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Landkreislauf
Montag, 18. Dezember 2017 1

Leistung

So hart war der Landkreislauf 2017

Auch MZ-Reporter stellten sich der Strecke von Oberndorf nach Kallmünz. Hier lesen Sie, was sie auf der Strecke erlebt haben.

Der Spaß kam beim Landkreislauf 2017 nicht zu kurz – auch wenn es der Wettergott nicht so gut meinte. Foto: Lex

Regensburg.Der verregnete Beginn konnte die Landkreisläufer nicht stoppen. Taten sich die Sportler bei manchen Passagen dann doch mal schwer, waren in den Ortschaften Zuschauer zur Stelle und motivierten sie mit einem Extra-Applaus. Auch Reporter unserer Zeitung kämpften sich bei Wind und Wetter fast 75 Kilometer durch den Landkreis. Hier lesen Sie, was sie auf der Strecke erlebt haben.

Oberndorf – Matting: Sein eigenes Tempo finden

Die erste Etappe führte von Oberndorf nach Matting. Foto: Lex

Frierend, ungeduldig und nervös warte ich an diesem verregneten Samstagmorgen auf den Start des Landkreislaufs. Glücklicherweise hält das Warm-up, was es verspricht – wenn man nämlich richtig mitmacht, wird einem schnell warm und die Vorfreude auf den knapp fünf Kilometer langen Lauf steigt und steigt.

Die Teilnehmer versammeln sich im Start-Bereich, der Countdown läuft und endlich fällt der erlösende Startschuss! Ein dichtes Heer aus mehreren hundert Läufern drängt sich durch die Straßen. Doch schon bald entzerrt sich die Menge und jeder findet sein eigenes Tempo.

Die Strecke führt außerhalb des Ortes auf einem geteerten Radweg entlang der Donau, vorbei an Wiesen und Feldern, wo der Nebel keinen weiteren Blick zulässt. Als wir Matting erreichen, empfangen uns die Zuschauer mit einem motivierenden „Super, gleich habt’s es g’schafft!“. Kurz darauf erreichen wir das Ziel einer überaus angenehmen Strecke. (Teresa Hartl)

Matting – Mariaort: Auf der Suche nach dem Staffelstab

Die zweite Etappe führte von Matting nach Mariaort. Foto: Lex

Wenn man klein ist, kann das auch beim Landkreislauf durchaus Vorteile haben. Einer davon: problemloses Durchschlängeln durch Menschenmassen. Der Nachteil an der Sache: Die Drängelei ist eigentlich ein nie endender Prozess. Das Ende vom Lied: Ich stehe am Wechselpunkt 1 in Matting startklar hinter großen Menschen und sehe den Staffelstab mitsamt meiner Kollegin vor lauter tropfenden Schirmen nicht sofort.

Das Wetter hätte besser sein können, die Laune nicht. Auf der 8,5 Kilometer langen Strecke von Matting nach Mariaort überkommt mich immer wieder das Gefühl, dass ich die schönste Etappe erwischt haben muss.

Die flache Strecke parallel zur Donau zeigt das Regensburger Umland von seiner schönsten Seite. Vorbei an der Walba, rauf auf die Eisenbahnbrücke und vorbei an einem Zuschauer, der mit seinem Ausruf die letzte Kraft aus mir herauskitzelt: „Zint af!“ (Inge Brunner)

Mariaort – Schwetzendorf: Immer mit der Ruhe

Die dritte Etappe führte von Mariaort nach Schwetzendorf. Foto: Lex

Die Landkreislauf-Debütantin ist vom Gewusel an der Wechselstelle in Mariaort leicht überfordert. Im engen Spalier der ungeduldig Wartenden laufen die Sportler ein, viele abgekämpft und nicht nur vom Regen durchnässt. Mit so viel Ehrgeiz hatte ich nicht gerechnet. „Nicht zu schnell angehen!“ ruft ein durchtrainierter Kerl seiner Nachfolgerin hinterher, als gerade meine Kollegin mit Staffelstab und entspanntem Lächeln auf mich zukommt. Ich nehme den Mann beim Wort. Ich weiß ja, dass die relativ kurze Strecke erst zum Ende hin etwas Kraft verlangt. Also trabe ich in mittlerem Tempo los. Die Strecke entlang der Donau und dann nördlich, am Adlersberg vorbei Richtung Schwetzendorf, ist unspektakulär. Ich könnte Nacktschnecken zählen, winke aber lieber den Streckenposten zu, die für uns den Weg freimachen. Sie sind meine Helden des Tages – und die etwas übergewichtige, eisern kämpfende Dame, die ich kurz vor der Bergkuppe überhole, hinter der schon das Ziel liegt. (Claudia Bockholt)

Schwetzendorf – Eitlbrunn: Den Läufern vor mir hinterher

Die vierte Etappe führte von Schwetzendorf nach Eitlbrunn. Foto: Lex

Es regnet in Strömen und es ist kalt. In T-Shirt und Shorts stehe ich frierend unter einer Zeltplane. Von dort habe ich einen Blick auf die ankommenden Läufer. Als mir Claudia Bockholt den Staffelstab in die Hand drückt, geht es über die nasse Wiese um den See herum, dann steil den Berg hoch.

