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Kultur in Regensburg
Montag, 20. November 2017 5

Instrumentenbau

Drei Generationen mit viel Musik im Blut

Die Marke Bayerland aus Hemau hat für Harmonikaspieler einen guten Klang. In Handarbeit fertigt die Familie Rahm Steirische.
Von Dietmar Krenz, MZ

Konrad „Conny“ Andreas Rahm (vo.), Konrad Johann Rahm und Konrad Rahm sen. präsentieren eine kleine Auswahl ihrer Instrumente. Foto: Krenz

Hemau.Acht Stufen führen ins „Bayerland“, dem Eldorado für Harmonikas und Akkordeons in der Oberpfalz. Wer die kleine Treppe erklommen hat, steht im Ausstellungsraum der Familie Rahm in Pellndorf, die sich in der dritten Generation dem Bau und der Reparatur der schmucken Musikinstrumente verschrieben hat. In Reih und Glied stehen sie da, mehrere hundert Steirische und Akkordeons in vielen Farben und Größen, mit glänzenden Oberflächen oder in Holzoptik, manche mit Knöpfen, andere mit Tasten.

Allesamt wurden sie in der Rahmschen Werkstatt in mühsamer Handarbeit zusammengebastelt. Jetzt warten die Handzuginstrumente nur darauf, dass geübte Finger ihnen die Töne entlocken. „Super in der Technik, wunderbar im Klang“, heißt es auf dem Plakat neben der Eingangstüre. „Das ist zugleich unser Motto“, erzählt Konrad Rahm senior, der auf seinem Schreibtisch in der Ecke ein hölzernes Bauteil zusammenleimt.

Stimmgehäuse für Kölner Musiker

Das Stimmgehäuse ist für einen Kunden aus Köln, teilt der 73-Jährige mit. Bis zum Abend muss die Reparatur fertig sein, denn das Instrument wird für einen Auftritt benötigt. Für Musiker aus ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz hat der Name „Bayerland“ inzwischen einen guten Klang. Dank dem Internet verkauft der Familienbetrieb die Musikgeräte aber auch auf der ganzen Welt. Ob Australien, Kanada, Amerika – die Klangkörper vom Tangrintel sind heiß begehrt.

Conny Rahm hat mit seiner Stummatik Erfindergeist beweisen. Foto: Krenz

Harmonika zu spielen, war schon immer der Traum des 73-Jährigen. Als Spross einer kinderreichen Familie konnte sich der kleine Konrad dies aber nicht leisten. Als Landmaschinenschlosser und Fahrzeugmechaniker war dies schon anders und kurz nach seiner Hochzeit im Jahr 1966 erstand Rahm ein gebrauchtes Akkordeon. „Ich habe geübt, geübt und geübt, bis irgendwann einfach Musik daraus geworden ist“, erzählt er stolz.

Wie es sich für einen guten Mechaniker gehört, wurde das gute Stück natürlich in sämtliche Bestandteile zerlegt und wieder zusammengebaut. Nach und nach brachte sich der gewiefte Bastler das Handwerk des Zuginstrumentenmachers selber bei und gab dieses Wissen auch weiter. Alle seine fünf Kinder haben das Spiel auf der Harmonika gelernt. Sohn Konrad Johann, der bei der Stimmungskapelle Donnawedda zünftig aufspielt, darf sich Deutscher Meister nennen. Der 50-Jährige hat in Österreich sogar vor 15 Jahren bei den Weltmeisterschaften mit der Steirischen einen 2. Platz auf den Tangrintel geholt.

Tüftler und Virtuose zugleich

Alles wird in Handarbeit gefertigt. Foto: Krenz

Der Enkel Konrad „Conny“ Andreas Rahm ist ebenfalls ein echter Virtuose auf dem Instrument und zudem ein leidenschaftlicher Tüftler. Der 25-Jährige ist der erste im Hause, der seine Passion ganz offiziell zum Beruf gemacht hat. Als Handzuginstrumentenmacher hat er die Gesellenprüfung erfolgreich abgelegt – darauf ist nicht nur sein Großvater stolz.

Seit fünf Jahren ist er nun im Familienbetrieb beschäftigt. Eine qualitativ hochwertige Harmonika besteht aus mehr als 400 Einzelteilen, die der 25-Jährige überwiegend in Eigenregie anfertigen und in doppelt so vielen Arbeitsschritten zusammenbauen muss. Ob Metall, Holz, Pappe oder Kunststoff – viele verschiedene Arbeitstechniken sind gefragt, um das Instrumentenpuzzle zusammensetzen zu können.

Ursprünglich hat der junge Mann Restaurantfachkraft gelernt, später aber umgeschult. „Die vom Großvater aufgebaute Marke muss schließlich weitergeführt werden“, teilt er mit. Sechs Tage die Woche steht er nun in der Werkstatt, berät die Kunden oder kümmert sich um die Bestellungen. Daneben ist er ein überragender Handwerker an diesem komplizierten Instrument und repariert alles, was ihm die Musiker vorbeibringen.

In Reih und Glied Foto: Krenz

„Jedes Instrument hat beim Bauen seine Eigenheiten“, weiß Conny Rahm. Viele Komponenten müssen zusammenpassen, um den richtigen Klang zu erzeugen: in der Metallwerkstatt das Zusammenschweißen von Drähten zu Wellen mit Mitführstiften, in der Holzabteilung das Aussägen und Leimen von Gehäusen und Stimmstöcken oder in der Pappe-Werkstatt, das aufwendige Fertigen von Bälgen, mit denen im Akkordeon der Luftstrom erzeugt wird. „Besonders wichtig ist es, sorgfältig zu arbeiten. Denn ein unsauberes Teil macht sofort Probleme beim nächsten Arbeitsschritt“, erzählt er.

Sogar eine Musikschule im Haus

Neben der Fertigung haben sich die Rahms auch der musikalischen Weiterbildung verschrieben. Im angegliederten Musikraum unterrichten mehrere Lehrer. Sogar der Weltmeister auf der Steirischen Harmonika, Aleksander Pacek, bringt jungen Musikschülern das Spielen bei.

Verzierter Balgen

Und mit einem weiteren Pfund kann das Bayerland punkten: Unter dem Ausstellungsraum gibt es ein in Deutschland wohl einmaliges Museum zu entdecken. Zwei Räume sind vollgestellt mit rund 500 Handzuginstrumenten, Gitarren, Geigen, Mundharmonikas und vielen bekannten und unbekannten Tonerzeugern. Das älteste Stück der Sammlung stammt aus dem Jahr 1886. Kein Wunder, dass viele Reisebusse Pellndorf ansteuern und die Besucher die acht Stufen ins Bayerland gerne erklimmen.

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Steirische Harmonika oder Akkordeon?

  • Steirische Harmonika:

    Das Wort „Steirisch“ hat wenig mit dem Land Steiermark zu tun. Durch den diatonischen Aufbau ist sie besonders zum Spielen der alpenländischen Musik geeignet.

  • Akkordeon:

    Das Akkordeon ist ein chromatisches Handzuginstrument, aufgebaut nach der chromatischen Tonleiter mit Halbtönen. Sie klingt auf Zug und Druck gleich.

  • Wechselton:

    Die Steirische ist ein diatonisches (wechseltöniges) Instrument. Klingt auf Zug und Druck unterschiedlich. Die Bässe der Steirischen sind wesentlich stärker ausgeprägt.

  • Instrument

    : Im Einsteigerbereich ist es wichtig, ein qualitativ hochwertiges Instrument zu verwenden, damit sich das Ohr an den richtigen Klang gewöhnen kann, rät Konrad Rahm. (wd)

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