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Sonntag, 23. Juli 2017 25° 8

Politik

Geplante Flutpolder erhitzen die Gemüter

Bei einer Informationsveranstaltung machten die Bürger ihrem Unmut Luft. Am Ende gab es einen Eklat.
Von Sebastian Schmid, MZ

Für große Beteiligung der Bürger sorgen die Polderpläne im östlichen Landkreis. Unser Archivbild zeigt Josef Feuchtgruber, Leiter des Wasserwirtschaftsamts, bei einem Termin in Wörth. Foto: Jaumann

Wörth.Viele Fragen besorgter Bürger blieben unbeantwortet auf dem Hochwasserdialog, zu dem das Wasserwirtschaftsamt eingeladen hatte. Mehrere Dutzend Betroffene waren in die Aula der Wörther Mittelschule gekommen, um sich zu informieren und ihrem Unmut Luft zu machen. „Es soll heute um den Einzelbürger und seine Befürchtungen gehen“, sagte Bettina Dreiseitl-Wanschura, von der tatwort GmbH, die den Dialog moderierte.

Wörths stellvertretender Bürgermeister Josef Schütz ergriff das Wort und stellte fest: „Unser Vertrauen in die Politik ist nachhaltig gestört. Wir haben den Eindruck, dass die Entscheidungen zu den Poldern am grünen Tisch fallen.“ Damit traf er den Nerv der Gäste. Er kritisierte auch, dass ein Treffen mit Professor Andreas Malcharek, das Dienstag geplant war, ausfallen musste. „Dieser Termin hätte schon vor langer Zeit stattfinden müssen!“, sagte Schütz.

Auch einige Bürger kamen zu Wort und nutzten die Gelegenheit, ihre Bedenken vorzubringen: „Dem Donauausbau sind schon ganze Bauernhöfe zum Opfer gefallen“, kritisierte Josef Zimmerer. „Alle Vereinbarungen, die damals getroffen wurden, sollen jetzt nichts mehr wert sein?“ Heinrich Weigl wollte wissen, unter welchen Bedingungen der Polder geflutet würde und wer diese Entscheidung trifft. „Unser Gebiet ist seit Jahren hochwasserfrei! Wir wollen diesen Wasserparkplatz nicht“, fügte er hinzu.

Josef Feuchtgruber, Leiter des Wasserwirtschaftsamts, bemühte sich, die Fragen zufriedenstellend zu beantworten. Für ihn stand im Vordergrund der Veranstaltung, die Fragen zu sammeln, um zu wissen, wo noch Informationsbedarf herrscht. Zu diesem Zweck sollten Bürger ihre Befürchtungen auf Karten schreiben, die dann verlesen wurden. Diese Stichpunkte dienen dem Büro tatwort als Ausgangslage für einen weiteren Dialog.

Da viele Aspekte noch geklärt werden müssen und noch in der Planung sind, konnte er nicht immer die gewünschten Antworten liefern, sehr zum Ärger der Bürger. „Seit zehn Jahren wiederholen wir unseren Standpunkt. Es wäre mehr als genug Zeit gewesen, die Dinge zu prüfen“, erboste sich Stefan Kramer. „Dieser Dialog findet nicht auf Augenhöhe statt. Uns werden Informationen vorenthalten.“

Einige Teilnehmer bemängelten, dass kein Jurist vor Ort war, der Fragen zu den Entschädigungen hätte beantworten können. Kurz vor Ende der über dreistündigen Veranstaltung kam es zum Eklat, als fast alle Gäste den Raum verließen. „Wir wollen uns nicht mehr anlügen lassen!“, war der einhellige Tenor des aufgebrachten Plenums. Es ging um das hydrologische Gutachten von Professor Andreas Malcharek, demzufolge der Grundwasserspiegel in der Region um Wörth seit dem Donauausbau angestiegen ist und möglicherweise durch die Polder weiter steigen könnte.

Es herrschte keine Einigkeit, welche Daten für diese Prognose benutzt wurden, und ob diese Zahlen belastbar sind. Für Josef Feuchtgruber ist das Ende der Veranstaltung unglücklich ausgefallen: „Es gab Halbwahrheiten auf beiden Seiten.“ Weiterhin gelte die Aussage, dass die Polder nicht gebaut werden, falls sich bei der Flutung eine Benachteiligung der anliegenden Ortschaften ergeben würde. Derzeit wird daran gearbeitet, Unklarheiten zu beseitigen und alle Beteiligten an einen Tisch zu bringen. Landrätin Tanja Schweiger war auch nach Wörth gekommen, um ihre Solidarität zu zeigen. „Manchmal herrscht Resignation, denn die Staatsregierung versucht uns ein Ei zu legen“, sagte sie.

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