Oben angekommen lockt ein Schild in Richtung Tremmelhauser Höhen. Ja, jetzt in den Biergarten hocken! Geht aber nicht. Erstens regnet es in Strömen und zweitens habe ich hier noch eine Aufgabe zu erfüllen: Insgesamt knapp zwölf Kilometer bis nach Eitlbrunn zu rennen. Ich biege also nicht nach rechts sondern nach links ab, rein in den Wald und den Läufern vor mir hinterher. An denen orientiere ich mich, sonst würde ich mich verlaufen. Ist das unter meinen Füßen überhaupt noch ein Weg? Irgendwann ist Eitlbrunn erreicht. Und es hört endlich auf zu regnen. (Säm Wagner)

Eitlbrunn – Regendorf: Nur noch einen Kilometer

Die fünfte Etappe führte von Eitlbrunn nach Regendorf. Foto: Lex

Auf nach Regendorf. Ich renne mit dem Staffelstab ein paar Läufern hinterher und merke: Die wärmen sich hier auf dem Parkplatz nur auf. Halt, da hinten geht es weiter! Ich finde zurück auf die Strecke und vor mir liegt ein langer Anstieg. Nach nur ein paar Hundert Metern überhole ich ein paar „Läufer“, die sich entschieden haben, den Anstieg hochzugehen. Ich beschließe, mich der geselligen Runde nicht anzuschließen und renne weiter. Nach einer guten Weile tauchen die ersten Häuser auf. Ein Zuschauer applaudiert und schreit: „Nur noch einen Kilometer!“ Gut einen Kilometer später höre ich dasselbe erneut von einem klatschenden Zuschauer. Und dann geht es plötzlich immer steiler bergab. So steil, dass ich das Gefühl bekomme, nicht mehr bremsen zu können. „Nur noch einen Kilometer“, schreit wieder jemand. Ja, ja. Und dann taucht die Wechselzone vor mir auf. (M.W.)

Regendorf – Diesenbach: Laufen bis der Akku leer ist

Die sechste Etappe führte von Regendorf nach Diesenbach. Foto: Lex

Die sechste Etappe des Landkreislaufs hat das Prädikat leicht mehr als verdient. Topfeben führt die Strecke von Regendorf nach Diesenbach. Zum Glück für mich! Von meiner läuferischen Bestform bin ich Galaxien entfernt. Man ist halt keine 20 mehr. Dennoch packt mich direkt nach der Staffelstabübergabe der Ehrgeiz. Die ersten Meter durch das enge Zuschauerspalier treiben den Puls Richtung 200. Ich träume davon, das Feld von hinten aufzurollen. Wenn das Gewicht erst mal in Bewegung ist... Leider werde ich nach nicht einmal 400 Metern von hinten überholt. Verbissen versuche ich, dran zu bleiben. Bis Edlhausen kämpfe ich, dann muss ich die Dame mit dem lockerleichten federnden Schritten ziehen lassen. Mein Akku ist fast leer. Und das nach zwei Kilometern. Der Kampf ist eröffnet. Ab dem Ortsschild Diesenbach ist es pure Qual. Der Sportplatz ist meine Erlösung. Vier Kilometer können so lang sein. (Andreas Brey)

Diesenbach – Steinsberg: Läuft. Besser gesagt: Geht ganz schön bergauf.

Die siebte Etappe führte von Diesenbach nach Steinsberg. Foto: A. Sauerer

Sind ja nur sieben Kilometer. Mittelschwer, na und? Trotzdem: Bin mal wieder aufgeregt. Das Rennfieber. Der Geruch von nassem Gras mischt sich mit dem der Bratwürstl und legt sich mit leichtem Druck auf den Magen... Aber bleiben wir lieber bei den Fakten: Die Wechselzone in Diesenbach ist weitläufig und übersichtlich. Es gibt Bananenstücke, Getränke, Traubenzucker. Die Durchsagen der Nummern kommen gut verständlich aus den Lautsprechern. „Und nun die 205 und die...“ Hey, früher als gedacht! Das aufmunternde Lächeln meines Vorläufers – danke! – beflügelt den Start. Läuft. Besser gesagt: Geht ganz schön bergauf. Wie im Film zieht die Landschaft an mir vorbei. Waldrand, Wald, satte Wiesen, kleine Weiler. Als wir im letzten Drittel endlich auch mal bergab laufen, bin ich schon etwas k.o.. Direkt vorm Zielort noch eine knackige Steigung. Gut, dass oben ein paar Steinsberger kräftig anfeuern. Gehen wär’ jetzt echt peinlich. (Angelika Sauerer)

Steinsberg – Holzheim: Jetzt nur nicht ausrutschen!

