mz_logo

Gemeinden
Freitag, 24. Juni 2016 32° 2

Wissenschaft

Forscher kommt ohne Tierversuche aus

Dr. Bernd Beckers Wiesenter Unternehmen erhielt dafür den Preis einer Schutzorganisation. Der Biologe untersucht Hautcremes.

Dr. Bernd Becker arbeitet für die breitgefächerte Industrie, die Hautcremes auf den Markt bringt. Foto: Schießl

Wiesent.Dr. Bernd Becker, der seit gut zwei Jahren in Wiesent lebt, ist in der Erfolgsspur. Der 48-jährige Biologe, der lange an der Regensburger Universitätsklinik gearbeitet hatte, hat sich in seiner Funktion als Ein-Mann-Unternehmen einen soliden Ruf geschaffen, der sich in der Industrie der Hautcremes längst herumgesprochen hat. Er entwickelt für die Hersteller von Hautcremes und -mittel Untersuchungen, bei denen die Wirkungsweisen der Produkte ganz ohne Tierversuche getestet werden. „Das boomt schon fast“, sagt der bescheidene Wissenschaftler. Zu seinen Kunden zählen namhafte Kosmetik-Hersteller und Pharma-Firmen aus mehreren Ländern.

Erst vor kurzem bekam die Firma einen namhaften Preis dafür, dass die Forschung ganz ohne Tierversuche betreiben wird. „Ich bin mit dem PETA Progress Award 2014 für die Anwendung tierversuchsfreier Tests der Wirksamkeit und Verträglichkeit von kosmetischen und pharmazeutischen Produkten ausgezeichnet worden“, freut sich der Wiesenter. Die Organisation, die den Preis vergaben hat, hat es sich zum Ziel gesetzt, den Schutz der Rechte aller Tiere zu verbessern.

Seit 2013 selbstständig

Dr. Bernd Becker wurde in Herford bei Bielefeld geboren, wo er ein humanistisches Gymnasium besuchte. Anschließend wagte er den Schritt, in Berlin Biologie zu studieren. „Das hat mich schnell gepackt“, erzählt der Wissenschaftler heute. Sein Traum war es, die Forschung am Menschen zu begleiten. Schon in seiner Doktorarbeit, die er an der Universität und am Max-Planck-Institut für Immunbiologie in Freiburg bei dem Nobelpreisträger George Köhler machte, widmete er sich diesem Thema. „Ich hörte dann, dass die dermatologische Klinik der Universität Regensburg eine interessante Stelle ausgeschrieben hatte, bewarb mich und bekam den Zuschlag“, sagt Dr. Bernd Becker. Acht Jahre lang leitete er das Forschungslabor in der Dermatologie. In der Regensburger Uni ist auch das Institut für Humangenetik angesiedelt, die Zusammenarbeit mit dieser Einrichtung intensivierte Dr. Becker schnell. Zunächst war er dann in Diensten der Humangenetik und später bei zwei weiteren Firmen.

Schließlich wagte der Biologe 2013 den Schritt in die Selbstständigkeit. Bekannt wurde der Mann aus Nordrhein-Westfalen auch durch eine Buchveröffentlichung und viele Fachvorträge, die fast allesamt mit Forschungen zu Haut-Themen zu tun hatten. „Irgendwie kam ich auf die Haut, sie wurde mein Thema“, sagt der 48-Jährige.

Bald beschäftigte er sich nur noch mit der menschlichen Haut. Sei es der Hautkrebs, bei dem im Gegensatz zu anderen Krebsarten kein Arzt sagen könne, wie er sich entwickle, oder seien es die einzelnen Vorgänge, die sich im molekularbiologischen Bereich abspielen, alle Daten und Auswertungen führte sich der Wissenschaftler zu Gemüte. Er stieß auf die Hautmodelle, „bei denen auf einem halben Quadrat-Zentimeter Größe faszinierende Details ablaufen“, wie er längst herausgefunden hat.

