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Sonntag, 31. Juli 2016 25° 6

Migration

Ein bisschen Ernst muss sein

In Regenstauf diskutierten Bayerns Innenminister Joachim Herrmann und Schlagersänger Roberto Blanco über Integration.
von Christine Straßer, MZ

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann und Schlagerstar Roberto Blanco trafen in Regenstauf aufeinander. Foto: Lex

Regenstauf.Wunderbar, dass er da ist. Endlich tritt Roberto Blanco aus dem Nieselregen in den Spiegelsaal der Eckert Schulen in Regenstauf. 40 Minuten später als geplant. Aber diesem „wunderbaren Menschen“, wie ihn der CSU-Kreisvorsitzende Peter Aumer begrüßt, nimmt das hier niemand krumm. Blanco soll Farbe in den Abend bringen, insofern es überhaupt politisch korrekt ist, das so zu sagen. Die Frage stellt sich. Denn ein weiterer Gast auf dem Podium beim 20. Regensburger Zukunftsforum ist Bayerns Innenminister Joachim Herrmann.

Herrmann, der sich beim Frankenfasching in Veitshöchheim gerne als schwarzer Sheriff verkleidet, hatte Blanco in der ARD-Talkrunde „hart aber fair“ vor wenigen Monaten als „wunderbaren Neger“ bezeichnet. Damit löste er einen Sturm der Entrüstung aus. Allerdings nicht bei Blanco. Das Ehrenmitglied der CSU ließ prompt wissen, dass die Aussage bestimmt nicht böse gemeint gewesen sei. Herrmanns Entschuldigung folgte auf dem Fuß. Obwohl Blanco die gar nicht für notwendig hielt. Mit einem Lachen über sein ganzes Gesicht sagte er immer und tut das auch in Regenstauf: „Ein wunderbarer Neger? Stimmt! Das bin ich doch.“

Es war die Idee des CSU-Mannes Aumer, Herrmann und Blanco für eine Diskussion unter dem Titel „Migration – Leitbild – Integration: Wie meistern wir die größte Herausforderung seit Jahrzehnten?“ wieder zusammenzubringen. Und das zog. Zusätzliche Stühle mussten am Mittwochabend aufgestellt werden. So groß war der Andrang. Dass gerade Pläne des Bistums Regensburg bekannt wurden, in Regenstauf eine Gemeinschaftsunterkunft für 150 Flüchtlinge einrichten zu wollen, lud auch den Auftritt des dritten Gastes, Caritas-Direktor Roland Batz, auf. Batz nimmt vor allem die Bitte an die Diözese mit, die Bevölkerung über die geplanten Schritte intensiver zu informieren.

Viel Applaus für ein Zitat

Die drei Gäste in Regenstauf (v.l.): Caritas-Direktor Roland Batz, Innenminister Joachim Herrmann und Schlagersänger Roberto Blanco Foto: Lex

Innenminister Herrmann veranlasst die Zusammensetzung des Podiums zu einem Zitat: „Wir Schwarzen müssen zusammenhalten.“ Ein legendärer Satz, den Schlagerstar Blanco auf einem CSU-Parteitag Anfang der 1980er Jahre zum Besten gab. Auch der langjährige CSU-Parteichef Franz Josef Strauß nahm diesen Kalauer gerne in den Mund. Als der Satz in Regenstauf fällt, ist das der Moment, in dem der kräftigste Applaus des Abends aufbrandet.

Manch einer sehnt sich ja nach einem Sprücheklopfer wie Strauß. Doch der Anklang an die Töne der CSU-Ikone bleibt die Ausnahme. Gut so. Denn auch wenn die Podiumsdiskussion kaum Neues lieferte: Es war eine Wohltat, wie besonnen das Flüchtlingsthema an diesem Abend über weite Strecken beleuchtet wurde. Es ging eben nicht darum – wie in vielen Reden von Strauß – bewusst Spitzen zu setzen, bewusst eine Show aus dem Auftritt zu machen.

Blanco hakt nach

Ein nachdenklicher Roberto Blanco Foto: Lex

Gerade Blanco, der als Entertainer ja dafür bekannt ist, für „ein bisschen Spaß“ zu sorgen, macht deutlich, dass dieser Tage vielmehr ein bisschen Ernst angebracht ist. Von dem dunkelgrünen Lodenjanker zu grellrotem Hemd, blauer Jeans und weißen Socken zu schwarzen Slippern sollte man sich eben nicht täuschen lassen. Es ist Blanco, Sohn eines kubanischen Künstlers, geboren in Tunis, aufgewachsen im Libanon und Syrien – weshalb er auch fließend Arabisch spricht –, der den Innenminister auf der Bühne mit der Frage stellt, warum denn eigentlich gegen den „Kern“, den Grund, aus dem viele flüchten, nicht mehr getan werde. Ein Bürgerkrieg wie in Syrien komme schließlich nicht von allein, sondern habe doch mit Politik zu tun. Und: Wenn es gelänge, wieder Frieden herzustellen, würden auch viele Flüchtlinge wieder zurückkehren. „Diese Menschen sind gezwungen zu kommen“, sagt Blanco. In ihrer Heimat könnten sie momentan nicht mehr leben. Er verweist auf die belagerte syrische Stadt Madaja, in der gerade Hunderte vom Hungertod bedroht sind.

Herrmann räumt ein, dass lange weggeschaut wurde. Erst nach den Anschlägen in Paris im November sei man auf gewacht. Herrmann zweifelt allerdings an, dass die Luftschläge gegen den Islamischen Staat tatsächlich klug sind. „Wahrscheinlich wäre es klüger gewesen, sich schon vor vier Jahren zu engagieren“, sagt er. Und: „Wir müssen begreifen, dass viele auch wieder zurückwollen.“ Es sei trotzdem sinnvoll, wenn diese Flüchtlinge Deutsch lernen. Dann muss Herrmann hinaus in den Regen. Die Zeit drängt. Er soll live im Fernsehen Fragen beantworten. Er verlässt Regenstauf, aber nicht das Thema Integration.

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Eine CSU-Veranstaltung brachte Innenminister Herrmann und Schlagersänger Blanco zusammen. Video: David Grosser

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