Die achte Etappe führte von Steinsberg nach Holzheim. Foto: M. Sauerer

Als ich am Sportplatz den Schriftzug „FSV Steinsberg“ sehe, denke ich plötzlich an einen der besten Jahn-Fußballer, die es je gab: Gerd Faltermeier. Er kam aus Steinsberg und ich habe ihm als Knirps, der kaum über die Bande schauen konnte, in den 60er-Jahren im alten Jahnstadion zugejubelt. Aber schnell zurück in die Jetzt-Zeit: Aufwärmen, Dehnen, Durchschnaufen. Der Staffel-Stab kommt und los geht’s. Hui! Ständig rauf und runter, das hätte ich von einer Etappe mit dem Prädikat „mittel“ gar nicht erwartet. Atmung kontrollieren! Einen, der vor mir die Anstiege hinauf geht, dann aber runter wieder Gas gibt, bekomme ich einfach nicht zu fassen. Aber Gehen gibt’s nicht. Zwei Kilometer vor dem Ziel komme ich doch vorbei. Läufer, die wieder nach Steinsberg zurück schlendern, motivieren uns: „Durchhalten, letzter Anstieg!“ Jetzt nur nicht ausrutschen, wenn es abwechselnd übers nasse Gras sowie über Stock und Stein nach Holzheim runtergeht. Es klappt. Fertig. (Manfred Sauerer)

Holzheim – Wolfsegg: Von den Anstiegen ausgebremst

Die neunte Etappe führte von Holzheim nach Wolfsegg. Foto: Lex

77, 235, 164: Ich stehe am Fußballplatz des ASV Holzheim und warte auf die richtige Zahl. Es regnet, aber die Stimmung ist gut. Sportler scherzen miteinander, direkt bei der Wechselzone steht eine Traube von Menschen und feuert die ankommenden Läufer an. Dann wird die Zahl meines Teams durchgesagt: 205. Es geht los. Mein Teamkollege kommt schnell ins Ziel. Ich nehme diesen Schwung mit und gebe gleich mal Gas. Mein Herz pumpt kräftig und ich versuche, meinen Rhythmus zu finden. Schnell wird mir allerdings klar, dass ich dieses Tempo nicht halten kann. Die Etappe verläuft in Wellen, immer wieder geht es stark bergauf. Erst im Schwaighauser Forst komme ich besser zurecht. Dort sind die Anstiege nicht mehr so steil. Ich kann wieder meine Geschwindigkeit laufen und ziehe an ein, zwei Läufern vorbei. Als ich schließlich schon die Durchsagen der Wechselstation von Wolfsegg höre, erhöhe ich das Tempo noch einmal. Immerhin: schnell gestartet, schnell gelandet. (Micha Matthes)

Wolfsegg – Kallmünz: Schneckenrennen in den Sonnenschein

Die letzte Etappe führte von Wolfsegg nach Kallmünz. Foto: Lex

Die Etappe beginnt trügerisch: Angefeuert von vielen Zuschauern geht es in Wolfsegg zunächst easy bergab. Doch das Gegenstück lässt nicht lange auf sich warten: Auf der anderen Seite des Ortes folgt ein Anstieg, der es richtig in sich hat. Die Beine werden so schon auf den ersten Metern schwer, mühsam kämpfe ich mich nach oben und liefere mir dabei mit einem anderen Läufer ein Schneckenrennen. Ab dem Ortsschild wird dann alles besser: Der Opponent ist überholt, die Strecke verläuft leicht abfallend und sogar die Sonne scheint jetzt. Auf dem Schotter-Weg nach Kleinduggendorf suche ich die Lücken zwischen den Pfützen. Die Beschäftigung für den Kopf lenkt von den Beinen ab. Entlang der Naab heißt es dann noch einmal: Kräfte mobilisieren. Nicht wegen der Strecke – die ist hier traumhaft. Aber jetzt ziehen alle Läufer noch einmal merklich an. Mithalten! Die Belohnung ist gigantisch. Kallmünz bereitet den Zielläufern einen wunderbaren, tosenden Empfang. (M.M.)

Unser Video zeigt Impressionen vom Landkreislauf:

Video: Fingerprint Production

Weitere Artikel zum Landkreislauf 2017 lesen Sie in unserem Landkreislauf-Spezial.

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