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Landkreislauf
Samstag, 23. September 2017 21° 1

Landkreislauf

Vor dem Ziel wurde es richtig hart

Von Wenzenbach nach Wörth: Auch zehn Reporter der MZ kämpften sich durch den Landkreis – und so haben sie den Lauf erlebt.

In Wenzenbach gingen die Läufer auf die Strecke. Auch das MZ-Newsroom-Team war dabei. Foto: Lex

Etappe 1: Wenzenbach – Zeitlarn

Es regnet und ich stehe auf dem Fußballplatz des SV Wenzenbach mitten im dichten Heer aus mehreren hundert Läufern. Ein Mann neben mir blickt auf seine Uhr. Die Atmosphäre ist angespannt, meine Gedanken kreisen um unser Team-Ziel: Maximal 40 Minuten darf ich für die 8,2 Kilometer brauchen. Dann verstummt auf einmal das Stimmengemurmel im Startfeld. Mein Herz pumpt schneller. Die letzten Zahlen des Countdown, es fällt der erlösende Schuss. Viele Läufer auf einem schmalen Radweg: In den ersten Sekunden gerät der Strom mehrmals leicht ins Stocken. Auf dem geteerten Radweg nach Gonnersdorf suche ich die Lücken und bemühe mich, an einigen Gruppen vorbeizuziehen. Dann ist auf einmal mehr Platz und ich kann meine Geschwindigkeit laufen. Ab dem Hölzlhof geht es über groben Kies, man muss achtsamer sein. Jetzt bloß nicht ausrutschen. Ich halte den Rhythmus, die Beine machen mit. Auch bei dem leichten Anstieg nach Mühlhof lassen sie mich nicht im Stich, so dass ich vor der Wechselstation noch einmal anziehen kann. Geschafft, aber glücklich übergebe ich dort den Staffelstab. Die Uhr zeigt: 36:38 Minuten. (Micha Matthes)

Etappe 2: Zeitlarn –Sallern

In Sallern feuerten viele Zuschauer die Läufer an. Foto: Lex

Von Zeitlarn in Richtung Regensburg – wer die Örtlichkeiten kennt, weiß, dass es sich hier um eine traumhafte Laufstrecke handelt: schnell, kaum Höhenmeter und einen meist ganz vernünftigen Untergrund. Da fliegen die 7,3 Kilometer nur so dahin. Wenn – ja, wenn da nicht der kalte Dauerregen wäre. Schon an der Wechselzone am Sportplatz in Zeitlarn bibbern die Läufer dicht gedrängt unter dem Vordach des Vereinsheims. Kaum einer traut sich heraus, bevor sein Teamkamerad nicht schon wenigstens in Sichtweite ist. Anschließend geht es im Slalom um die immer tiefer werdenden Pfützen und über aufgeweichte Feldwege. Dabei hätte die Strecke das Potenzial, zur Stimmungsvollsten des ganzen Landkreislaufes zu werden. Über mehrere Hunderte Meter zieht sich die Schlange der Läufer an der Zeitlarner Hauptstraße entlang. Auch kurz vor dem Zieleinlauf in Sallern geht es länger durch die Ortschaft. Zuschauer am Streckenrand gibt es dennoch kaum. Schade, das wäre bei Sonnenschein sicher anders gewesen. Aber bei dem Mistwetter hat sich wohl auch so mancher Teilnehmer überlegt, ob er freiwillig vor die Türe geht. (Nina Schellkopf)

Etappe 3: Sallern – Tegernheim

Stadt und Land – Hand in Hand: Besser als die Etappe 3 kann die Premiere beim Landkreislauf kaum illustriert werden. Der längste Abschnitt hat kaum Höhenmeter, aber ziemlich viel Wasser zu bieten – nicht nur von oben. Erst führt die Strecke die Läufer entlang des Regen – gemeint ist der Fluss – in Richtung Weichs. Danach ist die Donau dauerhafter Begleiter der Läufer, eigentlich ein traumhaftes Ambiente, getrübt nur von weniger traumhaftem Wetter. Der Weg nach Tegernheim ist auch eine kleine Tour des Regensburger Sports. Erst passiert die Läuferschlange mit der Donau-Arena die Heimat des EVR, wenig später geht es am Stadion der Legionäre vorbei. Da ist der größte Teil der Strecke schon geschafft – auch wenn sich das Stück zwischen Schwabelweis und Tegernheim zieht. Für einen kleinen Endspurt auf dem Damm über der Donau reicht es aber doch noch. Dann geht der Stab mit der nächsten Etappe wieder richtig in den Landkreis. (Holger Schellkopf)

