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Freitag, 23. Juni 2017 30° 2

Ausstellung

Neues Land: „Seelenbilder“ aus Peru

Johannes Schießl lässt sich in keine Sparta zwängen. Seine Bilder spiegeln sein Innenleben. Ausstellung im Schloss Spindlhof.
Von Sabine Norgall, MZ

  • Statt der Abbildung der Realität malt Johannes Schießl heute Seelenlandschaften. „Yarinachocha Citylight“ entstand abends bei der Heimfahrt auf einem Nebenfluss des Amazonas.. Foto: Schießl
  • Bild aus der Ausstellung im Schloss Spindlhof.
  • Johannes Schießl

Regenstauf. 2008 stellte der aus Regenstauf stammende Kunstmaler Johannes Schießl seine Gemälde erstmals am Ort aus. Die Regenstaufer durfte seine Entwicklung mitverfolgen. Sie lernten die Arbeit des Expeditionsmalers in Vietnam kennen, sahen die Diplomarbeit über die schottische Landschaft. Während Schießls Atelierstipendiums im alten Kloster war er ein Jahr lang mit dem Skizzenblock im Regental unterwegs. Die anschließende Ausstellung zeigte den Regenstaufern ihre und seine Heimat aus seinem ganz persönlichen Blickwinkel: Mal in leuchtenden Farben, mal aus einer neuen Perspektive, verändert in der Wahrnehmung des Künstlers, aber immer nahe an der Wirklichkeit. Die Expedition nach Panguana fiel mitten in die Regenstaufer Zeit. Die Verarbeitung war allerdings eine völlig neue.

Der Künstler

  • Wohnsitz Nürnberg

  • Johannes Schießl, geboren 1981, stammt aus dem Regenstauf. Heute lebt und arbeitet er in Nürnberg.

  • Studium in Stuttgart

  • Er studierte Kunstgeschichte an der Uni Regensburg, anschließend Studium der Freien Malerei /Grafik bei Professor Chevalier an der Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart.

  • Stipendien

  • Stipendien ermöglichten ihm als Expeditionsmaler unter anderem eine fünfmonatige Erkundung Vietnams. 2012 hatte er ein Atelierstipendium im alten Kloster in Regenstauf, 2013 bekam er eine Atelierförderung der Stadt Nürnberg.

  • Künstlerische Reisen

  • Künstlerische Reisen führten ihn nach Peru, Schottland, in die Anden und nach Nordchile.

  • Präsent in Regenstauf

  • In Regenstauf war Schießl in mehreren Gemeinschaftsausstellungen vertreten. Auch seine Einzelausstellungen „Heimat.Lebensraum mit Perspektive“ als Ergebnis des Atelierstipendiums und „Schottland. Rauhes Land“ waren im Kulturhaus zu sehen.

  • Im Schloss Spindlhof

  • Panguana - Neues Land“ war vor Schloss Spindlhof bereits in der Galerie der Stadtsparkasse Schweinfurt zu sehen. „Stille Weiten“ zeigte das Brücktum-Museum in Regensburg.

Jetzt, nach zwei Jahren, kehrt Schießl mit einer Ausstellung ins Schloss Spindlhof zurück. Der Wechsel, der sich 2013 andeutete, ist vollzogen. Er malt nicht mehr das Offensichtliche, sondern bringt seine „Seelenbilder“ auf die Leinwand, wie er in einem Gespräch mit der MZ sagt.

Die Realität herausgenommen

Die meisten früheren Bilder hat er übermalt, diejenigen jedoch, die während seiner Zeit in Regenstauf entstanden, mag er heute noch: „ Das war ein schöner Übergang.“ Im Moment allerdings könne er Figuren oder Landschaften mehr sehen, „das habe ich ausgenudelt“.

Für Wolfgang Stöckl, Leiter von Schloss Spindlhof, hat der Titel der Ausstellung, „Panguana - Neues Land“, unter dem Johannes Schießl die Bilder präsentiert, die während einer wissenschaftlichen Expedition nach Peru entstanden, mehr als die offensichtliche Bedeutung. Panguana, so Stöckl, bedeutet übersetzt „neues Land“. Es fügt sich stimmig, dass der Maler mit seinen Bildern, die von dieser Reise in den Dschungel des Amazonas inspiriert seien, eine neue Phase seines Schaffens eröffnete. Schießls Bilder seien nicht unbedingt gegenständlich lesbar, sondern verdichteten Gesehenes, Erlebtes und Erfahrens. Panguana ist eine 1968 gegründete, biologische Forschungsstation und ein privates Naturschutzgebiet im tropischen Primärregenwald von Peru.

Malen aus dem Bauch heraus

Wer meint, Seelenbilder kämen nur aus dem Inneren des Künstlers, der irrt. Die Motive, das Leuchten der Farben im Dschungel, die spektakulären Sonnenuntergänge über dem Fluss, die Städte an dessen Ufer, das hat er alles gesehen und vor Ort in Skizzen festgehalten. Die Seelenlandschaften entstanden in der Verarbeitung im Atelier. Schießl: „Meine Motive entstehe nicht mehr im Kopf, sondern aus dem Bauch heraus.“ So kann sich in einem der abstrakten Gemälde auch die charakteristische Hautzeichnung einer Anakonda finden, obwohl Schießl in jedem Tümpel in Panguana vergebens nach der Riesenschlange Ausschau hielt.

Bild aus der Ausstellung im Schloss Spindlhof.

Eine Prise Existenzialismus

Im Prospekt zur Ausstellung beschreibt Johannes Schießl seine Bilder als „Mischtechnik“. Ein bewusster Diminutiv. Er hat, so scheint es, alles verwendet, was ihm in seinem Nürnberger Atelier in die Finger fiel: Acrylfarbe, Kohle, Buntstifte, Pastellkreiden, Bleistift und auch Papierfetzen.

Expeditionen stehen für den jungen Vater aktuell nicht auf der Tagesordnung. Ein neues Projekt ist die farbliche Darstellung von Musik, von Songtiteln, die ihn begleiten. Auch das Thema „Scheitern“ beschäftigt ihn: „Naheliegend für einen Künstler, der auf dem freien Markt tätig ist“. Aber das, sagt er augenzwinkernd, müsse nicht zwangsläufig ein düsteres Thema sein. Künstler neigten dazu, alles existenzialistisch zusehen.

Vernissage am Sonntag

Am Sonntag, 1. März, um 11 Uhr findet die Vernissage im Schloss Spindlhof in der Spindlhofstraße statt, Johannes Schießl ist selbst anwesend. Die Ausstellung ist bis zum 22. Mai zu sehen. Die Öffnungszeiten sind von Montag bis Freitag von 8 bis 17 Uhr und samstags bis 12 Uhr.

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