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Regensburg-Land
Samstag, 20. Januar 2018 10

Kirche

Reinschmecken ins Paradies

Genuss und Glauben – das geht zusammen, sagt der neue Barbinger Pfarrer. Er veranstaltet Themenabende mit Bier und Likör.
Von Michael Jaumann

Als „kundiger Amateur“ versteht sich Pfarrer Stefan Wissel in Sachen Bier. Heute stellt er sein Wissen bei der KLJB unter Beweis. Foto: Jaumann

Barbing.Der neue Pfarrer Stefan Wissel sprengt Konventionen und stößt auf Zustimmung. „Das Christliche soll ja nicht immer todernst sein“, sagt etwa Gerda Skasik, Vorsitzende des Frauenbunds Illkofen-Friesheim, bei der der seit 1. September in der Pfarreiengemeinschaft Barbing-Sarching-Illkofen amtierende Geistliche kürzlich das Seminar „Lyrik und Likör“ gehalten hat.

Und die Katholische Landjugend Unterheising-Sarching konnte sich in den letzten Tagen vor Anmeldungen kaum mehr retten. Dort wird an diesem Samstag der Pfarrer ein Bierseminar abhalten. Der Abend ist mehr als ausgebucht, erklärt Vorsitzender Philipp Seitz. Wegen der besonderen Biersorten, die der Pfarrer teils über das Internet beschaffen musste, kann niemand mehr kurzfristig dazustoßen.

Ein „kundiger Amateur“

„Der Glaube muss im Leben seinen Platz haben“, sagt Pfarrer Wissel im Gespräch mit der Mittelbayerischen über den Hintergrund solcher Seminare. „Man kann dabei die Schöpfung auf der Zunge zergehen lassen.“ Nicht das Prassen soll bei diesen Treffen im Vordergrund stehen. Stattdessen sollen sie einen kleinen Vorgeschmack vom Paradies vermitteln, hofft der Pfarrer und verspricht einen interessanten Abend.

„Man kann die Schöpfung auf der Zunge zergehen lassen.“

Pfarrer Stefan Wissel

Diese ungewöhnliche Form der Glaubensvermittlung hat seinen Ursprung in der Vergangenheit Wissels als Diözesanpräses von Kolping. Mit trockenen Vorträgen könne man niemanden locken, hatte der Pfarrer erkannt. Hingegen hatte man im Regensburger Kolpinghaus stets Zugang zu Genussfreuden. Und in Damian Kokoschka, der im Kolpinghaus gelernt hat, hatte Wissel Kontakt zu einen Biersommelier, von dem er sich einiges abschauen konnte.

Er sei kein Biersommelier, wehrt der Pfarrer das Etikett ab, das ihm die KLJB gleich angeheftet hat. In Seminaren habe er sich gleichwohl zum „kundigen Amateur“ weitergebildet. Bier sei facettenreicher als Wein, findet Wissel, der sich am heutigen Samstag auf einen launigen Abend freut – mit Geschichte und Geschichten sowie einem schönen kulturellen Abriss und natürlich einer Verkostung verschiedenster Biersorten.

Den Anfang macht Wissel mit einem Kriek, einem Lambicbier, das er als Aperitifbier kredenzt. Weiter geht es mit Pils, Indian Pale, Weißbieren, darunter ein Eisbock, helle Biere, schottischem Porter und einem einheimischen Dark Dolden, dunklem Bier und klösterlichem Trappistenbier wie Rochefort und Westmalle. Den Abschluss macht ein Waldbier, eines jener Craftbiere, bei denen junge Brauer mit Zirbenzapfen, Wacholder oder Minze als Zusatz experimentieren.

Bier hat viele Facetten. An ihm lässt sich auch die Schönheit des Lebens vermitteln, findet Pfarrer Wissel. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa

13 Sorten wird der Pfarrer den rund 40 Gästen im Pfarrsaal servieren. Im Gegensatz zu einer Weinprobe wird das kredenzte Bier nicht ausgespuckt, sondern getrunken. Gesoffen wird dabei aber nicht. Nachdem die teils hochpreisigen Getränke in Probiergläsern ausgeschenkt werden, trinken die Gäste über den Abend verteilt „wenn es hoch kommt eine Maß“.

Auch beim Likör- und Lyrikabend des Frauenbunds reichte der Pfarrer den Damen nur halbe Stamperl mit Holunder oder Marille, Vogelbeere oder Kirsche. „Vier Stamperl auf zwei Stunden, das geht schon“, versichert der Pfarrer lächelnd. Je nach der Emotion, die der jeweilige Hochprozentige nach der Meinung des Pfarrers vermittelt, trug er Texte von Hesse und Trakl vor, aber auch aus der Bibel. „Er hat eine Stimme, die einen in den Bann ziehen kann“, lobt Gerda Skasik den Pfarrer. Und er habe an jenem Abend stets auch den christlichen Standpunkt eingebracht.

Tischgottesdienste zu Hause

„Wir brauchen in der Pastoral neue Räume“, sagt Pfarrer Wissel und meint damit, dass die Verkündung des Glaubens nicht nur in der Kirche stattfinden muss. „Der Glauben muss im Leben seinen Platz haben“. So möchte der Pfarrer für manche ungewöhnliche Wege gehen – etwa bei den Tischgottesdiensten, die er jeweils mit sechs Kindern bei einem von ihnen zuhause feiern möchte. Jeder bringt etwas mit, dann wird zunächst Gottesdienst gefeiert und anschließend am selben Tisch geteilt und gegessen – ein Hauch von Urkirche.

Der Pfarrer kann sich auch vorstellen, kleine Schauspielgruppen aufzubauen und ein paar Mal im Jahr damit Familiengottesdienste zu würzen. Man muss das Evangelium übersetzen, sagt Wissel dazu.

Bei der Landjugend kommen solche Anregungen an. Auch dort will man neue kreative Formen ausprobieren, sagt Vorsitzender Seitz. In der rund 80 Mitglieder starken Gemeinschaft gebe es nur mehr wenig Aktive. „Wir wollen anschieben, wir wollen etwas Neues aufbauen“, kündigt Seitz an. Die Neugier auf den neuen Pfarrer kann die Landjugend so gut mit den eigenen Zielen verbinden.

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