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Freitag, 15. Dezember 2017 3

Geschichte

Reise in die Vergangenheit

Ein Fotobuch dokumentiert, wie sich das Aussehen von Laaber gewandelt hat. Es zeigt „nüchtern“ den Einzug der Moderne.
Von Peter Pavlas

Laaber.Die Veränderung macht auch vor Laaber nicht Halt. Das Ortsbild hat sich in den letzten Jahrzehnten gewandelt. Das Buch „Markt Laaber im Wandel der Zeit“ dokumentiert nüchtern, wie sich historische Orte im Markt seit über einem Jahrhundert verändert haben. Der Band ist ab jetzt im Rathaus für 19 Euro zu erwerben.

„Alte Bilder ziehen immer“, hatte Dr. Thomas Feuerer, Kulturreferent des Landkreises, bemerkt, als alte Fotografien des Malers Max Schultze im Landratsamt gezeigt wurden. Der hatte unter anderem den Markt an der Laber durchstreift, um Motive für seine Buchillustrationen zu finden (MZ berichtete). Die Ausstellung war ein Publikumsmagnet.

Gleicher Standort

Offenbar wird in dieser Wertschätzung der Wunsch vieler Menschen, sich festzuhalten und zu erfreuen an etwas Historischem, Heimeligem, Geerdetem in einer Zeit, in der sich Technik, Lebensstil und unsere Umgebung so schnell wandeln wie noch nie zuvor.

Noch in jüngster Zeit habe es in Laaber Winkel gegeben, die sich beim ersten Hinschauen nicht unterschieden vom Anblick, den sie vor 500 Jahren geboten hätten, meinte Bürgermeister Hans Schmid, als er das Buch „Markt Laaber im Wandel der Zeit“ vorstellte. Auf interessante Weise und in geschicktem Layout kombiniert darin Ortsheimatpfleger Karl Hammerl alte Schwarzweiß-Aufnahmen mit Farbfotos, die die Motive jeweils vom selben Kamerastandort zeigen. Diese Idee ist nicht gerade neu, doch bettet der Autor die Bilder ein in die Lebenswirklichkeit der damaligen Bewohner. Deren Namen und Berufe erfährt man, und ortsgeschichtliche Details dazu.

„Dieser Ansatz unterscheidet das Buch von Sammlungen, die beispielsweise Postkarten von jetzt und einst gegenüberstellen.“ In letztere seien nämlich manchmal zur optischen Aufbrezelung des Motivs von Verlagen Staffage-Elemente hineinkopiert worden, die mit dem Ort nichts zu tun gehabt hätten, führte Tobias Hammerl in Vertretung seines erkrankten Vaters aus. Der Historiker und Leiter des Abensberger Museums bot dem Publikum bei der Präsentation sein Fachwissen.

Die historischen Bilder stammen überwiegend von namentlich nicht genannten Fotografen, die in den Jahren 1908 und 1909 durch den Ort zogen. Sie arbeiteten auf Geheiß des königlich-bayrischen Reichsarchivrats Max Josef Neudegger. Der hatte verfügt, dass ein Abzug bei den Hauseigentümern verbleiben sollte, einer öffentlich ausgestellt werde und einer ins Gemeindearchiv wandere.

Nüchterne Dokumente

Nach der Ortssanierung in den 80er-Jahren war diese kommunale Sammlung spurlos verschwunden. Teilweise konnten im Staatsarchiv Amberg Abzüge ausfindig gemacht werden, andere bei Privateigentümern im Markt.

Wer die alten Bilder, oft im Postkartenformat, in Händen hält, ist beeindruckt von der Komposition der anonymen Lichtbildner und der Detailgenauigkeit ihrer Produkte. Über ein Jahrhundert später standen ihnen ihre Kollegen Erich Kuttenberger, Fritz Malaman und Maurizio Sanna in nichts nach. Technisch überzeugend und sauber perspektiv-korrigiert sind ihre Aufnahmen. Ein „Zeitschnitt“ werde erkennbar, so Hammerl, weil beide Serien nüchtern dokumentierten und nichts schönzeichneten. Die Bildpaare zeigen einerseits, wie manche Baukörper seit einem Jahrhundert ihre ausgewogenen Proportionen behalten durften. Oft haben aufwendige Sanierungen durch Eigentümer dafür gesorgt, Überkommenes feinfühlig zu erhalten. Gelegentlich wurde altes Gemäuer zu eng, wie die Pfarrkirche. Zusätzlicher Raum wurde durch die Drehung des Längsschiffes geschaffen. Andere Häuser wurden durch moderne, glatte Zweckbauten ersetzt, und vermeintlich „altes Glump“ wie das Mühltor an der Laber wurde in den 60er-Jahren abgerissen, aus Unachtsamkeit oder Mutwillen, heißt es.

Bei der Vorstellung des Heimatbuches: Bürgermeister Hans Schmid, Fritz Mallaman, Maurizio Sanna, Erich Kuttenberger und Tobias Hammerl. Foto: Pavlas

„Viele einstige Schmuckstücke in Laaber sind verloren gegangen und haben Seelenlosem Platz gemacht“, resümierte Bürgermeister Schmid, als er in der Dokumentation blätterte. Der Markt hatte die Herausgabe des Buches finanziert, das in einer Auflage von 650 Stück erschienen ist. Zweihundert Subskribenten hatten durch ihre Vorbestellung quasi „die Katze im Sack“ gekauft. Dass dies niemand zu bereuen braucht, kann jeder feststellen, der den Band erwirbt.

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