Etappe 4: Tegernheim –Sulzbach

Andrea Fiedler muss beim Landkreislauf die Zähne zusammenbeißen. Wind und Regen sind nicht ihre Lieblings-Laufbedingungen. Foto: Fiedler

Wind und Regen – nein, das sind nicht meine Lieblings-Laufbedingungen. Wenn es ungemütlich wird, trainiere ich lieber auf dem Laufband. Deshalb heißt es: Zähne zusammenbeißen und dem Regenwetter trotzen. Die Wechselzone in Tegernheim liegt außerhalb am Donauradweg. Etwas erhöht auf dem Damm, so dass der Wind stark bläst. Ich starte zwar pitschnass, aber auf den ersten Kilometern wird mir schnell warm. Es geht für drei Kilometer am Radweg entlang, schön flach und nur mit Mini-Anstiegen. Ich bin die Strecke bereits im Training gelaufen und weiß, das dicke Ende noch kommt. Vorbei an Donaustauf, unterhalb der Walhalla entlang und nach etwa fünf Kilometern bergauf. Nach ein paar Kurven belohnten der Ausblick und der lange, stark abfallende Endspurt. Mit Schwung geht es durch Sulzbach. Nach 6,3 Kilometern ist es geschafft – der Sportplatz in Sulzbach ist das Ziel (Andrea Fiedler)

Sehen Sie hier die Bilder vom Landkreislauf:

Die Bilder vom MZ-Landkreislauf 2016

Etappe 5: Sulzbach –Bach an der Donau

Etappe fünf des Landkreislaufs 2016 beginnt – wie jede Etappe – mit den beiden „w“: warten und warmlaufen. Leider in diesem Jahr im Regen bei 14 Grad. Angefeuert von einer überraschend großen Zahl von Zuschauern beginnen die 5,6 Kilometer der Kategorie „mittel“ dann nach der Staffelstabübergabe gemächlich. Weg vom Sportplatz. Den Moderator im Ohr, der Sportler immer wieder daran erinnert, den Staffelstab später bei der Zeiterfassung tief zu halten. Über den Parkplatz und auf die Straße. Hier wartet die erste Steigung, die aber gerade einmal für etwas warme Muskeln sorgt. Dann geht es entlang der Straße und hinein in den Wald. Und jetzt zeigt die Etappe, was sie dem Läufer abverlangen will. Eine steile Steigung, den Regen in Gesicht, Nacken und langsam auch überall sonst. Hilft ja nichts. Weiter, immer weiter. Doch ist das geschafft, wird man belohnt: von einem Gefälle, dem Ortsschild und einem Feuerwehrmann, der sagt: „Noch 100 Meter!“. (Mario Geisenhanslüke)

Etappe 6: Bach an der Donau – Wiesent

Etappe 6 beginnt mit einem Anstieg. Foto: Brey

„I love NY“ kann jeder. Ich liebe Ettersdorf. Keine 200 Einwohner hat der idyllisch auf einer Anhöhe gelegene Ort zwischen Bach und Wiesent. Aber die wissen, wie man für Stimmung sorgt. Doch von vorne: Meine Etappe beginnt in Bach. Die Wechselstelle ist ein Traum. Von weitem sehen die Läufer, die wie Rennpferde vor dem Start auf und ab tippeln, ihre Vorläufer kommen. Mein junger Kollege – 13 Jahre jünger und 30 Kilo leichter – hat eine Fabelzeit zwischen Sulzbach und Bach hingezimmert und schickt mich entsprechend schnell auf die Reise, die mit einem sauberen Anstieg beginnt. Immer schön durch den Wald 2,5 Kilometer nach oben. Ich muss gestehen: Überholt habe ich nur einen Läufer, 17 ließen mich an den Anstiegen einfach stehen. So wie hinauf nach Ettersdorf, wo mich jedoch alle paar Meter an Hofeinfahrten oder von Balkonen herab die Anwohner anfeuerten. Ein Extra-Schub für die letzten 1,5 Kilometer. Vielen Dank. (Andreas Brey)

Auch unser Videoteam war beim Landkreislauf dabei:

Der siebte MZ-Landkreislauf

Etappe 7: Wiesent –Frauenzell

Strömender Regen beim Wechsel in Wiesent; Foto: Wagner

So läuft das eben. Wer bei der Streckenzuteilung im Urlaub weilt, der darf dann halt die schwere Bergetappe rennen. 7,7 Kilometer lang und dabei 211 Höhenmeter aufwärts. In Wiesent erwartet mich: strömender Regen.

Auf der Strecke nur Matsch. Fröhlich hüpft man von Pfütze zu Pfütze und spritzt dabei schadenfroh die Mitläufer dreckig. Nach zwei Dritteln der Strecke wird es aber dann doch ernst. Ab jetzt geht es nur noch steil bergauf. Immer wieder der Gedanke: Ich könnte ja auch gehen statt laufen. Nein, ich beiße mich durch. Renne nach 40 Minuten in Frauenzell ins Etappenziel.