„So eine Arbeit kann schon bis zu vier Wochen dauerrn!“

Dr. Bernd Becker

Als sein berufliches Standbein stellte sich schnell die Erprobung von Hautmitteln heraus. Der Wiesenter gründete eine Firma, die sich Molcare-Consulting nennt. Das Ein-Mann-Unternehmen hat seinen Sitz in Wiesent. „Auf den Namen kam ich bei einer medizinischen Behandlung in der Schweiz“, erzählt Dr. Bernd Becker. Das sei wie ein Traum gewesen, von einer Sekunde auf die andere habe er gewusst, müsse sein weiteres berufliches Leben ablaufen und so schnell kam er auch auf den Namen. Der Wiesenter berät die Interessenten zunächst, erstellt einen Projektplan für die Auswahl der Methoden, identifiziert die zu testenden Wirkstoffe, bestimmt die Testabsichten, ehe dann ein wissenschaftlicher Abschlussbericht erstellt wird. „Alles in allem kann so eine Arbeit bis zu vier Wochen dauern“, sagt der Diplom-Biologe. Acht bis zehn Stunden sitze er täglich an seinem PC. Aber seine Tätigkeit bereite ihm große Freude, sagt er.

Die Zusammenarbeit funktioniert

Die Versuche selbst würden natürlich nicht in Wiesent von statten gehen. „Das würde meinen Rahmen bei weitem sprengen“, sagt der. Er machte sich auf die Suche und fand zwei namhafte Partnerlabore in Münster und Stuttgart. „Die Zusammenarbeit mit diesen funktioniert perfekt, wir tauschen uns fast täglich aus“, schwärmt der 48-Jährige. Auf der Hut sein müsse man aber vor der Konkurrenz, vor allem im Ausland. „Man darf von seiner Arbeitsweise nur sehr wenig bekannt geben“, hat Dr. Becker längst gelernt. Denn es könne schon mal vorkommen, dass Billig-Anbieter aus Ländern wie Bulgarien oder der Ukraine auftauchten und versuchten, die Aufträge wegzuschnappen. „Sowas habe ich vor kurzem erst erlebt“, sagt der Wissenschaftler.

Weitere Nachrichten aus Wörth finden Sie hier.

Der „tierische Fortschritt“

  • Auszeichnung:

    Dem Unternehmen von Dr. Bernd Becker wurde der PETA Progress Award verliehen. Der Wiesenter wurde in der Laudatio als tierfreundlichster Wissenschaftler bezeichnet. Die PETA ist eine internationale Organisation, die sich den Schutz der Rechte aller Tiere zur Aufgabe gemacht hat. Wörtlich heißt es in der Begründung weiter, „Ihre Arbeit unterstützt die Abschaffung von qualvollen, unnötigen Tierversuchen. Sie weisen unsere Mitmenschen auf Tierschutzthemen hin und tragen zu einem ethischen Lebensstil in unserer Gesellschaft bei. Mit dem PETA Progress Award zeichnen wir Sie führ Ihren innovativen und fortschrittlichen Beitrag zum Tierschutz in der Wissenschaft, für Ihre Kreativität und Ihre Freundlichkeit aus!“

  • Begründung:

    „Mit Ihrem Unternehmen Molcare Consulting haben Sie es sich zur Aufgabe gemacht, tierversuchsfreie dermatologische Tests zur Wirksamkeit und Verträglichkeit von kosmetischen und pharmazeutischen Produkten durchzuführen. Daneben arbeiten Sie auch an der Entwicklung von Produkten, die eine dermatologische Überprüfung erfordern, wie beispielsweise Nahrungsergänzungsmitteln. Ihren Kunden garantieren Sie ausnahmslos tierversuchsfreie Tests mit Hilfe von 3-D-Hautmodellen und Zellkulturen.“

  • Verleihung:

    PETA Progress Awards werden jedes Jahr für hervorragende tierfreundliche Leistungen in verschiedenen Bereichen wie Literatur, Wissenschaft, Kultur, Gastronomie und öffentliche Verwaltung verliehen.

Kommentare (0) Regeln Unsere Community Regeln

Anmelden

Hinweis: Bitte schützen Sie Ihr Konto auf öffentlichen Geräten, indem Sie sich nach der Nutzung im Profil-Bereich abmelden.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht