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Regensburg-Land
Dienstag, 21. November 2017 7

Freizeit

Karneval oder doch lieber Fasching?

Die Freundschaft zwischen den Friesheimern aus Barbing und aus dem Rheinland hat seit gut zehn Jahren Bestand.
Von Daniel Steffen, MZ

  • 2012 waren die Rheinländer zu Gast in Bayern: Verkleidet als „Kölner Dreigestirn“, besuchten die Friesheimer Schützen aus Erftstadt bei Köln ihre Freude vom Schützenverein Donaustrand Friesheim. Und wie Rheinländer eben so sind, machten sie sogleich beim Sarchinger Faschingsumzug mit. Foto: Tino Lex
  • Die Narren von der Erft: die Karnevalsgesellschaft Friesheim beim Rosenmontagszug durch Erftstadt. Foto: Straube
  • Neptun persönlich aus dem bayerischen Weltmeer Foto: Steffen
  • „Ritterlich“ lassen es die Erftstädter Süßigkeiten regnen. Foto: Straube

FRIESHEIM.640 Einwohner stehen etwa 3000 gegenüber, rund 524 Kilometer Autostrecke liegen zwischen den beiden Orten. Wer sich von Friesheim (Gemeinde Barbing) auf in den Ortsteil Friesheim in Erftstadt macht, ist gut fünf Stunden mit dem Auto unterwegs. Für den Schützenverein „Donaustrand“ aus Friesheim ist es immer ein großes Vergnügen, hoch ins Rheinland zu fahren, ist dieses ja berühmt dafür, es in der fünften Jahreszeit so richtig krachen zu lassen.

Und das beileibe nicht nur in den Metropolen: Erftstadt als 50 000-Seelen-Stadt kann in puncto Feiern mit dem Riesen-Nachbarn Köln gut mithalten. 14 Stadtteile zählt der Ort – und in fast jedem von ihnen rollt ein Karnevalsumzug durch die Straßen und Gassen. Der Stadtteil Friesheim feiert immer am Rosenmontag die große Sause: Bis zu 500 Jecken nehmen teil, wenn sich der Umzug durch die Straßen und Gassen windet.

Karnevalstradition seit 1911

„Seit 1911 sen mir at do, drei mol Alaaf. Seit 1911 fiere me Karneval, drei mol Alaaf. Jo 1911, jo 1911 – dat es ose Verein“, heißt es im Vereinslied der „Karnevalsgesellschaft 1911 Friesheim“. Wie der Name bereits anklingen lässt, hat der Verein vor vier Jahren sein 100--jähriges Bestehen feiern können. In Friesheim zu Barbing unterdessen ist man seit fünf Jahren in Sachen Fasching unterwegs. Nichtsdestotrotz ist der Terminkalender der hiesigen Faschingsfreunde ordentlich voll –-besonders dann, wenn es auf Rosenmontag zugeht. Neben den eigenen Veranstaltungen stellt der Umzug im benachbarten Sarching einen der Vereins-Höhepunkte dar. Einige rheinische Friesheimer waren dort mit von der Partie und feierten fröhlich auf dem Wagen der Faschingsfreunde ab.

So auch Matthias Uhlitt: Der Schütze der „St. Hubertus Schützenbruderschaft Friesheim“ kann dem Fasching in der vermeintlichen Provinz so einiges abgewinnen: „Die Stimmung war schon super, muss man sagen“, erinnert er sich an den Sarchinger Umzug von 2011. Mit zwei weiteren Freunden aus Erftstadt spielte er das „Kölner Dreigestirn“, das für den Wagen der Faschingsfreunde Friesheim zum Motto geworden war. Und auch wenn er mit dem Dialekt der Oberpfälzer weiterhin seine Probleme hat, ist ihm der Umzug in guter Erinnerung geblieben – nicht zuletzt dank der „vielen schönen Wägen“ und der „netten Leute“.

Den Schützenverein Donaustrand und die St. Hubertus Schützenbruderschaft verbindet eine langjährige Freundschaft. Den Grundstein gelegt haben die rheinischen Friesheimer im Jahr 2005: Anlässlich ihres 150-jährigen Jubiläums hielt die Schützenbruderschaft Ausschau nach Orten, die den gleichen Namen tragen. So stießen sie auf jenen Ortsteil der Gemeinde Barbing – und luden die Oberpfälzer prompt zu ihren Feierlichkeiten ein.

