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Dienstag, 21. November 2017 7

Fasching

Lari-Fari wollte von den Besten lernen

Die Faschingsgesellschaft Diesenbach fuhr zur Karnevals-Fernsehsitzung in Köln – und sehen bei sich größeres Gaudipotenzial.
Von Sabine Norgall, MZ

  • Das Foto mit dem Kölner Dreigestirn war für die Gäste aus Diesenbach ein besonderer Höhepunkt. Prinzessin Sina I. und Prinz Christian II. zusammen mit Jungfrau, Prinz und Bauer Fotos: Lari-Fari Diesenbach
  • Von einer Ausstattung wie sie den Kölner Narren in der Veranstaltungshalle Gürzenich zur Verfügung steht, kann die Faschingsgesellschaft Lari-Fari Diesenbach nur träumen, hat sich aber doch „einiges abgeschaut“.

Regenstauf. „Mei, der Gabes ist auch da.“ Wer den rührigen Präsidenten der Faschingsgesellschaft Lari-Fari Diesenbach kennt, wundert sich nicht, dass dieser auch inmitten des Trubels des Kölner Karnevals erkannt wird. Allerdings war es mit Peter Jakob, Verkaufsdirektor des Bayerischen Rundfunks, zumindest auch ein Bayer, auf den die Besucher aus Diesenbach trafen, kaum dass sie den Kölner Gürzenich, das Veranstaltungszentrum betraten. Dort wird die Fernsehsitzung aufgezeichnet. Um es vorweg zu sagen, wenn die Karnevalssitzung am Rosenmontag ausgestrahlt wird, werden die Diesenbacher kaum im Bild sein. Ihr Tisch stand abseits der Fernsehkameras.

Ein knapp verpasster Einzug

Dabei hätte es Präsident Gabes fast geschafft, die seinen ins rechte Bild zu rücken, als sich die Diesenbacher einfach mit anstellten, als die Kölner Prinzengarde Aufstellung nahm. Die Gardemitglieder, erzählt Gabes im Gespräch mit der MZ, hätte über den Versuch gelacht, aber der Saaldiener habe überhaupt keinen Spaß verstanden und den Versuch unwirsch abgewehrt. Kaum war die Prinzengarde eingezogen, sorgte Gabes für leichte Irritationen in den rheinisch-oberpfälzer Beziehungen. „I hab eahm g’sagt, geh auf d’Seiten, weil mir etz eine gengan.“ Was der Kölner Saaldiener davon verstanden hat, ist nicht überliefert. Es könnte ihm aber ähnlich ergangen sein wie den Diesenbachern bei ihren Gesprächen an der Bar. Gabes: „Immer freundlich lächeln und nicken, was die sagen, verstehst oft eh ned.“Aber die Diesenbacher machten sich im Festsaal deutlich bemerkbar und so begann so manches Gespräch: „Aha, ihr seid die Oberpfälzer...“

Keine Lust auf Franken

Warum die Diesenbacher nach Köln fahren? „Weil wir von den Besten lernen wollen. Deshalb fahren wir nicht zu den Franken.“ Und nachdem es nicht der erste Besuch in Köln ist, sagen sie: „Wir haben uns schon einiges abgeschaut.“ Immerhin mit einer Delegation mit 26 Mitgliedern, darunter auch das Amberger Prinzenpaar, machte man sich von Regenstauf aus auf den Weg.

Kein Bier im Saal

Für die Fernsehsendung gab es im Saal exakte Verhaltensvorschriften. Bier auf den Tischen, so die Meinung im Rheinland, macht keinen guten Eindruck, deshalb darf es nur draußen im Foyer getrunken werden. Allerdings sollte man beim Trinken ohnehin vorsichtig sein. Zumindest an den Tischen, die die Kamera erfasst, ist es nicht gerne gesehen, wenn man während der Sitzung zur Toilette geht. Eine nicht zu unterschätzende Anforderung – bei knapp sechs Stunden Aufzeichnung und nur einer Pause.

Der Prinz kam gut an

Prinzessin Sina I. schwärmt auch eine Woche nach der Aufzeichnung noch immer vom coolen Prinzen des Kölner Dreigestirns. Der Bauer hingegen sei „ein richtiger Büffel“ und die Jungfrau „eine Zicke“. Der Jungfrau, sagt Sina I., fülle seine weibliche Rolle richtig aus. Zu einem Gespräch kam es kaum. Der richtige Sitz der Perrücke oder des Make-ups waren ihm wichtiger.

