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Samstag, 29. April 2017 13° 3

Verkehr

Von der Stadtbahn zur In-die-Stadt-Bahn

Eine Tagung in Schierling präsentierte neue Bahnkonzepte für die Region: Statt der Fahrgäste sollen die Fahrzeuge umsteigen.
Von Fritz Wallner, MZ

Am Bahnhof Eggmühl im Markt Schierling trafen sich rund 70 Mitglieder von Bahnreaktivierungs-Initiativen aus ganz Bayern und befuhren auch einen Teil der Lokalbahn Schierling-Langquaid. Foto: Wallner

Schierling.Bei der Tagung der Bahnreaktivierungs-Initiativen aus ganz Bayern im Feuerwehrhaus Eggmühl kritisierte Robert Wittek-Brix von Lightrail Transit Enterprises (LTE) Heidelberg, dass derzeit in Regensburg nur die Chancen einer künftigen Stadtbahn innerhalb der Stadtgrenzen Regensburgs gutachterlich geprüft würden und die Region außen vor bleibe. Er skizzierte als Alternative die Entwicklung einer umsteigefreien Einbindung der Region in Innerortslagen und gab das Ziel aus: „von der Stadtbahn zur In-die-Stadt-Bahn“.

Wittek-Brix ist einer der Architekten einer künftigen „Stadt-Umland-Bahn“, die von Burglengenfeld bis Schierling/Langquaid – durch die Stadt Regensburg – führen könnte (unser Medienhaus berichtete). Er konkretisierte vor rund 70 Tagungsteilnehmern das System mit alternativen Bedienungsformen, die einen kostengünstigen Betrieb erlauben. Es sei „geradezu absurd“, zu glauben, man müsse nur die Verhältnisse wieder herstellen, die vor der Einstellung von Eisenbahnstrecken herrschten. Die Wiederherstellung einer „Vollbahn“ sei nicht das Ziel, denn aufgrund zu weniger Haltepunkte garantiere sie keine maximale Auslastung und sie sei zu teuer. Eine Lösung seien Citylink-Hybrid-Fahrzeuge im Ein-Mann-Betrieb, die auf den gleichen Gleisen verkehren wie die Fernzüge – und in der Stadt auf das Netz der Stadtbahn wechseln. „Wir lassen die Fahrzeuge umsteigen und nicht die Fahrgäste!“, fasste Wittek-Brix zusammen.

Die Züge in der Region seien da und schon bestellt, doch würden sie derzeit nur um Regensburg herum fahren. Wenn „von außen nach innen“ gedacht werde, müsse nicht 35 Jahre auf die Stadtbahn Regensburg gewartet werden und die Kosten würden nicht 400 Millionen, sondern vielleicht 60 Millionen Euro betragen. Wittek-Brix plädierte leidenschaftlich dafür, die Leute dort abzuholen wo sie wohnen, arbeiten und einkaufen wollen. Die Technologie erlaube es heute, alternative und bessere Bedienungsformen bei geringen Kosten zu erhalten. Das Beispiel der „Stadt-Regio-Tram“ im oberösterreichischen Gmunden belege die Machbarkeit. Das System Stadt-Umland-Bahn Regensburg von Burglengenfeld bis Schierling/Langquaid mit der Chance auf weitere „Flügel“ hielt er Zug um Zug für realisierbar. Der bei der Tagung als Gast anwesende Kreisrat Dr. Rudolf Ebneth hörte das gern, denn seit langer Zeit sei das eines seiner Ziele. Er seufzte aber gleichzeitig: „Das glaubt kaum einer, da rennst du gegen Windmühlen!“

Geschäftsführer Josef Weigl von der Nahverkehrsgesellschaft des Landkreises (GfN) nannte den Schienen-Personennahverkehr das Rückgrat im Raum Regensburg. Dessen Stärkung sei jede Anstrengung wert, doch entscheide die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG), welche Reaktivierungsmaßnahmen vorgenommen werden. Sie bestelle auch die Verbindungen. Dr. Johann Niggl, Sprecher der Geschäftsführung der BEG spielte den Ball zurück und erklärte, dass vor allem die Nachfrage für eine Reaktivierung entscheidend sei, und dass die BEG, deshalb Fahrgastprognosen erstelle. „Wir machen das dort, wo Landkreise sich klar geäußert haben und bereit sind, den Busverkehr an die Schiene anzupassen“, so Dr. Niggl. Es gehe um ein integriertes abgestimmtes Konzept.

Schierlings Bürgermeister und Kreisrat Christian Kiendl sah darin einen klaren Auftrag für die politischen Gremien im Landkreis, Konzepte zu skizzieren und das eindeutige Signal sowohl an die BEG als auch an die Stadt Regensburg auf Reaktivierung und Einbindung zu senden.

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