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Donnerstag, 17. August 2017 28° 2

Historie

„Trostfrau“ mahnt zum Frieden

Eine Statue erinnert im Wiesenter Nepal-Pavillon an die Zwangsprostituierten in Fernost. Eines des Opfer kam zur Einweihung.
Von Stefan Gruber, MZ

  • Jeom-soon Ahn nahm neben der Bronzefigur Platz. Die 90-Jährige war während des Kriegs selbst zur Prostitution gezwungen worden. Foto: Gruber
  • Margit Wirth (rechts) begrüßt Jeom-soon Ahn im Nepal-Himalaya-Pavillon. Foto: Gruber

Wiesent.Zärtlich gleiten Jeom-soon Ahns Finger über die kalte Schulter von SuNi. Für einen kurzen Moment huscht ein zufriedenes Lächeln über das sonst so ernste Gesicht der 90-Jährigen. Die unvorstellbare Leidensgeschichte der alten Dame aus Korea erfährt an diesem grauen Märztag im Nepal-Himalaya-Pavillon wenigstens eine symbolische Genugtuung. SuNi, die lebensgroße Bronzefigur einer jungen Frau, die mit starrem Blick auf einem Stuhl im Asiengarten des botanischen Parks Platz gefunden hat, soll an das Leid von Jeom-soon Ahn und der vielen „Trostfrauen“ Koreas erinnern. Sie wurden im Zweiten Weltkrieg von den japanischen Besatzern auf brutalste Weise zur Prostitution gezwungen. Rund 60 dieser Friedensstatuen mahnen die Menschen heute weltweit, die Gräuel des Kriegs nicht zu vergessen und sich für Frieden einzusetzen. Die erste Bronzefigur in Europa steht jetzt im Nepal-Himalaya-Pavillon bei Wiesent (Lkr. Regensburg).

Hunderttausende verschleppt

Geschätzt 100 000 bis 300 000 Mädchen und Frauen hatten im Zweiten Weltkrieg in den von Japan besetzten Gebieten das unsägliche Schicksal von Jeom-soon Ahn geteilt. Die meisten Opfer, die in Bordellen unter grausamsten Bedingungen den japanischen Soldaten zu Willen sein mussten, stammten aus Korea und China, aber auch aus Indonesien, Malaysia, Taiwan und von Philippinen.

Mit einer schamanischen Zeremonie wurde die SuNi genannte Plastik offiziell eingeweiht. Foto: Gruber

Die politische Aufarbeitung eines der dunkelsten Kapitel japanischer Geschichte ließ lange auf sich warten. Am 28. Dezember 2015 schlossen Japan und Südkorea ein Abkommen, mit dem beide Staaten den Streit um die Trostfrauen beilegen wollten. Japan erklärte sich zu einer öffentlichen Entschuldigung sowie der Zahlung von einer Milliarde Yen (7,56 Millionen Euro) für einen Fonds bereit, der den Opfern zugutekommen soll. Zu diesem Zeitpunkt lebten in Korea noch 46 der damaligen Trostfrauen.

Die öffentliche Erinnerung an das Leid der Trostfrauen führt trotzdem bis heute zu diplomatischen Verwicklungen. Ein in Südkorea in Privatinitiative gegründetes Komitee hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Geschichte wachzuhalten. Die erste Statue zum Gedenken an die „Trostfrauen“ wurde erst vor einigen Jahren vor der japanischen Botschaft in Seoul aufgestellt. Als die Stadt Freiburg im Breisgau 2016 von ihrer koreanischen Partnerstadt Suwon ein gleiches Denkmal als Geschenk angeboten bekam, folgten ebenfalls diplomatische Kontroversen. Freiburg pflegt seit Jahren auch eine Partnerschaft mit der japanischen Stadt Matsuyama. Letztendlich lehnte die Stadt das Geschenk ab.

Lesen Sie auch: Der Regensburger Heribert Wirth holte den Nepal-Himalaya-Pavillon von der Weltausstellung in Hannover nach Wiesent.

