Maier, kooperieren: Das Trauercafé steht jetzt auch Familien und jungen Menschen offen. Foto: Schaeffer

Regenstauf.Der Tod hat in der heutigen Gesellschaft keinen Platz mehr. Er wurde ausgebürgert, weggedrängt, „sitzt nicht mehr in der Lebenswirklichkeit der Menschen“, weiß Diakon Dr. Wolfgang Holzschuh. Gestorben wird meist in Krankenhäusern, in Heimen, abgeschottet, weit weg. Und wenn er Kinder fragt, ob sie schon einmal einen Toten gesehen haben, antworten die nicht selten: Ja, Zehntausende sogar. Allerdings meist im Fernsehen, auch hier aus der Distanz. „Es sterben immer die anderen“, erklärt Dr. Holzschuh. Und das macht auch das Trauern so schwierig.

„Wir leben in einer Leistungsgesellschaft. Der Tod wird als Niederlage erlebt“, unterstreicht der Pastoralreferent. Denn er stehe dem Erfolg diametral entgegen, gefährde ihn sogar. Der Tod führt scheinbare Endlichkeit vor Augen. Entsprechend erwarte die Gesellschaft, dass ein Trauernder schnell mit seiner Trauer fertig wird. Damit er wieder funktioniert.

Aber das funktioniert so nicht. Auch dies weiß Dr. Holzschuh und betont: Das Leben der Trauernden wird nach dem Verlust immer ein anderes sein.

Über den Tod sprechen

Dr. Holzschuh ist gemeinsam mit seiner Frau Dr. Sabine Holzschuh seit langem mit dem Thema befasst, er war von 1998 bis 2007 für das Projekt Trauerforschung und Trauerbegleitung am Lehrstuhl für Pastoraltheologie an der Uni Regensburg tätig, gibt heute Kurse in Trauerbegleitung.

Auch er selbst begleitet Trauernde seit Jahren, unter anderem als Gesprächsleiter, als Moderator im Trauercafé, einem Gesprächsangebot für Hinterbliebene in Regenstauf. Hier im Kreise von Menschen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben, können Trauernde sich austauschen, ihre Geschichten erzählen, müssen ihre Gefühle nicht unterdrücken.

„Im Trauercafé wird sichtbar, dass der Tod zum Leben gehört, dass man darüber auch sprechen darf“, erklärt der Theologe.

Bisher gab es dieses Angebot in Zusammenarbeit mit den Seniorenbeauftragten des Marktes Regenstauf vor allem für ältere Menschen. Doch dieser Kreis soll sich nun erweitern. Auch junge Menschen können Angehörige, Freunde verlieren, in eine tiefe Trauer stürzen.

Nicht an Konfession gebunden

„Das betrifft alle und auch alle Altersstufen“, unterstreicht Barbara Maier, die Leiterin des Mehrgenerationenhauses in Regenstauf. Sie hat erst vor kurzem von einem Kind erfahren, das einen Angehörigen verlor. Das Vertrackte dabei: „Die sprechen oft nicht, sie reden nicht darüber.“

Die Termine im Trauercafé

  • Gesprächskreis

  • Der Trauergesprächskreis, im „ Trauercafé“, im Café Pause im Mehrgenerationenhaus des Landkreises, Hauptstraße 34 in Regenstauf, findet einmal im Monat, meist am dritten Freitag, von 15 bis 17 Uhr statt.

  • Termine

  • Termine für das Treffen sind in diesem Jahr am 15. Mai, am 19. Juni, am 17. Juli, am 18. September, am 23. Oktober, 27. November und am 18. Dezember geplant.

  • Moderation

  • Diakon Dr. Wolfgang Holzschuh leitet die Gesprächsrunde und gibt Informationen zum Verständnis von Trauer und Anregungen zur Selbsthilfe auf dem Trauerweg.

  • Kooperation

  • Das Trauercafé wird von Dr. Holzschuh in Kooperation mit den Seniorenbeauftragten des Marktes Regenstauf, der Pfarrei Sankt Jakobus und dem Dekanat Regenstauf sowie, jetzt neu, auch dem Mehrgenerationenhaus des Landkreises angeboten.

  • Kontakt

  • Trauernde, die sich austauschen wollen, kommen einfach beim Treffen vorbei. Wer sich vorab telefonisch informieren will, erreicht Dr. Wolfgang Holzschuh unter der Telefonnummer (0 94 02) 500 756.

  • Infos

  • Weitere Infos zum Thema gibt es im Internet unter www.trauergeschichten.de

Und deshalb soll nun das Gesprächsangebot des Trauercafés in Zusammenarbeit mit Mehrgenerationenhaus und Familienstützpunkt unter dem Dach des MGH in der Hauptstraße 34 erweitert werden. „Bei der Trauerarbeit wollen wir alle Generationen miteinbeziehen“, unterstreicht Maier. Und auch alle Institutionen. Das Angebot sei nicht an bestimmte Konfessionen gebunden und es sei niederschwellig. „Man kann es annehmen oder ablehnen“, so Maier.

Dr. Wolfgang Holzschuh sieht sich als Moderator dabei vor allem in dieser Rolle: „Ich kann zuhören“, sagt er. Die Trauerarbeit werde von den Trauernden selber geleistet. „Sie tauschen sich aus.“

Der Verlust eines geliebten Menschen, sei es das eigene Kind, der Partner, die Eltern oder Freunde löst ganz unterschiedliche Gefühle aus. Nicht nur Traurigkeit, sondern auch Schmerz, Wut, Aggression oder Schuld, enttäuschte Hoffnung. „Die ganze Lebensphilosophie wird infrage gestellt“, weiß Dr. Holzschuh. „Das ist existenziell, betrifft den ganzen Menschen.“

Die Kraftquellen entdecken

Das Trauercafé sieht er vor allem als Solidargemeinschaft. „Da kommt ein neuer Suchprozess in Gang.“ Es wird auf die Ressourcen geblickt, die jeder hat, nach Perspektiven gesucht, nach dem, was Kraft gibt, weiterzugehen. Bei dem einen sei dies die Liebe zur Natur, bei einem anderen sind es andere Menschen, bei einem dritten wiederum die Musik. Bach beispielsweise sei gut. Und Dr. Holzschuh betont, wie wichtig das Aufarbeiten ist, damit sich nichts festsetzt, am Ende noch krank machen kann.

Für ihn selbst ist der Tod nur ein Durchgang, mit der Auferstehung verbunden. „Wenn wir in der Liebe sind, dann stehen wir auf“, erklärt der Theologe. „Dann stirbt zwar unser Körper, aber das, was wir wirklich sind, das bleibt.“ Aber er weiß auch, wie schwer trauern ist, trotz der heute in dieser Frage gewachsenen Freiheit. „Das ist kein Spaziergang.“ Manchmal helfe dabei allein schon der Gedanke: Da gibt es etwas, das hilft.

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