Männer in Strumpfhosen

Die Diesenbacher würden jederzeit wieder nach Köln fahren, gerade auch um sich das eine oder andere abzuschauen, dass sie auch in ihre Sitzungen einbauen können. Eva Dost und Sina Gabes sind noch immer begeistert davon, dass die Kölner Männer scheinbar freiwillig Strumpfhosen zu ihren Kostümen tragen, was Prinz Christian II. entschieden ablehnte. Und im Gegensatz zum Diesenbacher Elferrat bringe es das Festkomitee in Köln tatsächlich fertig, zeitgleich und im Takt zu winken.

Der Fasching hat die Nase vorn

Tauschen würden die Diesenbacher ihren Fasching aber nicht gegen den Kölner Karneval. Die Kölner, so ihre Meinung, nähmen den Karneval viel zu ernst. Eva Dost: „Du wirst den Oberpfälzer kaum dazu bringen, bei irgendwelchen Liedern so begeistert mitzusingen wie die Kölner, aber die größere Gaudi, die haben auf jeden Fall wir.“

Emanzipatorisch abgehängt

Und auch emanzipatorisch ist der Kölner Karneval längst nicht so auf der Höhe wie der Diesenbacher Fasching. Im Festkomitee auf der Bühne säßen nur Männer. Und erst wenn die Kameras ausgeschaltet seien, hole man schließlich auch die Frauen auf die Bühne und danke ihnen für ihre Arbeit im Hintergrund.

Die Kölner Fernsehsitzung, sind sich die Besucher aus Diesenbach einig, wirke „ein bisschen starr“, viele seien nur wegen der Kamera da. Auch die Fähigkeit durchzufeiern sehen die Diesenbacher bei sich ausgeprägter. Und besonders froh sind sie darüber, dass sie ihren Prinz Christian wieder mit nach Hause brachten. In einer einschlägigen Kölner Szenekneipe kam der bayerische Prinz sehr gut an. Er war aber, flankiert von seiner Garde, zu keinem Zeitpunkt gefährdet.

In Köln ist Durst teuer

Prinzessin Sina mit der Kölner Prinzengarde Foto: Lari-Fari

Die charmante Diesenbacher Faschingsprinzessin Sina I. nahmen die Funken der Kölner Prinzengarde gerne in den Arm. Eine eigene Prinzessin haben die Kölner ja nicht, sondern die von einem Mann verkörperte Jungfrau im Dreigestirn. Der Jungfrau, sagt Sina Gabes, nimmt seine weibliche Rolle sehr ernst: „Das ist eine richtige Zicke, aber der Prinz, der ist wirklich cool.“

Eine Zumutung für die bayerischen Gäste. Foto: Lari-Fari

Eine Zumutung für die bayerischen Gäste war das offizielle Bierverbot im Sitzungssaal. Und obwohl sie sich zunächst darüber geärgert hatten, dass sie nur noch Plätze in der hintersten Reihe bekamen, erwies sich das im Laufe des Abends als sehr praktikable Lösung. Unbeobachtet von den Fernsehkameras waren die Diesenbacher eifrig zwischen Saal und der Bar im Foyer unterwegs

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Die Weingläser blieben ungenutzt. Foto: Lari-Fari

Die bereitgestellten Gläser für Wein oder Bier ließen die Diesenbacher Besucher unberührt. Die billigste Flasche Wein, soweit ihre Recherchen, kostete 32 Euro. Allein schon um, abseits vom Kölsch, den Durst zu löschen, mussten sie kräftig investieren, zehn Euro für 0,75 Liter Wasser. Präsident Jörg Gabes wunderte sich: „Ich habe in der Jahnhalle noch keinen gesehen, der Wein trank.“

Wer Durst hat, sorgt vor. Foto: Lari-Fari

Mit einem Glas Kölsch hielten sich die Diesenbacher bei der Bestellung gar nicht erst auf. Jörg Gabes: „Toll ist, dass es immer frisch ist. Aber wennst da mit einem normalen Zug ansetzt, dann ist das Norgerl ja gleich wieder weg.“ Das Geldbeutelwaschen am Aschermittwoch wird für die Lari-Fari-Reisegruppe wohl eher ernüchternd. Bei 2,50 Euro für 0,2 Liter Bier wurde die lange Nacht teuer.

Lari-Fari beim Kölner Sitzngskarneval

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