Meine Brille ist vom Regen patschnass, ich sehe kaum durch. Irgendwer reißt mir den Staffelstab aus der Hand. Ich hoffe, es ist Tini Hartung. Und dann? Drehe ich um und laufe die komplette Strecke wieder zurück. In Wiesent steht ja noch mein Auto. (Mathias Wagner)

Etappe 8: Frauenzell ¨– Brennberg

Im Klosterhof in Frauenzell geht es auf die Etappe. Foto: Hartung

Der Auftakt ist idyllisch: Im Frauenzeller Klosterhof geht es unter den Anfeuerungen bibbernder Wartender auf die achte Etappe. Der steile Start auf schlüpfrigem Pflaster treibt schnell die Kälte aus dem Körper. 4,2 Kilometer geht es ab jetzt im steten Auf und Ab ins benachbarte Brennberg. Die Startnummer hängt schon nach 200 Metern auf halb acht – dem strömenden Regen hält das Papier nicht stand. Egal, jetzt gilt es erstmal, die längste der drei Steigungen dieser kurzen Etappe zu bewältigen. Schwer atmend ziehen einige Läufer mit langen Schritten an mir vorbei. Nicht wenige von ihnen haben die Rampe unterschätzt und verfallen ins Gehtempo. Ich klettere Schritt für Schritt nach oben. Kurz vor dem zweiten Anstieg quert die Strecke ein Anwesen. Die Bewohner heizen den Läufern von der überdachten Terrasse aus ordentlich ein. Das gibt Kraft für den letzten Spurt. Mit brennenden Waden erreiche ich Brennberg, wo ich den Staffelstab glücklich übergebe. (Kristina Hartung)

Etappe 9: Brennberg – Dietersweg

Die Ausblicke auf dieser schneidigen Etappe – es geht sehr lang ziemlich knackig bergab und am Ende eine gefühlte Ewigkeit total steil bergauf – sind ein Traum: Durch die Baumwipfel schimmert immer wieder die dunstige Weite des Donautals. Woher ich das weiß? Ich bin vor genau einer Woche die Strecke probegelaufen. Da brannte die Sonne vom Himmel und der Schweiß rann in Strömen. Am Samstag hingegen kübelt der Regen aus dicken Wolken und verwandelt den idyllischen Pfad stellenweise in ein Bachbett mit beachtlicher Strömung, in dem die Läufer dem Etappenziel entgegenrudern. Von Aussicht keine Spur – und es wäre auch nicht ratsam , den Blick vom glitschigen Geläuf zu heben. Aus noch einem Grund ist es gut, den Weg schon mal gelaufen zu sein: Auch wenn es mir eine ganze Woche lang vor dem Lauf grauste, entpuppt sich das Wissen um die Brisanz des Schlussanstiegs als vorteilhaft: Wer seine Körner im allzu hurtigen Bergab leichtsinnig verbraucht hatte, bezwingt die Berge am Ende zwar nicht stehend, aber doch gehend k.o. Naja, k.o. sind in Dietersweg freilich alle. Aber immerhin schon frisch geduscht. (Angelika Sauerer)

Etappe 10: Dietersweg – Wörth

Hat ja jeder schon mal im Ohr gehabt, dieses schmatzende Geräusch, wenn nasse Füße in nassen Socken in vollgesogenen Laufschuhen im Stakkato-Rhythmus auftreten. Die Dame neben mir und ich haben dieses Vergnügen auf der letzten Etappe schon nach wenigen Metern. Der Asphalt verabschiedet sich am Rande von Dietersweg schnell, eine dicke Schlammschicht überzieht sodann den steil abfallenden und gleich wieder ansteigenden Waldboden. „Bin gespannt, ob wir die Schuhe danach wegwerfen müssen“, sage ich, schwer schnaufend, zu meiner Mitläuferin. „Auf keinen Fall, meine sind ganz neu“, antwortet sie und entscheidet sich danach, offenbar aufgeschreckt durch meine Bemerkung, möglichst jeder tieferen Schlammspur weiträumig auszuweichen. Das wirkt sich negativ auf ihr Tempo aus, so dass ich allein auf den Mittelteil der Strecke muss. Dort, wo ich eine Woche zuvor auf idyllischem Pfad noch einem halbwüchsigen Fuchs und sonst niemandem begegnete, traben ein paar tropfnasse Konkurrenten auf der Suche nach einem trockenen Bau. Der taucht schließlich in Form des Partyzelts neben dem Ziel in Wörth auf. (Manfred Sauerer)

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