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Montag, 11. Dezember 2017 7

Verkehr

Einbahnstraße spaltet ganzes Wohngebiet

Die Hochstraße bleibt in Tegernheim Thema. Nun melden sich die Befürworter der Initiative der neuen Straßenführung zu Wort.
von Michael Sperger, MZ

Die vorübergehende Straßenführung bereitet nicht nur Beate Knauer Kopfschmerzen. 130 Leute sprachen sich per Unterschrift dagegen aus. Foto: Sperger

Tegernheim.Der Streit um die Einbahnstraße in der Hochstraße in Tegernheim geht weiter. Nach seinem Urlaub traf sich Bürgermeister Max Kollmannsberger am Montag mit den beiden Unternehmern Beate Knauer und Andreas Vogl. „Wir teilten ihm unseren Standpunkt mit und erklärten ihm, wie dringend die Situation ist“, sagt Knauer. Der Bürgermeister nahm sich knapp zwei Stunden für die Anliegen der beiden Bürger Zeit.

Der Umweg beträgt knapp einen Kilometer. Foto: MZ-Infografik

„Er zeigte Verständnis für die Problematik und hat eingesehen, dass die Situation wohl nicht richtig eingeschätzt worden war“, sagt die Unternehmerin. In der Hochstraße waren für eine drei- bis sechsmonatige Testphase vor zwei Wochen Einbahnstraßenschilder aufgestellt worden. Die Gemeinde Tegernheim möchte mit dem Testbetrieb herausfinden, welche Vor- und Nachteile die Einbahnstraße bringt. Der Weg auf die Parkplätze der Unternehmer verlängerte sich so um einen knappen Kilometer – Kunden blieben fern. „Die aktuelle Situation ist nicht zielführend. Aber auch als Bürgermeister habe ich keine Möglichkeit, den Beschluss des Gemeinderats zu übergehen“, erklärt Kollmannsberger.

„Gemeinde nicht weggeduckt“

Jürgen Beier, 2. Bürgermeister, der in den vergangenen Wochen Kollmannsberger vertrat, stellte gegenüber unserer Zeitung klar, dass er den Beschwerden in den vergangenen Wochen aus seiner Sicht keinesfalls ausgewichen sei. „Ich habe erläutert, dass ein Gemeinderatsbeschluss umzusetzen ist und ein Bürgermeister da keinen Handlungsspielraum hat. Frau Knauer hat ihre Bedenken schriftlich geäußert.“ Die Betroffenen sehen das anders. Auf sie sei vor dem Beschluss niemand zugegangen und auch danach keiner zu sprechen gewesen, sagen Knauer und Vogl.

Die Einbahnstraße wird zum Teil von den Autofahrern ignoriert. Foto: Sperger

Beier erklärt weiter: „Persönlich konnte ich sie leider nicht erreichen. In der Verwaltung waren immer Ansprechpartner zugegen, die die zahlreichen Fragen und Beschwerden auch entgegengenommen haben. Die Gemeinde hat sich nicht weggeduckt, sondern in zahlreichen Gesprächen die Hintergründe erläutert.“

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Der Gemeinderatsbeschluss, von dem Beier spricht, wurde durch eine Unterschriften-Aktion von Anwohnern herbeigeführt. 109 Leute unterschrieben für die Einbahnstraße in der Hochstraße. Jetzt sprach eine der Initiatoren der Unterschriftenaktion mit unserer Zeitung. „Wir wollten mit unserem Antrag nicht das Wohngebiet im Streit entzweien. Uns ist einfach die Sicherheit der Anwohner ein Anliegen“, erklärt die Frau, die nicht namentlich genannt werden möchte. „Viele Leute rasen durch die Tempo-30-Zone und gefährden so die Anwohner“, sagt sie. In den ersten zwei Wochen habe sich der Feierabendverkehr im Wohngebiet schon merkbar verbessert und es sei ruhiger geworden. Sie plädiere für mehr Sicherheit, die Aufteilung des Verkehrs sowie die Wiederherstellung der Wohnqualität in der Siedlung. Viel mehr wollte sie gegenüber unserer Zeitung nicht sagen.

Die Anliegen der besorgten Anwohner

  • Mehr Sicherheit:

    Durch den vielen Verkehr sehen Vertreter der Anwohner, die eine Unterschriftenaktion initiiert haben, die Sicherheit auf den Straßen nicht mehr gewährleistet. „Viele Autos fahren mit überhöhter Geschwindigkeit durch das Wohngebiet. Besonders für Kinder und ältere Menschen muss Sicherheit gegeben sein“,sagt die Initiatorin der Unterschriftenaktion.

  • Verkehr aufteilen:

    Da die Straßen als Umleitung für Staus auf der Hauptstraße genutzt werden, soll nach Meinung der Initiatoren der Verkehr auf das gesamte Gebiet verteilt werden. Stadteinwärts kann weiter die Hochstraße genutzt werden, stadtauswärts müssen andere Straßen den Verkehr aufteilen.

  • Wohnqualität wiederherstellen:

    Der Lärm, den die Autos und Lastwagen erzeugen, geht den Anwohnern gehörig auf die Nerven. Besonders abends sei der Status eines Wohngebiets nicht mehr gegeben. Der Verkehr ähnele einer zweiten Hauptstraße.

„Wir sind uns sicher, dass die Einbahnstraße keine Besserung bringt“, sagt Knauer. Und sie sind mit ihrer Meinung nicht allein. Erzürnte Anwohner sammelten in den vergangenen Tagen ihrerseits Unterschriften gegen die Einbahnstraße und kamen laut Knauer auf über 130 Zustimmende. „Um den Befürwortern der Einbahnstraße zu beweisen, dass die aktuelle Lösung nicht zielführend ist, sind auch Verkehrsmessungen im Gespräch“, erklärt sie. Diese sollen dann in der außerordentlichen Sitzung des Gemeinderats Tegernheim am 23. November präsentiert werden. Dort soll die Problematik ein weiteres Mal besprochen werden. Die Sitzung ist öffentlich, zu Wort kommen die Geschädigten aber nicht.

„Lösung für beide Parteien“

„Wir müssen eine Lösung für beide Parteien finden“, sagt Kollmannsberger kompromissbereit. Die aktuelle Situation sei aus seiner Sicht für Knauer existenzbedrohend. Er könne aber die Schilder nicht einfach von heute auf morgen eigenhändig abhängen. Er könne sich aber nach dem aktuellen Stand der Dinge vorstellen, für eine Unterbrechung des Versuchs im Gemeinderat zu stimmen. „Ich habe aber nur eine Stimme. Entschieden ist deshalb noch nichts.“

Knauer und Vogl sind froh, dass der Bürgermeister ein offenes Ohr für sie zeigt. Die Zeit bis zur Gemeinderatssitzung sei dennoch schwierig. Knauer erklärt: „Welches Unternehmen kann einfach so einen Monat lang auf einen Großteil des Umsatzes verzichten?“ Die Hoffnung bei den Unternehmern in der Hochstraße, dass in gut zwei Wochen der Alptraum der beiden Unternehmer ein schnelles Ende nehmen wird, sei wieder gewachsen.

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