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Asyl: Rosenhof muss nachrüsten

Sollte das Gebäude in Wörth später noch einmal Flüchtlinge beherbergen dürfen, müsste baulich einiges geschehen.
von Walter Schiessl, MZ

  • Im ganzen Gasthof Rosenhof gibt es keine Außentreppe, über die in einem Notfall Menschen gerettet werden könnten. Fotos: Schießl, Schmid
  • Bei einer Feuerwehrübung wurde unlängst Personenrettung über die Drehleiter geübt.
  • Der Pfatterer Landgasthof Fischer hat längst eine Außentreppe. Foto: lum

Wörth.Fehlende Brandschutzeinrichtungen dürften ein Grund dafür sein, dass das Hotel Rosenhof am 31. Januar als Beherbergungsbetrieb für Flüchtlinge schließen muss. Das in den 60er Jahren errichtete Gebäude mit seinen 75 Zimmern besteht aus zwei Teilen, in beiden gibt es nur jeweils eine Innen-Treppe, die ins Freie führt. Außentreppen, wie sie für größere Betriebe gesetzlich vorgeschrieben sind, sind dort bislang nicht vorhanden.

Erst dieser Tage ließ sich Cemal Akkaya, der Hotelbesitzer, ein Brandschutzgutachten erstellen, das unter anderem zwei separate Zugänge pro Bauteil fordert. Das größere Problem, so war aus dem Rosenhof zu hören, ist das Finden eines Architekten, der Zeit hat und sich auch den aufwendigen Umbau zutraut. „Wir sind auf der Suche, denn wir wollen nach dem Umbau wieder als Unterkunft für Flüchtlinge beginnen“, war von der Betreiber-Seite zu hören. Angesprochen worden auf den zu geringen Brandschutz sei man vom Landratsamt, der Bauaufsichtsbehörde, in allen den Jahren nicht, sagte er.

„Sozial verträglicher Status“

Die Regierung und das Landratsamt genehmigten die Erlaubnis für das Unterbringen von Asylbewerbern nur noch bis 31. Januar. Der Vertrag dafür wäre eigentlich schon am 31. Dezember ausgelaufen, aber man wolle – wie es Regierungspressesprecher Markus Roth formulierte – genügend Zeit haben, um die Umquartierung der 110 Flüchtlinge auf einem sozial verträglichen Status abwickeln zu können.

„Der Eigentümer lässt derzeit ein Konzept erstellen!“

Landkreis-Pressesprecher Hans Fichtl

Der Grund für das „Nein“ der Behörden ist neben dem teilweise fehlenden Brandschutz auch die geänderte Abrechnung durch die Behörden. „Im nächsten Jahr gibt es keine Kopf-Pauschalen mehr“, sagte Roth weiter, die Abrechnung erfolge dann über den Quadratmeter. Dazu seien aber für Gemeinschaftsunterkünfte auch besondere Vorgaben zu erfüllen wie etwa die Zurverfügungstellung von sieben bis neun Quadratmetern Wohnfläche für jede Person, die Schaffung von Gemeinschaftsräumen, von geeigneten Sanitärräumen, einer Abwascheinrichtungen und Arbeitsplatten für die Speisezubereitung. Weiter müsse das Personal für Reinigungs-, Instandhaltungs- und Instandsetzungsarbeiten vom Betreiber bereitgestellt sein. Dieses müsse ausreichend für die Arbeit mit Flüchtlingen geschult sei. Ein Sozialarbeiter sei bei bis zu 70 Wohnheimplätzen einzustellen und dafür sei auch ein Beratungszimmer zur Verfügung zu stellen.

„Für uns ist jetzt der Betreiber am Zug“, sagte Regierungs-Pressesprecher Markus Roth, er müsse seine Nutzungsänderung planen und einreichen lassen, im Falle, dass er als Beherbergungsbetrieb weiter machen wolle. In die Baupläne seien die räumlichen Veränderungen sowie der Brandschutz einzuarbeiten.

Ein Brandschutzsachverständiger sagte zu unserem Medienhaus, zwei Außentreppen seien auf alle Fälle bei jedem Gebäudeteil des dreistöckigen Hotels erforderlich sowie der Einbau von Brandschutztüren, die sich im Ernstfall automatisch schließen müssten, aber von innen zu öffnen seien. Das Gesetz, die Musterbauordnung schreibe vor, dass für Nutzungseinheiten in jedem Geschoss mindestens zwei voneinander unabhängige Rettungswege ins Freie vorhanden sein müssen.

Das Landratsamt stellt fest, dass der Brandschutz in dieser Unterkunft gewährleistet war und ist. Im Falle der erneuten Aufnahme des Betriebes als Asylunterkunft (über den 31.01.17 hinaus und ob als sog. dezentrale Unterkunft oder auch als Gemeinschaftsunterkunft) sind Ertüchtigungen beim Brandschutz angestrebt.

Ein Konzept wird erarbeitet

Derzeit werde vom Eigentümer über ein beauftragtes Büro ein Brandschutzkonzept erarbeitet, sagt Landkreis-Pressesprecher Hans Fichtl. Nach Vorliegen dieses Konzeptes könne beurteilt werden, ob und welche konkreten Maßnahmen in Bezug auf den Brandschutz erforderlich wären.

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Kommentar

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Der Rosenhof

  • Kauf:

    Cemal Akkaya erwarb den Rosenhof 2008 für 380 000 Euro, nachdem die Betreiber Konkurs angemeldet hatten. Er war der einzige Bieter beim Konkursverfahren vor dem Regensburger Vollstreckungsgericht.

  • Neuerung:

    Im März 2012 kamen die ersten der Asylbewerber in den Rosenhof, Cemal Akkaya begann mit 15 Flüchtlingen. In den Folgemonaten erhöhte sich die Zahl immer mehr, im vergangenen Jahr zählte man 130 Asylbewerber aus gut 25 Nationen, die in den teilweise sehr kleinen Zimmern untergebracht sind.

  • Ende:

    Regierung und Landratsamt untersagten einen Weiterbetrieb in dieser Form nach dem 31. Januar. Zunächst müsse Akkaya eine Nutzungsänderung beantragen und die räumlichen Voraussetzungen dafür schaffen.

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