Seitdem besuchen sich die Friesheimer wechselseitig bei großen Festen, wie etwa bei der hiesigen Friesheimer 1111-Jahr-Feier oder dem 100-jährigen Jubiläum des Musikvereins Friesheim in Erftstadt. Da der Terminkalender der Schützenbruderschaft derzeit randvoll ist, ist der nächste Barbing-Besuch erst für 2017 geplant. Bei einem Fest der Freiwilligen Feuerwehr Friesheim möchten die rheinischen Freunde in großer Zahl mitfeiern. „Es ist toll, wie gut das Vereinsleben in so einer kleinen Gemeinde funktioniert“, lobt Friedrich Schäfer, der zweite Vorsitzende der Schützenbruderschaft, die „bayerischen“ Friesheimer. „Viele der Menschen, die ich kennengelernt habe, engagieren sich in mehreren Vereinen gleichzeitig.“

Auch gefällt ihm das Programm, das die Vereine bei ihren Feiern auf die Beine stellen. Wenn demnächst auch die Faschingsvereine eine Freundschaft eingehen, das würde Schäfer äußerst begrüßen. Dazu muss aber erst einmal der Grundstein gelegt werden.

Die Rheinländer signalisieren auf MZ-Anfrage Interesse. „Vorstellbar ist eine Freundschaft sicher. Das müsste ich mit den Vorstandskollegen diskutieren, inwiefern wir einen Austausch in unser Jahresprogramm aufnehmen können. Ich wäre dem gegenüber nicht abgeneigt“, ließ Helmut Straube, geschäftsführender Vorstand der Karnevalsgesellschaft, wissen. Auch er hat bereits gute Erfahrungen mit den Friesheimern aus Barbing gemacht. „Sie waren beim Jubiläum unseres Musikervereins hier und haben toll mitgefeiert“, erinnert er sich. Die Kontakte empfand er als „sehr angenehm“.

Sicher, auf den rheinischen Dialekt müssen sich die hiesigen Friesheimer erst einmal einstellen. Auch darauf, dass das Bier dort vorwiegend aus Behältnissen im Reagenzglasformat getrunken wird. Nein, Spaß beiseite: Über das grundsätzliche Interesse der Rheinländer an einem Austausch sind die Faschingsfreunde Friesheim natürlich erfreut. „Das freut uns sicher. Da die Schützen in diesem Jahr wieder nach Friesheim fahren und ich dabei bin, kann man sicher die ersten Kontakte knüpfen und mit der Karnevalsgesellschaft direkt sprechen“, schwebt Vorstand Elisabeth Beck vor.

Wenn in Erftstadt „d‘r Zoch kütt“

Für die Rheinländer ist der Rosenmontag der Gipfel alles karnevalistischen Treibens. Wenn „d’r Zoch kütt“, sprich: sich der Gaudiwurm durch die Straßen und Gassen widmet, dann ist die gesamte Region in Euphorie. Während die rheinischen Friesheimer das Vergnügen am Montag hatten, ziehen die Faschingsfreunde Friesheim heute in Sarching los. Begleitet von ihrem Schlachtruf „Friesi Schluck“, werfen sie an 21. Stelle des Zuges fleißig Kamelle. Los legt der 65. Gaudiwurm um 14 Uhr vom Kirchplatz in Sarching, 37 Gruppierungen sind dieses Mal mit von der Partie. In Anschluss an den Umzug feiern die Friesheimer im Haus der Vereine weiter -– und lassen mit dem Kehraus die Saison ausklingen.

Wie an Erft, so an Donau

  • Das aktuelle Sessions-Motto

    der Faschingsfreunde Friesheim lautet: „Unterwasser– Das Meer spielt verrückt“. In ihren Darbietungen erzählen die Faschingsfreunde „die abenteuerliche Geschichte eines einfachen Fischers, der sich eines Tages in einer bunten Unterwasserwelt wiederfindet“.

  • Die Karnevalsgesellschaft Friesheim

    in Erftstadt widmet sich unterdessen dem Motto: „Friessen fiert met Spass un nit fil Jeld Fastelovend met Fründe us d‘r janzen Welt“. Auf Hochdeutsch übersetzt bedeutet dies: Friesheim feiert mit Spaß und nicht viel Geld Fasching mit Freunden aus der ganzen Welt.

  • Die Entfernung zwischen Friesheim

    in Barbing und dem Stadtteil Friesheim in Erftstadt bei Köln beträgt mit dem Auto 524 Kilometer.

  • Eine Patenschaft

    gepflegt wird bereits zwischen der St. Hubertus Schützenbruderschaft Friesheim (Erftstadt) und dem Schützenverein Donaustrand. (mds)

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