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Umwelt

Regenstauf: Lärmschutz zum Mitmachen

Das Eisenbahnbundesamt erstellt einen Aktionsplan für die Bahnstrecke. Bis 25. August können Bürger ihre Belastung melden.
Von Sabine Norgall, MZ

Mehr Züge auf der Strecke Regensburg-Hof könnten künftig auch für mehr Lärm sorgen. Wer jetzt an der Öffentlichkeitsbefragung des Eisenbahn-Bundesamts am Lärmaktionsplan teilnimmt, kann zu einem guten Lärmschutz in der Zukunft beitragen. Foto: Norgall

Regenstauf.Zuviel Lärm macht auf Dauer krank. Mit der Aufstellung des sogenannten Lärmaktionsplans setzt das Eisenbahnbundesamt eine Richtlinie des Europäischen Parlaments um, die Lärmbelastung soweit möglich zu reduzieren. Unter Beteiligung der Öffentlichkeit erstellt das Eisenbahnbundesamt alle fünf Jahre den Lärmaktionsplan für die Haupteisenbahnstrecken. Als Haupteisenbahnstrecke gelten Schienenwege mit einem Verkehrsaufkommen von mehr als 30 000 Zügen pro Jahr. Diese Zahl erreicht Regenstauf mit aktuell rund 80 Zügen pro Tag knapp.

Die Erstellung des Plans erfolgt in verschiedenen Phasen. Momentan läuft bis zum 25. August der erste Schritt, die Öffentlichkeitsbeteiligung. Bürger, Kommunen oder weitere Einrichtungen, die vom Schienenlärm betroffen sind, können durch ihre Rückmeldung helfen, den Lärmaktionsplan aufzustellen.

Wer leidet besonders unter dem Bahnlärm? 2. Bürgermeister Hans Dechant und Bauamtsleiter Reinhold Viehbacher prüfen die Unterlagen des Eisenbahn-Bundesamts. Foto: Norgall

Regenstauf, sagt 2. Bürgermeister Johann Dechant, ist von diesem Lärmaktionsplan auf jeden Fall betroffen. Zum einen durch die Zahl der Züge, zum anderen auch durch die errechnete Zahl der Bürger, die von höherer Lärmbelastung durch die Bahn betroffen sind. Angesichts der angekündigten Elektrifizierung der Bahnstrecke Regensburg-Hof könnte sich die Zahl der Züge in Zukunft verdoppeln. Wenn jetzt möglichst viele Regenstaufer den Fragebogen zur Lärmbelastung beantworten, sagen Dechant und Bauamtsleiter Reinhold Viehbacher, wäre das jetzt schon ein erster wichtiger Baustein dafür, dass Regenstauf in Zukunft einen vernünftigen Lärmschutz bekommt.

Viele Antworten aus Regenstauf

Bundesweit wurde bis Freitag, 11. August, dieser Fragebogen bereits über 13000-mal beantwortet. Jetzt hoffen Dechant und Viehbacher, dass noch viele Antworten aus Regenstauf dazukommen. Wer den Fragebogen online beantworten will, kann dies auf der Informations- und Beteiligungsplattform des Eisenbahnbundesamts unter www.laermaktionsplanung-schiene.de tun. Der Fragebogen kann auch schriftlich unter der Adresse Redaktion Lärmplanung, Postfach, 14412 Potsdam, angefordert werden. Den Regenstaufer Bürgern steht auch ein direkterer Weg offen. Im Bauamt im Rathaus, 1. Stock, Zimmer 31, kann der Fragebogen jederzeit abgeholt werden.

Zu zwölf Fragen können im Fragebogen jeweils verschiedene Antworten angekreuzt werden. Dabei geht es unter anderem darum, wie sehr man sich durch den Schienenlärm gestört fühlt, welche Art von Zügen als besonders laut wahrgenommen wird, oder um die Uhrzeiten und die Fahrgeräusche. Auch die Marktverwaltung formulierte die Forderungen des Markts zu einem künftigen Lärmschutz entlang der Bahn. Darin verweist der Markt auf die enorme Lärmbelastung, die schon jetzt zu allen Tages- und Nachtzeiten im Nah- wie auch im Fernbereich der Bahnstrecke im Bereich Regenstauf herrscht. Im Hinblick auf die anstehende Elektrifizierung fordert der Markt die Errichtung einer Lärmschutzwand für die gesamte Ortsdurchfahrtsstrecke von Regenstauf und die tangierten Ortsteile Diesenbach, Hagenau, Fronau und Medersbach. Darüber hinaus verlangt der Markt die Umrüstung des Fahrzeugparks mit lärmarmer Bremstechnik und den schallgeminderten Ausbau der Schienenstrecke.

Lärmstatistik für Regenstauf

  • Voraussetzungen

  • Für die Lärmaktionsplanung der Bahn gelten zwei Voraussetzungen: Die Zahl der Züge und die Zahl der Personen, die durch deren Lärm belastet werden.

  • Züge

  • Ab einem Aufkommen von 30 000 Zügen im Jahr muss für eine Gemeinde die Lärmaktionsplanung gemacht werden. In Regenstauf fahren zur Zeit rund 80 Züge pro Tag. Pro Jahr werden damit knapp 30 000 erreicht. Die Prognose bis 2025 liegt bei 125 Zügen pro Tag. Nach einer Elektrifizierung könnten es 160 Zügen täglich werden.

  • Lärmbelastung

  • Bei der Lärmbelastung gilt als Voraussetzung für das Gutachten, dass tagsüber mehr als 50 Personen mit einem Schalldruckpegel von mehr als 67db(A) belastet sind, nachts mehr als 50 Menschen über 57 dB(A). Tagsüber sind in Regenstauf laut Lärmstatistik des Eisenbahnbundesamts durch Zuglärm mehr als 110 Personen mit über 67dB(A) belastet, nachts mehr als 110 Personen mit über 57 dB (A).

  • Umgebungslärm: Rund 500 Einwohner sind tagsüber bis zu 60 dB(A) belastet, bei 50 sind es bis zu 75 dB(A), zehn über 75 dB(A). Nachts liegt die Belastung für 1500 Regenstaufer bei 50dB(A). Für zehn erreicht die Lärmbelastung über 70dB(A).

  • Beispiele

  • 10 dB(A): Atmen, raschelndes Blatt; 40: leise Musik; 45: übliche Geräusche in der Wohnung; 50: Regen, Kühlschrankgeräusche; 55: normales Gespräch; 60: Nähmaschine, Gruppengespräch; 70: Fernseher, Schreien, Rasenmäher; 75: Verkehrslärm; 80: Telefonläuten, Presslufthammer

Bürgermeister Siegfried Böhringer, er wohnt im Meisenweg in Diesenbach in unmittelbarer Nähe der Bahnstrecke, hat den Fragebogen bereits beantwortet. Aber auch Reinhold Viehbacher (Steinbachtal) und Johann Dechant (Steinsberg) haben ihn abgeschickt. Sie nehmen, wie viele andere Regenstaufer auch, den Zuglärm je nach Windrichtung mal mehr und mal weniger war.

Lärmminderung angekündigt

Bauamtsleiter Reinhold Viehbacher geht davon aus, dass es im dritten Teil des Verfahrens, der Veröffentlichung des Lärmaktionsplans, bereits Vorschläge zur Lärmreduzierung gibt. Er selbst hat sich auch bereits informiert, wie ein Lärmschutzwall entlang der Bahnstrecke ausschauen könnte. Der Hauptlärm bei der Bahn, sagt er, entstehe, entgegen der Lärmbelastung an Straßen, hauptsächlich im Bereich der Schienen. Ein Lärmschutz entlang der Bahnstrecke könne daher deutlich niedriger ausfallen, als dies entlang von Straßen der Fall sei.

Schon vor geraumer Zeit haben alle Bürgermeister entlang der Bahnstrecke Regensburg-Hof gemeinsam einen Lärmschutz entlang der Strecke gefordert. In einem Antwortschreiben des Verkehrsministeriums heißt es, dass die Bundesregierung bis 2020 den Schienenlärm halbieren wolle. Vom menschlichen Gehör wird eine Minderung um zehn dB(A) als Halbierung des Lärms empfunden. Dazu sagt Reinhold Viehbacher: „Wenn sich der jetzige Lärm um die Hälfte vermindert, dann sind wir zufrieden.“

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