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Sicherheit

Großübung: Chemie-Unfall in Schierling

Die Aufgabe für 200 Feuerwehrler war knifflig: ein 20 000-Liter-Tank mit Lösemittel war leckgelaufen.
Von Fritz Wallner, MZ

Die Aufgabe für 200 Feuerwehrler war knifflig: ein leckgelaufener 20 000-Liter-Tank mit Lösemittel. Doch das Zusammenspiel funktionierte blendend. Unser MZ-Reporter Fritz Wallner war vor Ort.

Schierling.Zum Auftakt der Brandschutzwoche hat die Landkreis-Feuerwehrführung für die zentrale Großübung einen Gefahrgutunfall beim Automobilzulieferer SMP im Schierlinger Gewerbegebiet „Am Birlbaum“ angenommen. Dort sollte ein Tank mit „Hydro-Spülverdünnung“, ein beim Lackieren notwendiges Lösemittel, leck geworden sein. Annähernd 200 Feuerwehrleute aus dem gesamten südlichen Landkreis bargen zusammen mit dem Malteser Hilfsdienst Verletzte, dekontaminierten Mensch und Material.

Die Besonderheit und Ernsthaftigkeit der Situation, der qualifizierte Umgang damit und eine gewisse Anspannung waren Kreisbrandmeister Wilfried Hausler – als Kommandant der Schierlinger Wehr mit 40 Einsatzkräften gleichzeitig auch Einsatzleiter – sowie den angerückten Spezialkräften ins Gesicht geschrieben. „Wenn die Katastrophe kommt, sind wir bereit. Komm, hilf mit“, ist das Motto der Brandschutzwoche und Kreisbrandrat Wolfgang Scheuerer sah darin die Botschaft, dass die Feuerwehr heute zu jeglichen Einsätzen gerufen wird.

Tank mit Lösemittel hatte ein Leck

Außerdem seien aufgrund der Erfahrung der vergangenen Jahre vermehrt auch andere Menschen bereit zum Helfen, doch „helfen will gelernt sein!“, so Scheuerer. Das bewusst zu machen und auch um Nachwuchs zu werben, sei ebenfalls ein Ziel der ganzen Woche. Über 20 Jungfeuerwehrleute aus den 11 Feuerwehren des Marktes Schierling beobachteten das Übungsgeschehen und wurden von Eggmühls Kommandant Alfred Werkmann immer auch im Detail auf dem Laufenden gehalten. Schierlings Bürgermeister Christian Kiendl sah in der gut zweistündigen Übung „einen eindrucksvollen Beweis der qualifizierten Einsatzbereitschaft der Feuerwehren“, für den der Dank nicht groß genug sein könne.

Zum Szenarium: Bei SMP gibt es einen 20 000-Liter-Tank mit einem Lösemittel, dass für das Lackieren Tausender Stoßfänger notwendig ist, die täglich durch rund 650 Mitarbeiter produziert und an die Automobilhersteller Mercedes, BMW und Porsche verteilt werden. Dieser Tank sollte ein Leck habe. Drei Mitarbeiter seien bereits durch die Flüssigkeit verletzt oder ohnmächtig geworden.

Die Alarmierung erfolgte für acht dafür im Alarmplan vorgesehene Feuerwehren. Darunter auch Neutraubling, Pentling und Sünching, die Einsatzkräfte mit einer besonderen Ausbildung bereithalten. Die „Unterstützungsgruppe Örtliche Einsatzleitung“ stand Wilfried Hausler ebenso zur Seite wie der auf Gefahrgut spezialisierte Kreisbrandmeister Manuel Odwody. Teilweise mutete die Übung wie ein futuristischer Weltraumeinsatz an. Die Wehrmänner mit ihren gelben und grünen Chemikalien sowie den gasdichten Schutzanzügen unter denen sich auch Sauerstoffflaschen verbargen leisteten Schwerstarbeit. „Da drunter schaffst du vielleicht 15 oder 20 Minuten, dann musst du raus“, so eine Führungskraft über die Befindlichkeit dieser engagierten Männer.

Arzt- und Sanitätsteam halfen mit

Die Verletzten wurden in Sicherheit gebracht und provisorisch abgespritzt. Bald war die „große Dekontaminations-Kette“ aufgebaut. Kleine Wannen, aufblasbare Kabinen standen bereit, um die Menschen und deren Kleidung gründlich von der Chemie zu reinigen, und schließlich dem Arzt- und Sanitätsteam für die Erstversorgung zugeführen.

Die Einsatzleitung dokumentierte alles, als Text und im Plan. Die Lage des Unglücksortes, der Verletzten und den Ablauf. „Das ist für die Nachbesprechung sehr wichtig“, erklärten Marco Streh und Christoph Sonntag, die aus Steinsberg und Hemau kamen. Unterlaichling war für das Wasser zuständig. Eggmühl und Inkofen unterstützten die Atemschutzträger.

Wilfried Hausler war sehr zufrieden. „Alles hat super geklappt!“, sagte er bei der Abschlussbesprechung. Man habe sich diese Übung sehr zu Herzen genommen, weil sie etwas ganz anderes zum Inhalt hatte als sonst. Beteiligt waren alle 11 Schierlinger Feuerwehren, selbst wenn sie nicht unmittelbar gebraucht wurden. „Sie sollten zuschauen, damit sie wissen, wie sie in einem solchen Fall zuarbeiten können“, so Hausler. Kreisbrandrat Wolfgang Scheuerer dankte besonders den Aktiven für die „sehr schöne Übung“, bei der deutlich wurde, was für eine Menge Platz bei der Bewältigung eines Gefahrgutunfalls gebraucht wird.

Hintergrund

  • Einsatzkräfte:

    Die Feuerwehren aus Schierling, Neutraubling, Sünching, Eggmühl, Inkofen, Unterlaichling, Pentling und Sanding sowie die Unterstützungkräfte und der Malteser Hilfsdienst Oberdeggenbach-Grafentraubach waren Hauptakteure der Übung. Fast die gesamte Feuerwehrführung des Landkreises beobachtete das Geschehen.

  • Material:

    20 Fahrzeuge waren im Einsatz mit ganz unterschiedlichen Schwerpunkten. Die speziellen Schutzanzüge werden im Einzelfall zum Teil nur einmal benutzt und dann entsorgt.

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