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Wohnen und Bauen
Montag, 18. Dezember 2017 1

Serie

Immobilien: Ein Markt des Mangels

Der Bevölkerungsdruck auf den südlichen Landkreis ist hoch. Grundstücke sind aber rar, die Bautätigkeit hinkt hinterher.
Von Michael Jaumann, MZ

Neutraubling.Um 10 000 Einwohner ist der Landkreis nach den letztverfügbaren Zahlen des Statistischen Landesamts zwischen 2002 und 2015 gewachsen. Knapp 190 000 Menschen lebten zum Beginn des vorigen Jahres im Landkreis.

Ein großer Teil des Anstiegs ist der Gäubodenlandschaft und dem Hügelland südlich der Donau zuzurechnen. Dort sind die Maschinenbauer und Autozulieferer zu Hause, und entlang der Verkehrsachsen, den Autobahnen A3 und A93 und der autobahnähnlichen B15neu sprießen allerorten Gewerbehallen aus dem Boden.

Die Menschen folgen den Arbeitsplätzen. Viele Gemeinden haben in diesen 13 Jahren ihre Einwohnerzahlen teils massiv gesteigert. Tegernheim etwa hat um 23 Prozent zugelegt, Köfering um 17 Prozent, Mötzing um 18 Prozent, Obertraubling um 16 Prozent und Barbing um 15 Prozent.

Zwei Gemeinden haben verloren

Der Wirtschaftsmagnet des Südens, die Stadt Neutraubling, ist zwar nur um neun Prozent an Einwohnern gewachsen. In absoluten Zahlen bedeutet dies aber ein Einwohnerplus von mehr als 1000. Verloren haben mit Alteglofsheim und Riekofen nur zwei Gemeinden im Süden.

Der Süden wird weiter begehrt bleiben. Bereits das 2005 im Auftrag des Wirtschaftsministeriums sowie Stadt und Landkreis Regensburg erstellte Teilraumgutachten sieht im Süden und Südosten von Regensburg den künftigen Schwerpunkt von Infrastruktur und Siedlungsentwicklung. Auch in den darauffolgenden Jahren ging Gutachter Professor Harald Kurzak in neueren Prognosen stets von einer stark ansteigenden Bevölkerungszahl im Landkreis-Süden aus, weswegen der Landkreis und die besonders betroffene Gemeinde Obertraubling ja unter anderem das Projekt einer Umfahrung von Niedertraubling vorantreiben.

Maschinenbauer und Automobilzulieferer sorgen dafür, dass der Landkreis-Süden wirtschaftlich expandiert. Foto: Jaumann

In einer Vorausberechnung bis 2028 bzw. für größere Gemeinden bis zum Jahr 2034 geht das Landesamt für Statistik für alle Gemeinden im Süden – mit Ausnahme von Mötzing und Riekofen – von steigenden Einwohnerzahlen aus. Die Bevölkerung steigt dort, wo wohl Bauland zu gewinnen sein wird, kaum. Sie steigt in Gemeinden wie Neutraubling, Obertraubling, Tegernheim oder Pentling, wo es Nachverdichtung und Geschosswohnungsbauten geben dürfte, stärker an.


Über 15 000 Einwohner soll Neutraubling im Jahr 2028 laut Demografiespiegel aufweisen – mit einer vergleichsweise jungen Bevölkerung. Es wird damit deutlich die zweitstärkste Gemeinde im Landkreis sein, gefolgt von Obertraubling, das fast 9500 Einwohner zählen soll.

Randlagen sind günstiger

Eine Prognose der Statistiker, die nur Gemeinden mit über 5000 Einwohnern einbezieht, sieht diese bis 2034 weiterwachsen. Neutraubling wird wohl wegen fehlender Flächenreserven nur noch um ein paar hundert Einwohner zulegen. Obertraubling soll jedoch fast 10 000 Einwohner erreichen und Pentling nahezu 7000.

Entscheidend wird sein, ob die Gemeinden ausreichend Wohnraum bereitstellen können. Der Immobilienreport der Sparkasse spricht in seiner letztverfügbaren Ausgabe von einem „Markt des Mangels.“ Üppiger Nachfrage steht ein geringes Angebot sowohl bei Bestandsobjekten wie bei Neubauten gegenüber. Für „gebrauchte“ Eigenheime in Donaustauf etwa sind Preise von einer halben Million Euro bekannt. Je weiter weg von Regensburg, desto günstiger werden die „Gebrauchtpreise“. In Schierling, Sünching und Mötzing werden Bestandsimmobilien für 300 000 Euro gehandelt.

Täglich werden Gemeinden mit Wünschen nach Baugrundstücken konfrontiert, ohne dass sie groß weiterhelfen können. In seinen Sprechstunden sei das häufigste Anliegen jenes nach Bauland, berichtet etwa der Neutraublinger Bürgermeister Heinz Kiechle. Dabei hat die Stadt in den vergangenen Jahren immer wieder Baugebiete ausgewiesen. In vielen Gemeinden des Südens ist Bauland Mangelware. Das liegt unter anderem daran, dass die Flächen auch hervorragende Böden für die Landwirtschaft darstellen, die nicht daran denkt, sich davon zu trennen. Und das liegt auch daran, dass Gemeinden nicht um jeden Preis wachsen wollen, um den sozialem Zusammenhalt nicht zu gefährden.

Alle Serienteile finden Sie hier www.mittelbayerische.de/neutraubling

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