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Dienstag, 21. November 2017 7

Umwelt

Umweltstation: Ohne „Bufdis“ gehts nicht

Bundesfreiwillige kümmern sich um kranke Vögel, päppeln Jungtiere auf, arbeiten mit Kindern und lernen selbst viel dabei.
Von Sabine Norgall, MZ

  • Ein Höhepunkt in seiner Arbeit als Bundesfreiwilliger: Max Vandrey entlässt einen Fischadler in die Freiheit. Foto: Ferdinand Baer
  • Melissa Kellner bei der Arbeit mit Kindern. Foto: LBV

Regenstauf.Interesse an der Natur, Grundkenntnisse über die Arbeit des Landesbunds für Vogelschutz und ganz wichtig: Menschen mögen und sich auf sie einstellen können. Diese drei Voraussetzungen nennt Christoph Bauer, Leiter der LBV-Bezirksgeschäftsstelle in Regenstauf ganz spontan, fragt man ihn, was ein „Bufdi“, also ein Bundesfreiwilliger mitbringen sollte, wenn er sich bei der Umwelt- und Vogelstation in Regenstauf bewirbt. Bundesfreiwillige, machen Christoph Bauer und Sigrid Peuser, Leiterin der Umweltstation, im Gespräch mit unserer Zeitung deutlich, sind für die Einrichtung enorm wichtig. Sie helfen bei der Versorgung der Jungvögel, lernen mit Greifvögeln umzugehen, übernehmen Fahrten zum Tierarzt oder betreuen ganz eigenständig Schulklassen oder Kindergartengruppen.

Coolnessfaktor der „Bufdis“

Jan Reichow beim Bummerangbau im Osterferienprogramm Foto: LBV

Würde man den 19-jährigen Jan Reichow aus Wenzenbach und den gleichaltrigen Max Vandrey aus Schmidmühlen, beide aktuell „Bufdis“ in der Umweltstation, mitten in der Nacht wecken, könnten sie vermutlich spontan problemlos alle wichtigen Details über den Stieglitz, den Vogel des Jahres 2016, erzählen. Die beiden jungen Männer sind derzeit im näheren und weiteren Umkreis in den Schulen unterwegs und versuchen, die Begeisterung für die Anliegen des LBV weiterzugeben. Die „Bufdis“, schmunzelt Sigrid Peuser, sind gerade bei den Grundschülern gerne gesehenen: „So ein 18- oder 19-Jähriger hat da natürlich einen ganz anderen Coolnessfaktor, als wenn wir da auftauchen.“ Und auch für die zwei Abiturienten haben die Vorträge in den Schulen und die Anerkennung, die sie dafür bekommen, sehr viel gebracht.

Erfahrungen gesammelt

Max Vandrey, 19: Nach dem Abi hatte ich den Kopf voll mit lernen. Ich wollte was anderes machen, mein Wissen auf anderen Gebieten erweitern. Ich habe viel dazu gelernt, sei es der Umgang mit Vögel aber auch beim Sprechen vor anderen, die Vorträge vor Schulklassen haben da viel gebracht.“

Max Vandrey sagt: „Ich war nie jemand, der gerne vor anderen gesprochen hat. Jetzt mach ich das richtig gern.“ Eine größere Gruppe spontan durch die Vogelstation zu führen und dabei über deren Arbeit und Anliegen zu erzählen, ist für ihn, der wie Jan Reichow auch, sein Bundesfreiwilligenjahr im September vergangenen Jahres begann, heute gar kein Problem.

„Man muss anerkennen, was die jungen Leute leisten, wenn sie sich ein Jahr lang herausnehmen und für relativ kleines Geld arbeiten.“

Christoph Bauer

Sigrid Peuser hat über die Jahre viele Bundesfreiwillige beobachtet und durchwegs positive Erfahrungen gemacht: „Bei vielen tritt ein Selbstständigkeitsschub ein.“ Nach viel Theorie der Schuljahre sähen die meisten dabei erstmals wie es sei, ganz praktisch zu arbeiten. Und das immerhin ein ganzes Jahr hindurch, 39 Stunden pro Woche, für ein Taschengeld. Christoph Bauer ergänzt: „Man muss anerkennen, was die jungen Leute leisten, wenn sie sich ein Jahr lang herausnehmen und für relativ kleines Geld arbeiten.“

Die 21-jährige Melissa Kellner aus Burglengenfeld hat ihr Bundesfreiwilligenjahr bereits hinter sich. So richtig losgelassen hat sie die Arbeit in der Umwelt- und Vogelstation aber nicht. Fast jedes Wochenende arbeitet sie ehrenamtlich in der Station. Als die Vogelstation im vergangenen Jahr einen Rekord an Jungvögeln bewältigen musste, war sie eine unentbehrliche Hilfe.

