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Kultur in Regensburg
Samstag, 21. Oktober 2017 19° 3

Musikkabarett

Lach-Attacken sind seine Spezialität

Wo sich Gesellschaftskritik, Wortwitz und Musik mischen, ist Wolfgang Kamm zu Hause. Ein neues Soloprogramm ist in Arbeit.
Von Dietmar Krenz, MZ

Mit seinem Soloprogramm, die „Kleine Kammödie“, unterhält der Musikkabarettist Wolfgang Kamm sein Publikum. Foto: Alex Hönig

Hemau. Kabarettist, Musiker, Schauspieler und Komödiant – Wolfgang „Wuffi“ Kamm ist alles in einer Person. Seit Jahren hält ihm sein Publikum am Tangrintel die Treue, seine Fans freuen sich auf die Vorstellungen. Mit seinem Soloprogramm „Die kleine Kammödie“ tingelt der frischgebackene 50-Jährige seit geraumer Zeit durch die Lande, stets auf der Suche nach weiteren Engagements.

Mit seinem Alter-Ego „Kraus-Sepp“ führt er durch seine Show und hat mit der Mischung aus Satire, groteskem Liedgut und einer Prise Selbstironie sein Publikum schnell im Griff. Kamm findet im Alltäglichen und auch Regionalen seine Ideen, die er pfiffig und in teils absurden Kombinationen verarbeitet.

Dabei ist ihm das Komödiantentum nicht in die Wiege gelegt worden. „Wir haben schon immer gerätselt, wo es herkommt“, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung. Niemand in der Familie hat sein Talent, das Publikum mit kabarettistischen Balladen oder Geschichten zu unterhalten. „Ich bin total aus der Art geschlagen.“

Geboren in Baden-Württemberg, kam der kleine Wolfgang als Zehnjähriger mit seiner Familie nach Hemau. Seine Bühnenkarriere begann schon früh. Bereits mit 16 Jahren sorgte er mit dem „Midnight Express“ und echter Tanzmusik für Stimmung bei Hochzeiten, Vereinsfeiern oder Eröffnungen. „Ich war extrem stolz, als ich beim Feuerwehrfest in Pellndorf 80 Mark für meinen ersten Auftritt bekommen habe“, erzählt er. Als Maler und Lackierer verschlug es ihn beruflich in die Welt der Farben und Pinsel.

•Das Trio „MiSchKa“ um Stefan Mirbeth, Klaus Schmidmeister und Wolfgang Kamm (v.l.) versteht es bestens, für Stimmung zu sorgen. Foto: Treiber

Die Begegnung mit Peter Nüesch im Turmtheater war für Kamm der Anlass, sich mehr der Schauspielerei zu widmen. „Wir mussten das Goliathhaus streichen.“ Er kam mit Nüesch ins Gespräch und ließ sich von den Komödien und dem Improvisationstheater auf der kleinen Livebühne inspirieren. So landete er bei der Aichkirchener Theatergruppe beim „Lenzbauer“.

Instrumente aus Recycling-Material

Er nahm neben seinem Job Schauspielunterricht und eroberte in verschiedenen Ensembles die Bühnen. Gleichzeitig verlor Kamm die Musik aber nie aus den Augen. Die Zeche Zollverein in Essen, eine stillgelegte Steinkohle-Grube, war 2007 Schauplatz einer EU-Umweltministerkonferenz. Den Ton beim Treffen gaben u.a. Stefan Huber, Mike Reisinger und Wolfgang Kamm mit ihren selbst gebauten Recycling-Instrumenten an.

Zwischenzeitlich wechselte Wolfgang Kamm in die Verwaltung der Uniklinik nach Regensburg. Auch musikalisch stand eine Veränderung an. Mit der Gruppe Lupus Vagabundus eroberte der „große Wolfgang mit der schwarzen Freya“ die Mittelalterfestivals in der Region. „Wir waren extrem viel unterwegs – aber irgendwann hat sich das totgelaufen.“

Nach Gastspielen mit der Gruppe „B.O.S.S.“, der Theatergruppe Hemau und den unvergesslichen Polt-Abenden mit dem „Trio MiSchKa“, versuchte sich der Hohenschambacher mit einem Solo-Programm. In seiner „Kleinen Kammödie“ werden in erster Linie Alltäglichkeiten „musikomisch“ verarbeitet. Mittlerweile nicht mehr wegzudenken ist dabei sein imaginärer Kollege, der „Kraus Sepp“, mit der markanten Stimme und dem Malerkappl.

In Vorbereitung ist derzeit etwas Neues. „Vorsicht, es kann Spuren von Prämissen enthalten“, erzählt der 50-Jährige scherzhaft. „Ein ernsthafter Spaß, schlicht aber einfach“, soll das neue Programm werden – eben lebendiges Musikkabarett, wie es nur der „Wuffi“ auf die Bühnen zaubern kann.

Lebendiges und bodenständiges Musikkabarett liefert Kamm bei seinen Vorstellungen ab. Foto: Krenz

„Es war schon immer mein Traum, mit der Gitarre auf der Bühne zu stehen und gute Unterhaltung zu machen.“ Aber für einen unbekannten Künstler sei es unheimlich schwer, einen Fuß in die Tür der Kleinkunstbühnen zu bekommen. Denn jeder Veranstalter will bekannte Künstler – Nobodys füllen keine Zuschauerränge.

„Nackat im Hefa-Doag“

Dennoch macht der Humorist, der mit seiner Lebensgefährtin und dem zweijährigen Moritz in Hohenschambach wohnt, unverdrossen weiter. Wie sein Bühnenvorbild Willy Astor kombiniert er bekannte Melodien mit eigenen Texten, die witzig aber auch tiefgründig sein können. Als Musiker verwendet er neben seiner Gitarre selbst gemachte Instrumente, wie eine metallene Krawatte oder einen Holzkasten, dem er Didgeridoo-Töne entlockt.

Oft stellt er die Kommunalpolitik an den Pranger und persifliert bildhaft die Wertvorstellungen der Gesellschaft. Aus „Knocking on Heavens door“ macht er eine Widmung an die Bäcker-Innung mit dem Titel „Nackat im Hefa-Doag“ oder beschreibt im Lied „Mit 66 Haaren“ selbstironisch den Vorteil eines lichten Kopfes.

Wohin ihn sein Weg noch führt? Wolfgang Kamm weiß es nicht. „In dieser Branche kann man nichts erzwingen. Für eine Profikarriere bin ich 30 Jahre zu spät dran.“ Aber so 20 bis 30 Auftritte jährlich wären schon eine schöne Sache. Denn ein Leben ohne die Bühne und das Publikum kann er sich nicht vorstellen. Dazu ist er viel zu umtriebig: „Schießt’s mei Maul glei auf’m Mond, weil sonst bin i ned stad!“, sagt der Kabarettist, Musiker, Schauspieler und Komödiant nicht umsonst regelmäßig nach seinen Auftritten.

Termine und Auftritte

  • Termine:

    11. Dezember Kleinkunstbühne Bahnhof Kötzting;

  • 22. Januar 2017:

    Teilnahme am Musikkabarett-Wettbewerb in Sendling/München

  • Auftritte:

    29. August: Statt-Theater, Regensburg; 4. November 2017: Kulturstadel Lauterhofen

  • Weitere Informationen:

    www.wolfgang-kamm.de

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