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Wohnen und Bauen
Sonntag, 19. November 2017 7

Serie

In kleinen Schritten entwickeln

Die Prognosen trauen Pfatter, Mötzing und Riekofen kein oder kaum Wachstum zu. Den Bürgermeistern ist aber nicht bange.
Von Michael Jaumann, MZ

Im schmucken Ortskern von Pfatter: Dort finden die Bürger noch vieles, was sie brauchen. Fotos: Jaumann

Neutraubling.Im Ortskern von Pfatter rattern die Maschinen und die Traktoren fahren wie am Schnürchen – es ist Kartoffelernte. Beim kleinen Nahversorger hinter dem Rathaus herrscht Leben und in den zwei Metzgereien nebenan genauso. Solcher Geschäftigkeit zum Trotz sagen die bayerischen Statistiker der Gemeinde aber in den nächsten zehn Jahren in Sachen Einwohner praktisch ein Nullwachstum voraus.

Bürgermeister Jürgen Koch sitzt im Rathaus in einem Amtszimmer mit drei Rüben im Fenster – dem Gemeindewappen – und wirkt nicht, als ob er vor der Zukunft Angst hätte. „Wir wollen entwickeln“, sagt er. „Aber in kleinen Schritten.“ In Pfatter und in Geisling, dem zweitgrößten Ort der Gemeinde, werden aktuell je 16 Parzellen bebaut. Damit keine Lücken bleiben, besteht in den nächsten Jahren Bauzwang.

„Wir wollen uns nicht einmauern“

Im nächsten Jahr soll im Süden der Gemeinde eine Fläche mit sieben Parzellen erschlossen werden. Weil das Gebiet so klein ist, würden dafür nicht einmal ökologische Ausgleichsflächen benötigt. Näher an der Bundesstraße 8 möchte der Bürgermeister keine Baugebiete ausweisen. Dann wäre Lärmschutz nötig. „Und wir wollen uns nicht einmauern.“ So haben die Autofahrer von der Bundessstraße her noch freien Blick auf die Gäubodenperle mit ihren zwei Kirchen.

Von Fachgeschäften bis zum Discounter – „wir haben im Ort alles zur Versorgung da“ – rühmt Koch seine Infrastruktur. Und wer größere Auswahl braucht, fährt nach Rain, nach Wörth oder Neutraubling.

Die Gemeinde weist nur Grundstücke zur Einzelhausbebauung aus. Doppelhäuser und Reihenhäuser bergen Konfliktstoff zwischen den Nachbarn, meint Koch. Und die Grundstücksgrößen sind mit 500 bis über 700 Quadratmeter auch noch so, wie man sie in Stadtnähe nicht mehr findet.

In den Baugebieten wird fleißig gewerkelt. Video: Michael Jaumann

Für die Neubaugebiete hat die Gemeinde zuerst ihre eigenen Bürger bedacht, dann die Auswärtigen. Bis aus Regensburg und Wenzenbach kamen Bauwerber zum Zug. Eigenes Land hat die Gemeinde nun keines mehr zur Verfügung. Wenn etwas günstig angeboten werde, könne man möglicherweise zugreifen. Aber zunächst gelte es Infrastrukturprojekte wie das Kinderhaus und den Umbau des Rathauses zu schultern. Das kostet!

Für die nächsten fünf Jahre sei der Bedarf an Bauland gedeckt, meint der Bürgermeister. Wie sich die Gemeinde anschließend weiterentwickeln werde, dazu gebe es keine Langzeitplanung. „Wir nehmen, wo wir was kriegen können“, so Koch.

Ein 360-Grad-Foto von Pfatter sehen Sie hier. Klicken Sie einfach in das Bild und nutzen Sie dann ihre Maus (oder ihren Finger, wenn Sie ein mobiles Endgerät nutzen), um sich im Bild zu bewegen:

Pfarrer ist ein typisches Straßendorf im Gäuboden. - Spherical Image - RICOH THETA

Auf lange Sicht ist die Ausdehnung von Geisling und Pfatter begrenzt: Im Süden ist die Bundesstraße, der man nicht näherkommen will. Und im Norden sind die Gebiete der Au. Bleibt die Ausdehnung nach Osten. Im Ort sieht der Bürgermeister ebenfalls noch Flächen, die bebaut werden könnten.

Neues Leben für den Ortskern

Von 784 Einwohnern zum Jahresende 2015 soll Riekofen nach den Vorhersagen der amtlichen bayerischen Statistiker bis zum Jahr 2028 auf 720 Einwohner fallen. 480 Einwohner sollen laut diesen Prognosen dann 40 Jahre und älter sein. „Ich glaube nicht, dass wir fallen“, sagt Hans Schiller, Bürgermeister der kleinsten Gemeinde des Landkreises. Für junge Familien würden stets verschiedene Baugebiete ausgewiesen. Ein kleines Areal in Taimering ist fast bebaut, in Riekofen wurden drei Parzellen ausgewiesen.

In Riekofen, übrigens trotz der niedrigen Einwohnerzahl eine schuldenfreie Gemeinde, werden die Grundstücke bisher nur an Einheimische abgegeben. Das kommt den Vorstellungen vieler Riekofener entgegen, die auf die dörfliche Gemeinschaft achten. „Riekofen ist ein Ort mit Zusammenhalt“, findet Bürgermeister Schiller. Ehrenämter für die Vereine konnten bisher immer besetzt werden. In Riekofen und Taimering werde die Gemeinde stets kleinere Flächen zur Bebauung erhalten, denkt Schiller – trotz des knapper werdenden Bodens, der natürlich auch für die Landwirte attraktiv ist.

Im alten Ortskern von Riekofen könnten frei werdende Grundstücke geteilt und neu bebaut werden, denkt Bürgermeister Hans Schiller.

Um das Dorf nicht ausfransen zu lassen, hat der Bürgermeister eine interessante Idee zur Nachverdichtung. Wo alte Bauernhöfe im Straßendorf Riekofen frei würden und Nachkommen der alten Eigentümer daran kein Interesse hätten, sollte die Gemeinde zugreifen. Aus den großen Grundstücken könnten dann mehrere entstehen und bebaut werden. Damit könne die Gemeinde der Überalterung im Ortskern entgegenwirken. „Die Leute bleiben gern in ihren Gemeinden“, ist Schiller überzeugt.

Von der VG Sünching überzeugt

Schuldenfrei ist auch die Nachbargemeinde Mötzing. Auch ihr sagen die bayerischen Statistiker bis zum Jahr 2028 fallende Einwohnerzahlen voraus. Bürgermeister Reinhard Knott setzt dennoch auf sein Dorf. „In Mötzing kann man sich noch einen Bauplatz leisten.“ Die zwölf Parzellen im Ortsteil Schönach, die im Rahmen einer Innenraumverdichtung jetzt bebaut werden, sind inzwischen verkauft – zumeist an Auswärtige. Bevor weitere Neubaugebiete dort ausgewiesen werden, sollen sich die Zugezogenen erst mal in die Gemeinschaft integrieren. Ähnlich sei es zuvor im Dorf Dengling gelaufen. Wie sein Kollege Schiller ist Knott vom Zusammenschluss in der Verwaltungsgemeinschaft Sünching überzeugt. „Das spart Kosten.“ Und im nahen Sünching finde man vom Nahversorger bis zu Ärzten und einem Bahnhof, alles was man braucht.

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