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Natur

Die Schwammerlpäpste der Nation kommen

Im Landkreis Regensburg machen sich Experten aus ganz Deutschland in dieser Woche auf die Suche nach neuen Pilzarten.
Von Michael Sperger, MZ

Helmut Zitzmann, Regensburgs „Schwammerlpapst“, tütet seinen jüngsten Fund ein. Der nächste Pilz wartet schon in Sichtweite. Fotos: Sperger

Zeitlarn.Schwammerl sind eine Philosophie für sich. Schon beim gemeinen Pilzfan gehen die Meinungen bezüglich der besten Plätze, der idealen Zeiten bis hin zur köstlichsten Zubereitung weit auseinander. Einen Schritt weiter in die Materie gehen die Mykologen. Diese „Pilz-Wissenschaftler“ haben es sich zur Aufgabe gemacht, möglichst viele verschiedene Schwammerl zu finden und deren Arten zu bestimmen. Diese Woche treffen sich Mykologen aus ganz Deutschland in Zeitlarn zur 11. Bayerischen Mykologischen Tagung.

Schwammerlpäpste aus ganz Deutschland treffen sich zur Zeit in Zeitlarn – mit dabei der Regensburger Helmut Zitzmann. Video: Sperger

„Das aktuelle Wetter ist ideal für unsere Veranstaltung. Die Schwammerl wachsen gerade in Massen in den Wäldern um Regensburg“, erklärt Helmut Zitzmann. Der Regensburger Hobby-Mykologe organisiert die Veranstaltung mit der Pilzkundlichen Arbeitsgemeinschaft Ostbayern.

Aus Hamburg oder Sachsen

Die weitesten Anreisen haben Gäste aus Sachsen, dem Saarland oder sogar Hamburg, erzählt Zitzmann, der „Schwammerlpapst“ Regensburgs. Sie treffen sich aber nicht, um gemeinsam Pfifferlinge und Steinpilze zu suchen und diese danach festlich zu verspeisen. Die „Schwammerlpäpste“ lassen alltägliche Pilzsorten meist sogar stehen. „Wir interessieren uns alle besonders für spezielle Pilze, die es nicht an jeder Ecke gibt. Die meisten Mykologen spezialisieren sich sogar auf eine bestimmte Gattung“, sagt Zitzmann.

„Wenn ich einen schönen Steinpilz sehe, packe ich den auch mal ein“

Helmut Zitzmann, Schwammerlexperte

Deshalb sehen die Körbe der Pilzexperten nach dem morgendlichen Ausflug in den Kelheimer Forst sehr verschieden aus. Während bei Zitzmann die kleinen Pilze die meiste Aufmerksamkeit bekommen, sind es bei anderen Kollegen eher die großen Schwammerl. „Aber, wenn ich einen schönen Steinpilz sehe, packe ich den auch mal ein“, gesteht Zitzmann. Doch der Verzehr sei nach und nach in den Hintergrund gerückt.

Weitere Eindrücke vom Tag der Experten in den Schwammerln und spannende Funde sehen Sie in unserer Bildergalerie.

Die Suche der Schwammerlpäpste

Vielen seiner Kollegen ging das ebenso. Aus dem gelegentlichen Pilzesammeln wuchs das Interesse für die Materie. Etwas anders war es bei Richard Kellner aus Siegsdorf bei Traunstein. Schon in seiner Jugend in den 50er Jahren sammelte er auf seinem langen Schulweg Pilze – zum Geldverdienen nach dem Krieg. Und aus der Not wuchs seine Neugier. „Es lag ein Kloster auf dem Weg. Dort habe ich viel über die Pilze nachgefragt und einiges gelernt. Dann habe ich mich auch mit Büchern gebildet“, erzählt Kellner. Das Hobby nahm seinen Lauf und später legte Kellner sogar die Prüfung als Pilzsachverständiger ab.

In der Pilz-Szene kennt man sich. Wenn Zitzmann einen besonderen Fund macht, mit dem er sich zu wenig auskennt, hat er immer einen Kontakt parat. Denn irgendwer ist immer Experte für die jeweilige Gattung. Einmal im Jahr kommen die Spezialisten an wechselnden Orten in Bayern zur Tagung zusammen. Dieses Jahr findet diese in Zeitlarn statt.

In kleinen Experten-Gruppen ging es in den Wald. Foto: Sperger

Am Vormittag wandern die bis zu 80 Teilnehmer täglich in Gruppen durch den Wald. Die Touren durch den Kelheimer Forst am vergangenen Mittwoch wurden von Dr. Josef Simmel, Sonja Waldenberger und Helga Eichenseer organisiert und durchgeführt. Am Nachmittag folgt dann die Auswertung der gesammelten Schätze. „Immer wieder finden wir Arten, die nicht so einfach auf den ersten Blick zuzuordnen sind. Unter dem Mikroskop und bei genauerer Beobachtung geben kleinste Details Aufschluss über die Zugehörigkeit“, erklärt der Regensburger Schwammerlpapst. Dabei geht es oft um Farbnuancen, die Beschaffenheit der Schwämme oder auch um den Geruch. „Ein Laie kann auf den ersten Blick fast jeden Pilz mit einem Essbaren verwechseln“, warnt Zitzmann.

Neue Arten entdecken

Mit etwas Glück gelingt es den Forschern, eine Pilzart zu finden, die so noch nicht dokumentiert ist. „Aktuell werden immer mehr Pilzarten definiert, die dann einen neuen Namen erhalten“, erklärt Zitzmann. Beim ersten Ausflug blieb ein spektakulärer Fund aus. Dennoch wanderten einige interessante Exemplare in die Körbe der Schwammerlpäpste.

Pilze in Bayern - eine Auswahl

„Es wurden viele verschiedene Arten gefunden, über die jeweilige Spezialisten einige spannenden Informationen zu erzählen haben“, sagt Zitzmann.

Diese neuen und eine große Auswahl an bereits erforschten Arten können Pilzinteressierte noch bis Samstag jeden Tag von 10 bis 17 Uhr in einer öffentlichen Ausstellung im Hotel Bartholomäus in Zeitlarn besichtigen. Hier werden außerdem bekannte Speisepilze direkt mit ihren giftigen oder ungenießbaren Doppelgängern verglichen. Zudem sind Experten vor Ort, die für die Besucher eigene, mitgebrachte Exemplare unter die Lupe nehmen.

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Zuletzt fand ein Regensburger im Kelheimer Forst einen riesigen Steinpilz. Die Geschichte finden Sie hier.

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