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Montag, 18. Dezember 2017 5

Verkehr

Einbahnstraße erzürnt Firmenchefs

In der Hochstraße, Tegernheim fahren Autos nur in eine Richtung. Unternehmer fühlen sich ausgesperrt und fürchten um Kunden.
von Michael Sperger, MZ

Das Schild ist Beate Knauer und Andreas Vogl ein Dorn im Auge – es bedrohe ihre Existenz. Foto: Sperger

Tegernheim.Vor gut einer Woche staunten Beate Knauer und Andreas Vogl nicht schlecht, als direkt vor ihrer Nase Einbahnstraßenschilder in der Hochstraße in Tegernheim aufgestellt wurden. „Wir wurden vorher nicht informiert. So kann man doch nicht mit uns Unternehmern umgehen“, sagt Knauer. Denn, um auf den Parkplatz ihres Kosmetikgeschäfts zu kommen, müssen die Kunden seit eineinhalb Wochen einen Umweg von einem knappen Kilometer durch das Wohngebiet auf sich nehmen. „Das macht nur niemand“, klagt sie. Denn seit einer Woche hat sie kaum mehr Kundschaft in ihrem Laden.

Am selben Tag erreichte Knauer und Andreas Vogl, der nebenan ein Finanzberatungsunternehmen leitet, ein Schreiben der Gemeinde Tegernheim. „Ein Anliegerschreiben mit über 100 Unterschriften ist bei der Gemeinde eingegangen. Die Anlieger fordern, das Teilstück zwischen der Thomastraße und Von-Heyden-Straße für einen begrenzten Zeitraum als Einbahnstraße auszuweisen“, heißt es in dem Schreiben. Die Lösung soll der Verkehrsberuhigung und der Verkehrssicherheit dienen. „Einen Schildbürgerstreich“ nennt es Knauer.

Kein Kontakt zur Gemeinde

In den folgenden Tagen suchten die Geschädigten den Kontakt zur Gemeinde Tegernheim. „Doch dort wollte keiner mit uns reden“, sagt Vogl. Der Bürgermeister sei noch im Urlaub und sein Stellvertreter nicht zu sprechen. Die Beiden holten sich Unterstützung von einem Anwalt. „Jetzt läuft ein Prozess für eine einstweilige Verfügung“, erklärt Vogl.

Der Umweg ist knapp einen Kilometer lang. Grafik: MZ-Infografik

Bürgermeister Max Kollmannsberger erläuterte seine Sicht der Dinge gegenüber unserer Zeitung. „Auf Basis des Gemeinderatsbeschlusses vom 3. August wurde die veränderte Verkehrsführung durchgeführt. Wir können nicht jeden Einzelnen fragen.“ Auch auf die Parkplatz-Situation der Geschäfte ging er ein: „Der Parkplatz ist immer noch anfahrbar und der kurze Umweg stellt kein gravierendes Problem dar.“ Für die verspätete Rückmeldung entschuldigte er sich. Er sei im Urlaub gewesen.

Die beiden Unternehmer wollen in der nächsten Woche nochmal das Gespräch mit dem Bürgermeister suchen. „Für mich ist die aktuelle Situation existenzbedrohend“, sagt Knauer, die 14 Mitarbeiter beschäftigt. Auch für mögliche Mietinteressenten für einen Teil ihres 1500 Quadratmeter-großen Grundstücks sei die neue Verkehrsführung eine große Abschreckung.

Andreas Vogl macht seinem Ärgern auch über die firmeneigene Facebook-Seite Luft.

„Außerdem herrscht hier seit einer Woche das totale Chaos“, erklärt Knauer, während sie an der Hochstraße steht. In diesem Moment fährt ein schwarzes Auto in falscher Richtung in die Straße und nutzt den Parkplatz der Unternehmerin als Wendehammer. In der folgenden Stunde tun es ihm fünf Autos gleich.

Auch für Radfahrer gilt die Regelung. Daran halten sich aber nur wenige. Foto: Sperger

„Es ist ganz normal, dass Schilder am Anfang zu spät oder gar nicht gesehen werden. Die richtigen Tafeln sind da und in der nächsten Zeit wird sich das einspielen“, erklärt Kollmannsberger.

„Keine Unfälle bekannt“

Bei der Beschilderung der Übergangs-Einbahnstraße war die Polizei-Inspektion Neutraubling beteiligt. „Wir waren mit Mitarbeitern der Verwaltung vor Ort und haben die Art der Beschilderung geregelt“, erklärt Harald Stadler von der Polizei. Bis jetzt seien ihm keine Unfälle aufgrund der Einbahnstraße bekannt.

Die Gemeinde Tegernheim möchte mit dem Testbetrieb in den nächsten drei bis sechs Monaten herausfinden, welche Vor- und Nachteile die Einbahnstraße bringt. „Dafür haben wir vor der Testphase Verkehrszählungen in der ganzen Gemeinde vorgenommen. In Kürze werden wir das Prozedere wiederholen und die Auswirkungen analysieren“, sagt Kollmannsberger. Solange wollen sich die Unternehmer und manche Anwohner nicht gedulden. „Jeder Tag tut mir und meinem Geschäft richtig weh. Es kommen keine neuen Kunden mehr in den Laden“, sagt Knauer. Deshalb überlege sie, gemeinsam mit Vogl ihrerseits Unterschriften gegen die Einbahnstraße zu sammeln.

Lesen Sie auch: Verkehr und Lärm in der Hochstraße belasten die Anwohner

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