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Wohnen und Bauen
Dienstag, 21. November 2017 5

Serie

Wohnraum für Neuankömmlinge

„Keiner war schon immer hier“: Unter diesem Motto entstehen in Neutraubling Baugebiete. Barbing kommt schlechter voran.
Von Michael Jaumann, MZ

Kein Schwimmbad: Im Baugebiet Heising in Neutraubling entstehen hier Geschossbauten mit 70 Wohnungen. Foto: Jaumann

Neutraubling. In Neutraubling ist es gute Tradition, Baugebiete größeren Ausmaßes öffentlich in der Stadthalle vorzustellen. Hin und wieder tauchen dabei in Redebeiträgen der Bürger Anflüge von Wagenburg-Mentalität auf. Diesen begegnet Bürgermeister Heinz Kiechle mit dem Standard-Satz „Niemand war schon immer da.“

Das letzte größere Neubauprojekt in Barbing liegt schon eine Weile zurück. Foto: Jaumann

Mit diesem Zitat aus dem Stadtbuch verweist Kiechle darauf, dass die Ansiedlung Neutraublings schon immer aus Zuzüglern bestand und besteht. Und er führt sich meist selbst als Beispiel an, wie er einst in seinem Haus am Rand der Bebauung wohnte und sein Heim schon kurz darauf von weiteren Häusern umgeben war.

„Wohnen ist ein Grundrecht“

So gelingt es dem Bürgermeister immer, neuen Wohnraum in der Stadt entstehen zu lassen. „Wohnen ist ein Grundrecht“, sagt er dazu und, dass es den Bürgern in seinen Sprechstunden fast durchwegs um die Suche nach einer Wohnung oder einem Bauplatz geht.

Die den Baugebieten wird fleißig gewerkelt. Video: Michael Jaumann

Im bereits dicht besiedelten Neutraubling sind aktuell einige großflächige Baugebiete im Entstehen oder in der Planung. Im Bereich der Einfamilien-, Doppel- und Reihenhäuser baut das Immobilienzentrum bis 2019 66 Häuser. Die meisten sind allerdings bereits verkauft. Im nächsten Jahr soll aber bereits mit der Erschließung des Baugebiets „Am Kleinfeld“ im Südosten von Neutraubling begonnen werden. Dort plant die VMAX-Familienstiftung anschließend auf einem Areal von über 98 000 Quadratmetern, das die Stiftung gekauft hat, Einzel- und Doppelhäuser, Reihenhäuser und Mehrfamilienhäuser.

Dass in der Stadt auch im Geschosswohnungsbau etwas passiert, ist dem Bürgermeister ein Anliegen. „Wir brauchen auch Wohnungen“, sagt er. Für junge Familien etwa, die sich ein Nest bauen wollen. Oder für Ältere, die gerne eine kleinere Wohnung hätten.

Mehr als 70 Wohnungen im Gebiet Heising

Neben den geplanten Wohnungen am Kleinfeld sind bereits im Gebiet Heising Geschosswohnungsbauten im Entstehen. Dort errichtet das Immobilienzentrum mehr als 70 Wohnungen. Auch an der Haidauer Straße sollen Wohnungen entstehen. Der Bebauungsplan wird aktuell aufgestellt.

Noch nicht einverstanden ist der Stadtrat mit Wohnungsbauten der GBW, die im Zuge von Nachverdichtung an der Schlesischen Straße entstehen sollen. Hier war dem Stadtrat die Bebauung zu dicht. An der Barbinger Straße gibt es bereits Baurecht für Wohnblöcke der Landessiedlung. Diese will eventuell nächstes Jahr bauen.

Ein 360-Grad-Foto vom Baugebiet Heising in Neutraubling sehen Sie hier. Klicken Sie einfach in das Bild und nutzen Sie dann ihre Maus (oder ihren Finger, wenn Sie ein mobiles Endgerät nutzen), um sich im Bild zu bewegen:

Im Baugebiet Heising in Neutraubling wird auf allen Seiten gebaut. - Spherical Image - RICOH THETA

Mit eigenen Projekten soll die Stadt nicht im Wohnungsbau aktiv werden, findet Kiechle. Die Stadt habe ohnehin bereits einen großen Bestand an eigenen Wohnungen. Sozialer Wohnungsbau käme für den Bürgermeister eher als Korrektiv bei sinkender Konjunktur in Frage.

Mit zwei Parkanlagen, die derzeit im Entstehen sind, setze die Stadt auch Zeichen in Sachen Erholungsqualität. Die Flächenreserven in der Stadt dürften noch für lange Jahre ausreichen, schätzt der Bürgermeister. Zumal ja auch über Nachverdichtung Wohnraum geschaffen werde. Einen Sprung der Bebauung über die Südumgehung hinaus hält Kiechle angesichts dieser Reserven nicht für nötig. Die Stadtverwaltung gehe in ihren Planungen von einem Richtwert von 16 000 Einwohnern aus. „Das scheint mir für Neutraubling eine vernünftige Größe zu sein.“

Nachbargemeinde Barbing wächst

Der Nachbargemeinde Barbing sagen Prognosen bis 2028 zwar ein Wachstum um rund 1000 Einwohner voraus. Bürgermeister Hans Thiel hat aber Probleme, ausreichend Baugebiete zur Verfügung stellen zu können. Alleine für Barbing und Friesheim lägen der Gemeinde 500 schriftliche Anmeldungen für Baugrundstücke vor, berichtet Thiel im Gespräch mit unserem Medienhaus.

Abhilfe zu schaffen, tut sich die Gemeinde schwer. In Barbing-Süd sollen zwar 50 Parzellen für Bauwillige ausgewiesen werden. Das Projekt mit jahrelanger Vergangenheit ist im Ort aber schwer umkämpft. Das aktuelle Bebauungsplanverfahren ist von zahlreichen Einsprüchen gekennzeichnet. Immerhin, für Barbing und für Friesheim (geschätzte 20 Parzellen) sind die Bebauungspläne schon am Laufen. Trotz des örtlichen Widerstands hofft Thiel, dass noch heuer die Erschließung beginnen kann und nächstes Jahr die Vergabe der Grundstücke.

Wer kommt zum Zug?

Noch ganz am Anfang sind die Bebauungsplanverfahren für Illkofen, Eltheim und Unterheising. Rund 15 Parzellen möchte der Bürgermeister dort ausweisen lassen. Die Bautätigkeit soll in der ganzen Flächengemeinde stattfinden – aber den Größen der einzelnen Gemeindeteile entsprechen.

Bei so vielen Bauwerbern und so wenigen Grundstücken wird für die Gemeinde die Auswahl derer, die zum Zuge kommen sollen, fast unlösbar. Selbst eine Vergabe nach sozialen Gesichtspunkten funktioniere bei einer Mangelwirtschaft nicht mehr. Am Ende werde womöglich das Los entscheiden müssen.

In zweiter Linie müsse auch an Wohnungen gedacht werden, sagt Thiel. Der Druck, auch hier aktiv zu werden, nehme zu. Die Gemeinde, die selbst etwa 20 Sozialwohnungen besitzt, wolle aber in diesem Sektor nicht aktiv werden.

Mehr Bauland ausweisen zu können, ist in einer agrarisch strukturierten Gemeinde wie Barbing ein Problem. Dazu zählt Thiel die Besteuerung von Landwirten beim Flächenverkauf genauso wie die Areale, die als ökologische Ausgleichsflächen vorgehalten werden müssen. Sollten auch noch die Flutpolder gebaut werden, müssten zudem Dämme gebaut werden. Auch diese nähmen weiter Flächen aus der Landwirtschaft weg.

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