Standortsuche führte nach Wiesent

Als Peter (Bop-U) Stabnau, der Leiter des Won-buddhistischen Tempels in Regensburg, von der gescheiterten Suche nach einem Standort für die Statue erfuhr, brachte er den Nepal-Himalaya-Pavillon in Wiesent ins Gespräch. Heri und Margit Wirth, die Gründer der einzigartigen Anlage vor den Toren Regensburgs, zeigten sich sofort aufgeschlossen. Innerhalb weniger Wochen stand fest: SuNi (koreanisch für „braves Mädchen“) – so der Name für die Statue, den Stabnaus koreanische Frau Song Chou fand – wird ihren Platz im Asiengarten finden. „Für uns ist die Bronzeskulptur ein klares Zeichen für den Frieden“, sagt Heri Wirth.

Der Nepal-Himalaya-Tempel in Wiesent. Foto: Gruber

Mehr als 100 Koreaner hatten zur Einweihungsfeier den Weg nach Wiesent gefunden. Auch Vertreter der Stadt Suwon begleiteten die greise Jeom-soon Ahn auf der Reise nach Europa. Margit Wirth begrüßte die Gäste: „Wir erinnern uns heute an unsere Mütter und Großmütter, die das Land nach jedem Krieg wiederaufgebaut haben. Aber auch sie konnten nicht verhindern, dass sie und ihre Töchter zu einer Ware wurden, die man benutzte, beschmutzte und dann wegwarf.“ Die Skulptur solle an den Schmerz, die Demütigung und das Unrecht erinnern, das diese Mädchen und Frauen auf der ganzen Welt erleiden mussten und noch immer müssen. „SuNi soll hier im Park ein Denkmal für Frieden und Versöhnung sein.“

Heri Wirth erläuterte den Gästen aus Fernost die tiefere Bedeutung des Asiengartens, der vor drei Jahren unter dem Motto „Brücken verbinden“ entstanden sei. An der Stelle, an der die Bronzestatue ihren Platz gefunden habe, sei bis vor kurzem eine 300 Jahre alte Buche gestanden – bis sie ein Sturm entwurzelt habe. „Das ist der schönste Platz für SuNi in unserem Park“, sagt Wirth. Schon in zwei Monaten werde hier ein Meer von Blumen das Mahnmal umgeben.

Lesen Sie außerdem: Im Sommer 2016 wütete Sturm am Wiesenter Nepal-Pavillon. Rund 60 Bäume knickte der Orkan um.

Mit einer schamanischen Zeremonie wurde die Friedensstatue dann eingeweiht. Zwei im Boden eingelassene Steintafeln erläutern Historie und Symbolik. So soll der kleine Vogel auf SuNis Schulter die Verbindung zu den Verstorbenen darstellen. Der als Mosaik im Boden gestaltete Schatten hinter der Figur solle zeigen, dass die Zeit das junge Mädchen zu einer alten Frau werden ließ. Der freie Stuhl neben SuNi symbolisiert die Verlassenheit. Er soll einladen zum meditativen Verweilen. Jeom-soon Ahn nahm diese Gelegenheit dankbar an. Ihr Wunsch an alle Menschen: „Mögen wir und unsere Nachfahren immer in Frieden leben.“

Der Nepal-Himalaya-Pavillon

  • Öffnungszeiten:

    Die Anlage ist in diesem Jahr vom 1. Mai bis 3. Oktober jeweils an den ersten Samstagen im Monat (im August jeden Samstag) von 13 bis 17 Uhr, jeden Sonntag von 13 bis 18 Uhr und jeden Montag und an Feiertagen von 13 bis 17 Uhr geöffnet.

  • Eintritt:

    Erwachsene zehn Euro, Kinder ab sechs Jahren und Jugendliche bis 16 Jahre zahlen zwei Euro. Der Erlös der Eintrittsgelder geht in die Stiftung „Wasser für die Welt“, die Hilfsprojekte in vielen Ländern der Erde unterstützt.

  • Weitere Informationen

    Weitere Infos finden sich unter www.nepal-himalaya-pavillon.de

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