Einsatz fast rund um die Uhr

Melissa Kellner: „Auf Schule oder Studium blickt man insgesamt zurück. So ein einzelnes Jahr als Bundesfreiwillige ragt aus den Erinnerungen heraus. Mein Jahr ist eigentlich vorbei, ich helfe aber an den Wochenenden immer noch mit. Die Sicherheit im Umgang mit Tieren und Menschen wächst.“

Junge Mauersegler müssen jede halbe Stunde gefüttert werden. Jedem einzelnen Jungvogel muss man die zerrupften Heimchen in den Schlund schieben. Um den Erfolg der Aufzucht zu gewährleisten, „adoptierte“ Melissa Kellner vorübergehend einige der Jungvögel, nahm sie mit nach Hause und fütterte sie alle 30 Minuten. Nachts schliefen die kleinen Mauersegler, genau wie in der Natur auch. Heute erzählt Melissa Kellner voller Begeisterung von dem tollen Gefühl, wie es ist, die Vögel, deren Überleben sie sicherte, in die Freiheit zu entlassen. Melissa Kellner studiert inzwischen Pharmazie in Regensburg. Jan Reichow und Max Vandrey haben noch keine konkreten Pläne. Max Vandrey ist sich aber sicher, dass es „irgendwas mit Umwelt“ sein soll.

Was die drei jungen Leute über ihre Arbeit in der Umwelt-und Vogelstation sagen, sehen Sie im MZ-Video.

Die Bundesfreiwilligen Jan Reichow, Melissa Kellner und Max Vandrey berichten von ihrem Freiwilligenjahr in der Umwelt- und Vogelstation. Foto: Norgall

Gerade jetzt, in der Brutsaison, sind die Bundesfreiwilligen eine wichtige Hilfe. Sie nehmen viele Jungvögel auf, haben als erste mit ihnen zu tun. Aktuell ist eine ganze Kleinfamilie mit Gänsesägern, die von den Elterntieren nicht mehr betreut wurden, in der Vogelstation abgegeben worden. Die „Bufdis“ erliegen, wie alle anderen auch, dem Charme der flaumigen Federknäuel.

Junge Gänsesäger wurden gerade in der Vogelstation abgegeben. Foto: Norgall

Nach genauer Schulung haben sie aber auch keine Scheu mehr vor dem Umgang mit Greifvögeln. Mit geübtem Griff begutachten sie etwa einen Mäusebussard, den eine Geschwulst am Bein behindert oder sie fahren selbstständig los, um einen verletzten Falken oder Uhu einzufangen und zur weiteren Versorgung in die Vogelstation zu bringen.

„Unsere Bundesfreiwilligen entwickeln sich alle in dem Jahr weiter.“

Christoph Bauer
Christoph Bauer, Max Vandrey, Melissa Kellner und Jan Reichow begutachten den Gesundheitszustand eines Mäusebussards. Foto: Norgall

Das Bundesfreiwilligenjahr, sagen Jan Reichow, Melissa Kellner und Max Vandrey, habe sie alle drei persönlich weitergebracht.

Zudem, ergänzt Sigrid Peuser, besteht dieses Jahr nicht nur aus Arbeit. Zum Programm des Bundesfreiwilligenjahrs gehört auch die Teilnahme an Veranstaltungen zur politischen Bildung und Seminare und spezielle Schulungen je nach Einsatzgebiet. Christoph Bauer ist sich sicher: „Unsere Bundesfreiwilligen entwickeln sich alle in dem Jahr weiter.“ Im Vergleich zu den früheren Zivildienstleistenden sieht Sigrid Peuser einen wesentlichen Unterschied: „Die, die jetzt kommen, müssen den Dienst nicht ableisten, die wollen das.“

Jan Reichow, 19: „Nach der Schule wollte ich etwas anderes machen. Wir sind hier nicht nur Vogel-, sondern auch Umweltstation. Die Aufgaben für einen Bundesfreiwilligen sind daher sehr vielfältig. Mal kümmern wir uns um Jungvögel, die gerade abgegeben werden, mal helfen wir in der LBV-Bezirksgeschäftsstelle.

Der Bundesfreiwilligendienst ist übrigens nicht nur ein Angebot für junge Menschen. Gerne würde man in der Umwelt- und Vogelstation auch einen rüstigen Rentner anlernen. Wer sich für das Angebot interessiert, kann sich direkt bei Christoph Bauer in der Bezirksgeschäftsstelle im Masurenweg in Regenstauf melden, telefonisch über die Nummer (09402) 995712 oder über Mail: c-bauer@lbv.de

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